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News: Image-Optimierung ab 29 Euro

Webex löscht kritische Inhalte im Internet

Redaktion / 9 Antworten / Flachansicht Nickles

Ein neuer Dienstleister namens WebReputation fahndet nach personen- oder unternehmensbezogenen Einträgen in Foren, Blogs und auf Webseiten. Auf der Webseite www.webreputation.com können ab sofort Privat- und Unternehmenskunden Recherche- und Löschaufträge online bestellen, konfigurieren und die Ergebnisse einsehen.

Zu den Full-Service-Dienstleistungen gehört nach Angaben des Unternehmens auch das Löschen oder Korrigieren von Webseiten beziehungsweise Online-Artikeln mit falschen oder kritischen Inhalten. Dabei werden die Ansprüche des Kunden gegebenenfalls auch durch Einbeziehung von Fachanwälten durchgesetzt. Für das Löschen einer deutschen Webseite veranschlagt Webex 29 Euro.

Sollte das alles nicht reichen um unerwünschte Kritik und ein schlechtes Images aus dem Web zu räumen, bietet Webex als optionalen Service auch an, im Interesse des Kunden aktiv an Foren und Diskussionen teil zu nehmen.

Eine Schnellübersicht der Dienstleistungen findet sich hier: Löschen und korrigieren von Webseiten.

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dl7awl Redaktion

„Webex löscht kritische Inhalte im Internet“

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Wirklich neu ist sowas ja nicht, man denke nur an www.reputationdefender.com - die gibt es schon seit Jahren.

Mit denen hatte ich mal zu tun. Hintergrund: Ich habe eine damals vielbeachtete Website betrieben und dort eine bundesweite mutmaßliche Betrugsmasche mit dubiosen Mobilfunk-Verträgen untersucht, aufgedeckt und dokumentiert und auf die Weise weitere Opfer gewarnt und maßgeblich zur Austrocknung des Sumpfes beigetragen (ich war ursprünglich selbst Geschädigter und bin abgezockt worden).
Ich habe die Seite, die zweimal mit einem renommierten Verbraucherschutz-Award ausgezeichnet wurde, auch danach weiter im Netz gelassen, als warnendes Beispiel und "Lehrstück" sozusagen. Das gefiel dem ehemaligen Hauptdrahtzieher des Sumpfes überhaupt nicht. Der scheint auch danach nicht gerade zum Wohltäter der Menschheit geworden zu sein, um es mal vorsichtig auszudrücken ;-) - und da schadet es dem "Geschäft", wenn die schmutzige Weste immer noch weithin für alle zu sehen ist. ReputationDefender sollte es dann für ihn richten und ihm wieder eine weiße Weste verschaffen.

Die stellen sich als Robin Hood der "Guten" dar und versprechen wortreich und sülzig, das Internet "zu einem besseren Platz zu machen" usw. Und sie erwecken geheimnisvoll den Eindruck, zur Entfernung unerwünschter Inhalte ein ganzes Arsenal hochwirksamer Möglichkeiten zu haben. Aber bildlich gesprochen, habe ich statt Kanonen und blitzender Schwerter als einzige Waffe nur einen Zahnstocher gesehen.
Ein paar sehr freundlichen Bettelmails mit Bitte um Löschung bestimmter Inhalte - das war alles. Noch nicht mal ansatzweise subtile oder gar offene Androhung irgendwelcher Konsequenzen, statt dessen eher indirekte Verhandlungsangebote, und immer extrem freundlich und im Betteltonfall. Offensichtlich war man sich der fehlenden Handhabe bewusst.

In der Tat sind die rechtlichen Möglichkeiten, etwa gerichtlich erfolgreich gegen bestimmte Inhalte vorzugehen, äußerst gering, jedenfalls wenn die Inhalte fundiert und sachlich dargestellt sind und Meinungsäußerungen nicht in sog. "Schmähkritik" ausarten. Darauf habe ich bei meinen Seiten stets sehr geachtet. Journalistische Recherchen und Meinungsäußerungen sind nun mal ein hohes Gut und durch das Grundgesetz geschützt, und da bedarf es entweder handfester Verfehlungen oder gewichtiger höherer Rechtsgüter, um das außer Kraft zu setzen. Eben mal was "löschen", nur weil ein anderer das will - das geht hierzulande zum Glück noch nicht.

Aber das kann Firmen wie ReputationDefender eigentlich egal sein. Denn die leben ja nicht vom Erfolg, sondern von den geweckten Erwartungen. Versprechen können sie nichts, und der Kunde zahlt immer - auch bei Misserfolg. Letztlich also bei Licht besehen nichts als eine weitere clevere Geschäftsidee, die - man muss es so sagen - umso besser funktioniert, je mehr Erfolgserwartungen bei potenziellen Kunden geweckt werden.

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