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News: Vergeblicher Schönredeversuch

Firefox-Browser soll künftig mit Werbung gefüllt werden

Michael Nickles / 24 Antworten / Flachansicht Nickles

Für empörte Aufschreie bei der Kostenlos-Fangmeinde, sorgt zwischen den Zeilen Geschriebens in einem Blog-Beitrag der Mozilla-Macher: der beliebte Firefox-Browser soll künftig mit Werbung versehen werden. Der Blog-Beitrag nennt das Kind natürlich nicht beim Namen, sondern versucht, es als sinnvolle Neuerung zu verkaufen.

Konkret geht es um die Standard-Startseite des Firefox und jene Seite die erscheint, wenn im Firefox ein neuer Tab geöffnet wird. Dann zeigt Firefox für Schnellabruf Screenshots der zuletzt/meist genutzten Seiten an. Bei einem frisch installierten Firefox gibt es selbsterklärend noch keine beliebtesten Seiten des Nutzers zum Darstellen, die Seite ist weitgehend leer.

So sieht es aktuell aus, wenn bei einem frisch installierten Firefox ein neuer Tab geöffnet wird. Im ersten der neun Felder wird die Firefox-Startseite empfohlen, die übrigen Felder sind leer. Die Adblock-Plus-Macher haben per Twitter bereits Widerstand signalisiert. (Foto: Mozilla.org, Twitter.com)

Das soll sich demnächst durch "Füllmaterial" ändern, dass im Mozilla-Blog als "Directory Tiles" bezeichnet wird. Diese "Füller" können beispielsweise beliebte Webangebote sein oder gesponsorte Inhalte, also Werbung. Bei den Sponsoren soll es sich um "handverlesene" Partner handeln, die helfen, Mozillas Mission untersützten.

Die gesponsorten Felder sollen deutlich entsprechend gekennzeichnet sein. Wann die "Directory Tiles" eingeführt werden sollen, ist noch unklar. Es ist aber davon auszugehen, dass das bei allen Firefox-Versionen kommen wird.

Michael Nickles meint:

Also gut, Werbung = Sauerei. Kommen wir zur sinnvollen Diskussion. Wodurch finanziert sich eigentlich Firefox? Wer zahlt die Leute, die diesen "kostenlosen" beliebten Browser seit geraumer Zeit programmieren und pflegen?

Eine simple Suche nach "womit finanziert sich firefox" führt beispielsweise zum Abschnitt "Finanzierung und Werbung" im Wikipedia-Beitrag zu Firefox. Die simple Antwort: Google.

2010 hatte Mozilla 123 Millonen Dollar Jahreseinnahmen, 100 Millonen davon soll ein Sponsoringvertrag mit Google eingebracht haben. Der simple Deal besteht darin, dass bei Firefox standardmäßig Google als Suchmaschine eingetragen ist. Im Dezember 2011 wurde der Vertrag bis 2014 verlängert und es wurden wohl jährlich 300 Millionen Dollar vereinbart.

Vergleichsweise lächerlich sind die Einnahmen, die Mozilla bislang durch Spenden eingeholt hat - 2004 brachte das wohl mal rund 250.000 Dollar. Und was passiert, wenn Google den Vertrag mit Firefox nach 2014 nicht verlängert? Richtig - dann wird es ziemlich doof.

Möge man Mozilla also ein paar zusätzliche Kröten durch "Sponsoren-Füllmaterial" gönnen. Das  umstrittene Anzeigen-Blockierungs-Unternehmen Adblock Plus hat unverzüglich getwittert, dass man die "Anzeigeneinblendungen" im Firefox bei deren Einführung augenblicklich blockieren wird, wenn sie als aufdringlich eingestuft wird.

Adblock Plus ist unter anderem als Firefox-Plugin populär geworden, weil es eben mit diesem Browser blendend funktioniert. Und Firefox ist beliebt, weil es eben dieses prima funktionierende Adblock Plus dafür gibt.

Sollte Adblock Plus jetzt Werbeeinnahmen für Mozilla verhindern, ergibt sich eine recht bizarre Situation.

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