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Wohin Europa?

basil / 28 Antworten / Flachansicht Nickles

Die Zeiten werden härter, die Ära nach dem Kalten Krieg ist definitiv vorbei. Alte Feinbilder existieren nicht mehr und die Truman Doktrin hat ausgedient. Europa ist für die USA nicht länger von Interesse als Bollwerk gegen den Kommunismus und die politisch, sowie wirtschaftlichen Interessen der USA haben sich Zugunsten einer protektoristischen Weltpolitik verschoben. Eine Angleichung internationaler Einflußshphären an wirtschaftliche Interessen der amerikanischen Politik sind neuerdings erklärtes Ziel der amerikanischen Außen- und Verteidigungspolitik. Was dort nicht mehr hineinpaßt ist ein starkes Europa. Die einzige verbliebene Weltmacht ist die USA ud diese will es nicht mehr dulden, daß eine andere Institution oder ein anderer Staat an ihrer Hegemonie rüttelt. Aus diesen Gründen dürfte ein starkes und einiges Europa der schlimmste Alptraum der amerikanischen Falken sein. Die momentane europäische Situation spielt den USA in die Hände. Die EU gespalten in Mitläufer und Verweigerer, die UN de facto zu Grabe getragen. Muß Europa sich jetzt entscheiden in einen offenen Konflikt mit den USA zu manövrieren und sich wirtschaftlich wie militärisch lossagen vom großen Verbündeten? Kann es die immer wieder vorgebrachte Erbschuld der Rettung vor Hitler einfach über Bord werfen? Haben dei USA so eigennützig gehandelt, als sie nach dem Angriff auf Pearl Habour letztendlich doch in den 2. Weltkrieg eingestiegen sind nachdem Hitler schon halb Eurasien sein eigen nannte und nachdem sie über ein Jahrzehnt gute Geschäfte mit Hitlerdeutschland betrieben hatten? Gibt es eine Verpflichtung zu unabdingbarer und unkritischer Bündnistreue? Besteht für Europa überhaupt die Chance zu einem unabhängigen und wirtschaftlich starken Gegengewicht zur derzeit rücksichtslosen und protektionistischen Weltmacht USA zu werden? Könnte es so weit kommen, daß einmal Europa zur Achse des Bösen in den Augen der USA werden könnte und wir befreit zu werden drohen?
Wie ist eure Meinung? Sollte Europa nationale Interessen hinten anstellen und sich gegen die USA abschotten, zur Not im Bündnis mit Rußland, China und dem Nahen Osten? Wer ist in Wirklichkeit lieber für eine bedingungslose Unterordnung unter amerikanische Interessen mit der Aussicht auf Gefälligkeitsleistungen durch den großen Bruder und wer ist für einen harten Weg der Konfrontation und der Lossagung von vielfältigen wirtschaftlichen und politischen Verflechtungen mit den USA? Und ist das eurer Meinung nach überhaupt machbar?
Bitte keine Flames zu dem Thema, ich meine dies wirklich Ernst und für Christus: Bitte erspare und diesmal deine geistige Flatulenz.

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Tilo Nachdenklich basil „Wohin Europa?“
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Hallo Basil!

Eine Frage so zu stellen führt nicht all zu weit. Man muss das ganze auf ein paar Thesen verdichten, die zu EINEM Problem formuliert werden. Zu einzelnen Thesen mag man dann noch Erläuterungen schreiben. Ich mach das mal vor.

1) Die Dramatik der Unterstützungsfrage hat sich seit dem Beginn des Vietnam-Krieges kaum verändert zwischen Amerika und Europa. Das belegt sehr schön folgender Artikel in der Zeit:
http://www.zeit.de/2003/14/A-US-Unterst_9ftzung

Ein paar Änderungen gibt es schon.
2) Die Ost-West-Konfrontatition ist weitestgehend weg.
3) Die "Neuen Europäer" wollen unbedingt die USA blind unterstützen. Europäer sind sie dabei nicht mehr so gerne. Vielleicht noch was den Aggrarmarkt betrifft und das freie Reisen und Arbeiten, aber sonst... ? Europäisches Bewußtsein, historisches Bewußtsein Fehlanzeige. Seit den 60-ziger Jahren bis etwa 89 ein tiefes schwarzes Loch. Die gesellschaftlichen Debatten, die bei uns stattgefunden haben, kennen sie nicht.
4) Es gibt den internationalen Terrorismus und Massenvernichtungswaffen, aber kein eingespieltes Gleichgewicht des Schreckens. Damit sitzen wir eigentlich mit im Boot, obwohl wir jetzt noch so tun, als gäbe es noch einen Ausweg. Nun herrscht er, "Der diskrete Charme der Bourgoisie".
5) Die Europäer und die Uno nehmen sich für alles entsetzlich viel Zeit.

6) Ansonsten geht es nicht ums Verhältnis Europäer-Amerika (da mag es allerdings den einen oder anderen Handelskrieg geben, weil überall das Geld fehlt), sondern erst mal nur wie sich die Europäer gegenüber der gegenwärtigen texanischen US-Administration verhalten.
7) Die USA mögen sich durchsetzen, aber sie gehen an den Kosten wirtschaftlich pleite.

8) Es geht auch darum, wie sich die Europäer zum Terrorismus verhalten. Diese Terroristen gäbe es nicht ohne staatliche Unterstützung (Geheimdienst, Bürokratie, viel Geld), denn niemand sonst reicht ihnen auch nur den kleinsten Finger.
9) Es stellt sich die Frage, welche Regime müssen weg und wie man das macht. Da wird man nicht immer gleich einmarschieren können.
10) Freedom is just another word for nothing left to loose. Die Freiheit sich insgeheim Terroristen zu halten, könnte man ihnen versalzen.
Sobald sie was zu verlieren haben, könnte es reichen sie ein paar Tage vom Internet abzuhängen (und ähnliche Maßnahmen), damit sie begreifen, wem sie kein Geld geben dürfen.

11) "Alte Feinbilder existieren nicht mehr" schreibst Du (Basil). Meine sind prächtig intakt.

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