Mainboards, BIOS, Prozessoren, RAM 27.272 Themen, 123.739 Beiträge

Asus P2B-S und pentium III

promotor / 11 Antworten / Flachansicht Nickles

Ich besitze einen Asus P2B-S Motherboard (Rev. 1.02) und einen Prozessor Pentium II 350 MHz. Eigentlich bin ich damit zufrieden, aber es ist nicht mehr das neuste und alles wird schneller. Hier und wieder habe ich über den Betrieb von P2B-S mit Pentium III gehört. Da habe ich mir gedacht, man kann einen Pentium III kaufen. Leider unterstützt das Board nur Pentium II. Im Archiv habe ich schon gelesen, daß BIOS-Update alleine auch nicht hilft. Vorsoglich habe ich die letzte stabile BIOS-Verison (1013) eingespielt. Da das Board relativ alt ist, gibt es wenig Beiträge dazu, aber vielleciht weiß jemand wie man anfangen soll. Ich habe Zugang zu einem Pentium III 450 MHz, also für 4,5*100. Der müsste zuerst funktionieren, danach kann ich überlegen, wie ich einen schnelleren zum Laufen bekomme (wenn es überhaupt geht?)

bei Antwort benachrichtigen
Bavarius promotor „Vielen dank für die Hinweise. Ich habe schon befürchtet, daß es mit dieser...“
Optionen

Hi Promoter !

Ohje, Du willst alle Unterschiede zwischen all den Prozzis aus der PII-und PIII-Familie kennen ?? Na gut, dan gebe ich Dir jetzt mal eine chronologische Übersicht, aber Vorsicht, das wird jetzt ein etwas längerer Artikel mit ziemlich viel Fachchinesisch. Ich schreib das aber nicht nur für Dich, sondern auch zur Info für alle anderen an diesem Thema interessierten User...

Der vorhandene PII-350 hat des Deschutes-Kern, diese CPU hat immer die Slot1-Bauform, wurde in einer Strukturbreite von 0,25 Mikron hergestellt und benötigt 2.0 V VCore-Spannung. Der L2-Cache war noch nicht im Prozzi-Kern integriert, sondern bestand aus 2 separaten Speicher-Bausteinen mit insgesamt 512 KB, die neben dem Deschutes-Kern auf der Slot1-Platine integriert wurden und nur mit dem halben Prozzi-Takt angefahren wurden. Die Deschutes gab es ab 350 MHZ nur mit 100er Bustakt und wurden bis 450 MHZ hergestellt, und ab dem 'Baujahr' August '98 hatte alle PIIs und sämtliche nachfolgedende CPU-Generationen den fest eingebauten, unveränderlichen Multiplikator. BTW, mit dem Deschutes-Kern wurden auch so sinnvolle Sachen wie die Temperaturmessung direkt aus dem Prozzikern eingeführt, damit kann man natürlich nur dann was Sinnvolles anfangen, wenn das Mainboard dieses Feature auch unterstützt, Dein älteres P2B-S hat von solchen Neuerungen naürlich noch nie was gehört, da geht das alles noch recht klassisch über den extern am Prozzikühler anliegenden Temperaturfühler von sich, aber spätere Versionen der BX-Boards wie z.B. das P3B-F lesen die Temperatur sehr genau und direkt aus dem 'DIE' aus, da weiß man immer, ob es dem
Prozzi auch warm genug ist...

Ebenfalls im Jahre 1998 wurde als Reaktion auf den AMD K6-2 das Billig-Modell Celeron mit 66er Bustakt aus der Taufe gehoben, das erste Modell mit 266 und 300 MHZ hatte den Codenamen 'Covington' und bestand praktisch nur aus einem 'nackten' Deschutes-Kern ganz ohne L2-Cache. Dieser cachelose Bastard war dementsprechend grottenlahm, wurde von der Fachpresse gründlich verrissen und war kaum verbreitet, aber in den Köpfen vieler User setzte sich das Vorurteil 'Celeron = kastrierte, völlig impotente CPU = Billig-Modell ohne Performance' fest, und der Begriff 'Celeron' konnte sich von diesen üblen Beigeschmack nie ganz lösen und wurde trotz der gloreichen Nachfolger vollständig rehabilitiert.
Ab August '98 brachte Intel den überarbeiteten Celeron mit Mendocino-Kern heraus, diese CPU hatte zwar 'nur' 128 KB L2-Cache, aber dieser Cache war jetzt im CPU-Kern integriert und wurde mit vollem Prozzi-Takt angeblasen. Das erste Modell dieser neuen Generation hatte zwar auch nur 300 MHZ, aber das was der legendäre 'Celeron 300A', der fast immer ohne Probleme und ohne oder nur mit mäßiger VCore-Erhöhung auf 450 MHZ lief und damit nur ca. 2 - 4 % langsamer war als ein vollwertiger PII-450. Dieser Prozzi machte das Übertakten zum Volkssport, und es war auch finaziell eine sehr interessante Angelegenheit, denn wo sonst konnte man durch ein paar simple Tricks mit dem billigsten Prozzi für ca. 200.- DM die Performance des 1000.- DM teuren großen Bruders PII erreichen ?
Durch die Integration des L2-Caches in den Prozzi-Kern wurde auch die teure Slot1-Bauform des Celerons überflüssig, jetzt konnte man das Ding wieder 'mit vielen Beinchen' produzieren, es wurde der ein neuer Steckplatz, der Sockel 370 eingeführt und die Bauform der Cellis 'PPGA' genannt. Hmmm, eigentlich bräuchte man für die flotteren Cellis neue Mainboards, aber Abit und die anderen MoBo-Hersteller brachten passende PPGA->Slot1-Adapter auf den Markt, somit konnte man die alten Slot1-Mainboards einfach weiterverwenden, ohne daß man sich in eine technische Sachgasse begeben musste...

Anfang '99 erschien der erste Pentium-III mit dem Codenamen Katmai, dieser hatte dieselben Spazifikationen wie der Deschutes, nur waren da erweiterte MMX-Befehle eingebaut, die jetzt 'ISSE' genannt wurden und laut Intel-Werbung 'das Internet schneller machen' sollten... ;-))) Zugleich wurde jedem Prozzi auch eine vom Bios auslesbare Seriennnummer verpasst, die aber heftige Kritik von den Datenschützern hervorief und deswegen in späteren CPU-Familien nicht mehr eingesetzt wurde. Der Katmai war praktisch also nur 'ein alter Wein in neuen Schläuchen' und brauchte in vielen Fällen nicht mal ein aktuelles Biosupdate, damit er von den alten BX-Boards halbwegs richtig erkannt und angefahren wurde, und das schnellste Modell mit 600 MHZ und 100er Bustakt ist bei vielen Mainboards und deren Revisionen praktisch und von offizieller Seite her die flotteste verwendbare CPU, deswegen wird dieser Katmai auf dem Gebrauchtmarkt heiß begehrt und immer noch für relativ teuer Geld gehandelt....

Im Sommer `99 erschien auf dem Prozessormarkt eine neue, starke Konkurrenz in Form des K7-Athlon, und als Antwort darauf brachte Intel für den PIII einen neuen Kern, den Coppermine heraus. Der Coppermine war endlich mal eine richtige Neuerung, der Core hatte 0,18 Mikron Strukturbreite und 256 KB L2-Cache, die jetzt wie beim Celeron mit vollem Prozzispeed angefahren werden konnten. Die ersten Coppermine-Steppings des PIII brauchten aber 1,65 V VCore-Spannung, aber die alten BX-Bretter konnten bei der minimalen Spannung nur auf 1,8 V heruntergehen. Weil die Coppemrines eine völlig neue CPU-Architektur darstellten, benötigt man auch unbedingt ein BiosUpdate mit den Infos über die neuen Prozzis, denn wenn ein Mainboard-Bios während der Initialisierung in der Boot-Phase mit dem neuen Prozzi überhaupt nix Sinnvolles anfangen kann, dann bleibt die Kiste im Dauerreset und scheinbar im völlig totem Zustand. Auch wenn das BiosUpdate den Coppermine erkennt, so kann dieser 'scheintote' Zustand auch dadurch hervorgerufen werden, wenn die CPU eine VCore-Spannung anfordert, die das Mainboard nicht bereitstellen kann. Aus diesen Gründen wurden bei den namhaften Boardherstellern in den FAQs die Kompatibilitätlisten für das Coppermine-Upgrade veröffentlicht, wo man selber nachlesen konnte, ab welcher Bios-Version, Boardrevision und/oder PCBA-Nummer die Sache offiziell abgesegnet wurde und die Spannungsregulatoren auf dem Mainboard die niedrigen Coppermine-Spannungen bereitstellen konnten. Soweit ich mich noch entsinnen kann, wurde spätestens mit dem Coppermine auch der autonome, CPU-interne Überhitzungsschutz eingebaut, der Prozzi schaltet sich einfach selber ab, wenn die Kühlung nicht ausreicht und es zu warm ums Herz wird... Nur so nebenbei bemerkt, sogar die aktuellen AMDs haben bis heute noch keinen derartig 'intel'ligenten und idiotensicheren Schutz vor der Selbstzerstörung und teilweise noch immer massive Probleme mit dem genauen Ablesen der CPU-internen Temperatirdiode... ;-))

Wegen der Integration des L2-Caches wurde Anfang 2000 auch die Slot1-Bauform überflüssig, die Coppermines wurden jetzt auch im Sockel370-Design gebaut und das Ergebnis jetzt FC-PGA genannt. Der neue Name wurde deswegen 'notwendig', weil Intel die Prozzis zwar immer noch mit 370 Pins herstellte und die Dinger rein mechanisch in die alten Sockel370 auch reinpassten, die FC-PGAs aber eine andere elektrische Pinbelegung hatten und somit nicht mehr auf den alten PPGA-Sockeln benutzt werden konnten. Wurde ein FC-PGA in einen PPGA-Sockel reingesteckt, dann blieb der prozzi wieder im Dauerreset und die Kiste scheinbar tot. Wer sich damals ein vor kurzem noch
'zukunftssicheres' Sockel370-Mainboard mit dem PPGA-Layout zugelegt hatte, der kam sich jetzt ziemlich verarscht vor, man konnte den PPGA-Sockel zwar selber 'kompatibel' für die FC-PGA-Prozzis machen, aber das erforderte entweder Lötarbeiten am Mainboard oder den PPGA->FC-PGA -Adapter 'Neo S370' [ das ist so 'ne Art Zwischensockel ], der von der Firma Powerleap entwickelt und hierzulande für teuer Geld verkauft wurde.

Die Besitzer der Slot1-Boards wurden von diesen Problemen nicht so sehr geplagt, denn die Hersteller der Slot1-Adapter brachten ziemlich schnell passende Nachfolger-Modelle für die FC-PGA-Prozzis heraus, und aus diesem Grunde solltest Du ganz genau aufpassen, welchen Slot1-Adapter Du Dir zulegst. Die 'guten' FC-PGA-Slot1-Adapter habe ich Dir bereits genannt, denn diese Adapter haben Jumper für die Prozessorspannung VCore, und wenn man ein offiziell 'coppermine-untaugliches' Mainboard hat, kann man folgenden Trick durchführen : Man jumpert am Slot1-Adapter die VCore von 1,8 V ein, damit wird das originale VCore-Signal der CPU derartig maskiert, so daß das Mainboard davon ausgeht, dieser Prozzi würde ganz 'offiziell' die 1,8 V benötigen. Die 1,8 V kann das alte BX-Board praktisch immer bereitstellen, und wenn das Bios aktuell genug ist und den Coppermine-Kern erkennt, dann springt die Kiste auch klaglosr Coppermine wird dadurch zwar ständig mit leicht erhöhter Spannung betrieben, aber so ein Intel ist zielich hart im Nehmen, der hält sowas auch schon auf Dauer problemlos aus. Ich habe den ersten Coppermine schon vor über zweieinhalb Jahren auf diese Art und Weise 'überredet', auf einem P2B der ersten Generation zu funktionieren, der Prozzi erfreut sich noch heute der besten Gesundheit, und hier im Forum kamen bis jetzt auch noch keine Beschwerden wegen der 'unchristlichen' Jumpersettings @ 1,8 V. Es gibt auch eine ganz legale Lösung von der Firma Powerleap, nämlich den 'Powerleap FC-PGA-Slot1-VRM-Adapter Rev. 1', dieses Ding hatte die nötigen Spannungswandler OnAdapter, somit wurde der Coppermine immer mit seiner Standard-Spannung angefahren, aber das Teil kostete damals weit über 150.- DM und fand bei den Privatleuten nur relativ wenig Beachtung.

Die Coppermines sind Intels umfangreichste Prozzi-Familie der PIII-Generartion, es gibt sie in 4 verschiedenen Steppings mit VCore- Spannungen von 1,5 bis 1,75 V, von 500 bis 1100 MHZ, als PIII mit 256 KB L2-Cache und 100er oder 133er Bustakt oder als Celeron mit 128 KB L2-Cache und mit 66, ab 800 MHZ auch mit 100 MHZ Bustakt. Es würde jetzt den Rahmen sprengen, wenn ich jetzt auf jede einzelne Version genauer eingehen würde, Du brauchst Dir nur zu merken, daß Du mit dem aktuellsten Bios 1014 Beta 03 und dem richtigen FC-PGA->Slot1-Adapter @ 1,8 V jeden flotten Coppermine-Celli oder PIII mit 100er Bustakt auf Deinem Board zum laufen bringen kannst....

Die letzte und z.Zt. aktuelle Evolutuionsstufe der PIII-Familie hört auf den Namen 'Tualatin' und geht bis 1400 MHZ. Dieser Kern wird im 0,13 Mikron-Verfahren hergestellt und benötigt deswegen nur noch 1,475 oder 1,5 V. Weil es bei Intels ja fast schon so langsam zur Tradition wird, wurde hier die Pinbelegung des Sockel370 schon wieder geändert, und damit auch die letzten User der Slot1-Bretter zur Umkehr auf neue Sockel370-Mainboards überredet werden, wurde beim Tualatin sogar das Busprotokoll leicht abgeändert und diese neue Norm recht einfallslos einfach 'FC-PGA2' genannt. Der Tualatin-PIII hat zwar immer den 133er FSB, aber es gibt sie in 2 Versionen, der 'große' PIII-S kann mit satten 512 KB Fullspeed-L2-Cache aufwarten und sollte eigentlich nur im Server-Bereich eingesetzt werden, während die ganz normale PIII- Version wieder 'nur' 256 KB und damit genausoviel L2-Cache wie der Tualatin-Celeorn mit 100er FSB hat. Naja, ein paar Verbesserungen hat der Tualatin-PIII dem 'Celeratin' ja schon voraus, aber der Celli ist im Endeffekt genauso flott unterwegs wie ein gleichgetakteter Coppermine-PIII, und mit 1400 MHZ muß sich der 'Billig-Prozzi' vor dem Coppermine wirklich nicht verstecken.

Normalerweise kann man den Tualatin auf alten Mainboards nicht mehr betreiben, aber die Rettung kommt wieder mal aus dem Hause Powerleap. Diese Firma schaffte es, einen FC-PGA2->Slot1-Adapter zu entwickeln, der einen Tualatin mit dem passenden Spannungen und Busprotokoll versorgte, so daß man trotz alledem den neuen Pozzi auf einigen alten Slot1-Boards betreiben konnte, solange der Boardhersteller ein Biosupdate mit Tualatin-Support herausbrachte. Die passende Kompatibilitätsliste von deutschen Vertreib dieses Adapter kann man sich hier anschauen, und Dein Asus-Board gehört auch zu den 'Tualatin-upgrade-fähigen' Brettern : http://cpuupgrade.com/html/tualatinslot1liste.html

Der vorliegende PIII-450 hat den Katmai-Kern, der wird auf jeden Fall sofort auf Deinem Asus-Board laufen, weil das vorliegende Bios schon aktuell genug ist. Wenn Du da was Schnelleres haben willst, dann nimmst Du entweder einem flotten Coppermine bis 1000 MHZ auf einem passend gejumperten FC-PGA->Slot1-Adapter oder Du leistest Dir den Luxus, machst das Biosupdate und besorgst Dir bei den Restposten von www.cpuupgrade.com diesen Tualatin->Slot1-Adapter und einen flotten 'Celeratin', wenn Du Dein System mit maximal möglicher Prozzipower ausstatten willst. Du kannst Dir natürlich auch ein komplett neues System mit AMD oder P4-Prozzi mit mehr als 2 GHZ holen, aber dann kostet es auch deutlich mehr als die ca. 150.- Euro, die ich für die Tualatin-Upgrade-Lösung veranschlage. Aber da Du bis jetzt immer noch mit 'nur' 350 MHZ ausgekommen bist, sollte auch ein 'kleines' Coppermine-Upgrade für Deine Bedürfnisse vollkommen ausreichen...

Alles klar ?? ;-)))

cu Bavarius

bei Antwort benachrichtigen