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2 Millionen Raspberry Pi - sinnvoller Allrounder oder Hype?

Michael Nickles / 32 Antworten / Flachansicht Nickles

 

Im Blog-Beitrag wurden anlässlich des Meilensteins erste Unboxing-Bilder von den ersten 2.000 Raspberry Pi gezeigt (Foto: Webpräsenz Raspberry Pi)

Bereits 2 Millionen Exemplare des Miniatur-Komplettrechners Raspbery PI wurden inzwischen weltweit verkauft. Eigentlich hatten die Macher erst im Januar 2014 mit diesem weiteren Meilenstein gerechnet, jetzt wurde er bereits in der letzten Oktoberwoche erreicht.

Die Entwickler errinnern daran, dass die ersten 2.000 Raspberry Pi im Februar 2012 produziert und aus China geliefert wurden. Die Palette wurde damals in zwei Hälften geteilt, um sie selbst mit dem Auto in die Garage transportieren zu können.

So. Inzwischen haben weltweit also zwei Millionen Leute so ein Ding. Ich frage mich, bei wie vielen es nur rumliegt und in wie vielen Fällen es tatsächlich genutzt wird. Ist dieser Raspberry Pi wirklich ein produktiver Kracher oder nur ein Hype?

Entwickelt wurde der Minirechner ursprünglich um interessierte Leute wieder runter zur Basis zu bringen, quasi in die Zeit der Homecomputer, wo man noch richtig selbst ran musste, selbst basteln und programmieren, um spannende Dinge machen zu können. Das ist mit dem Raspberry Pi theoretisch geglückt, praktisch glaube ich aber nicht.

Homecomputer waren damals sündhaft teuer, heute kriegt man Rechner nachgeschmissen, die Notwendigkeit zum Selbermachen existiert nicht mehr. Und wer Computertechnik von der Pike auf lernen will, der kann das Programmieren auch auf einem stinknormalen PC lernen - dafür braucht es keinen Miniaturrechner.

Welchen Nutzen hat so ein Raspberry Pi also im praktischen Alltagseinsatz? Es gibt zig angeblich geniale Projekte, die sich mit dem Miniaturrrechner machen lassen. Selbst der Spiegel hat online welche veröffentlicht. Darunter beispielsweise eine Anleitung, wie mit dem Raspberry Pi ein W-Lan Drucker gebastelt wird.

Für so ein Projekt braucht man natürlich erstmal einen Raspberry Pi (ca 40 Euro). Dazu sind dann noch ein Netzteil und einen WLAN-Stick fällig. Und irgendein Gehäuse wäre vielleicht auch nicht schlecht. Das macht dann leicht so um die 60 Euro. Alleine für die Hardware.

Hinzu kommt die Zeit, um die nötige Drucker-Server-Software zu installieren und einzurichten. Dafür braucht es Linux-Kenntnisse. In der Projektanleitung des Spiegels wird der Zeitaufwand auf "etwa 2 Stunden" eingeschätzt. Am Ende hat man dann ein Ding, das man an einen Drucker mit USB-Schnittstelle anstecken kann und dann kann dieser Drucker drahtlos per WLAN genutzt werden - für halt um die 60 Euro.

Bedenkenswert dabei ist, dass man für 60 Euro bereits einen brandneuen Drucker mit eingebautem WLAN kriegt (ich hab auf die Schnelle mal den hier bei Amazon gefunden: Canon Pixma MG3250 All-in-one Multifunktionsgerät (Drucker, Kopierer, Scanner, USB 2.0) schwarz). Neue Laserdrucker mit WLAN kriegt man ab 65 Euro (Mono) und ab ca 95 Euro (Farbe). Sinn macht der Raspberry Pi als "WLAN Drucker Server" also eigentlich nur, wenn man um jeden Preis einen alten Drucker weiternutzen will, der kein WLAN hat. Und selbst dann gibt es eine Alternative zum aufwändigen Rumgebastel.

Miniatur WLAN-Drucker-Server von TP-Link für rund 40 Euro. (Foto: TP-Link)

Einen komplett fertigen WLAN-Drucker-Server wie den TP-Link TL-WPS510U gibt es bereits für rund 40 Euro - und das ist gewiss auch schicker, als ein entsprechendes Raspberry Pi Projekt.

Weiter gilt: selbst billige WLAN-Router haben inzwischen oft einen USB-Drucker-Server mit dabei. Nein, ich will hier nicht verschweigen, dass die Raspberry Pi Lösung vielleicht flexibler ist, sich selbst für sehr exotische Drucker konfigurieren lässt (wenn man es hinkriegt).

Ich tendiere dazu, derlei Raspberry Pi Projekte als sinnlos zu verurteilen, lasse mich aber gern belehren. Vielleicht ist es der Bastelspass und der Kontakt mit Linux, der den Kick bringt.

Extrem beliebt sind auch Projekte, bei denen der Raspberry Pi als eine energiesparsame Multimedia-Zentrale fürs Wohnzimmer verwendet wird. Auch hier braucht es wie beim WLAN-Projekt wieder eine Hardware-Basis von rund 60 Euro.

Die Rechenleistung des Raspberry Pi reicht bekanntlich auch für Full-HD-Wiedergabe aus. Die Reise zum energiesparsamen Multimedia-Vergnüngen fürt dann meist zu Raspbmc, einem Open Source  Multi-Plattform-Multimediaplayer, der ein Ableger von Xbmc ist.

Das System läuft wie gesagt auf jedem gängigen Betriebssystem/Rechner, Rasbmc ist lediglich eine Version, die für den Raspberry Pi optimiert wurde. Raspbmc auf der Pi-Hardware installieren ist simpel: per PC das System auf SD-Speicherkarte installieren, die dann in den Rasberry Pi stecken, fertig (eine ausführliche englische Anleitung gibt es beispielsweise hier).

Fast fertig! Spätestens dann, wenn der Raspberry Pi dann am Fernseher hängt wird klar, dass ein Multimediaplayer ohne Fernbedienung nicht wirklich Spass macht. Wer nur einen alten Fernseher hat, der muss sehen, wo er eine passende Infrarot-Fernbedienung herkriegt und die dann zurechtfrickeln.

IncrediSonic Ultra Play IMP150. Dieser externe Mediaplayer kostet gerade mal um die 30 Euro, hat eine Fernbedienung dabei und ist sogar noch winziger als ein Raspberry Pi. (Foto: Incredisonic)

Alternativ kann ein Android-Smartphone zu einer Fernbedienung für den Raspberry Pi gemacht werden. Das braucht halt dann wieder einen gewissen Willen zum Rumtüfteln.

Simpler ist es, wenn man einen sehr modernen (inzwischen spottbilligen) TV nimmt, dessen HDMI-Anschluss den Consumer Electronic Control (CEC) Standard hat. Dann kann die Fernbedienung des Fernsehers zum Raspberry Pi "durchgeschleift" werden.

Derlei moderne Fernseher haben aber in der Regel bereits selbst einen Multimediaplayer und außerdem Netzwerk- und USB-Anschlüsse und es macht nicht wirklich Sinn, einen Raspberry Pi dranzuhängen.

Und ganz abgesehen davon kommt noch die Tatsache hinzu, dass man Full-HD-taugliche Multimedia-Player mit allem drum und dran, bereits für um die 30 Euro kriegt - beispielsweise hier und hier.

Trotz all dem, wird pausenlos berichtet, wie genial es ist, einen Raspberry Pi zum Multimedia-Player zu machen. Das nächste große Ding, für das der Pi ein Kracher sein soll, ist die Emulation alter Spielkonsolen und Rechner.

Gebrauchte Xbox für rund 8 Euro - immer noch perfekte Basis für Emulations-Projekte. (Gefunden auf Ebay)

Um es ganz kurz zu machen: für so was holt man sich besser eine uralte gebrauchte Xbox Konsole - die kann das alles auch (und vermutlich sogar viel besser).

So eine alte Xbox mit zwei Controllern gibt es bei Ebay teils schon für weniger als 10 Euro - beispielsweise hier.

Und die Tipps aus dem Schwerpunkt Microsoft voll abgezockt - XBox für Clevere gelten natürlich immer noch - nur der Preis für die gebrauchte alte Xbox ist dramtisch gefallen.

Also: WLAN-Print Server, Multimedia-Player, Emulator - ich sehe im Fall des Raspberry Pi da einfach nix Geniales. Aber bitte nicht missverstehen! Ich finde das Raspberry Pi Projekt super, wer was ganz Spezielles machen will und die nötigen Kenntnsise hat, der kriegt für wenig Geld eine tolle Hardware.

Erwähnenswert ist an dieser Stelle ausdrücklich die GPIO-Schnittstelle des Raspberry Pi. Über diesen programmierbaren "Anschluss" kann der Minirechner andere Dinge, elektronische Sachen ansteuern. Die Grundlagen dazu sind allerdings nicht gerade leicht verdaulich, wenn man kein Programmier- und Elektronikfreak ist.

Für was die 2 Millionen verkaufen Raspberry Pi aktuell genutzt werden, weiß ich echt nicht.

Jüngst habe ich Bücher mit den Themen "Linux mit dem Raspberry Pi" und "Programmieren lernen mit dem Raspberry Pi" gesehen. Das ist schön. Auch zum Linux oder Programmieren lernen, braucht es aber keinen speziellen Miniaturrechner. Das geht mit jedem xbeliebigen PC, gegebenenfalls mit virtualisierter Linux-Umgebung. Okay - das kostet dann halt ein bisschen mehr Strom.

Schließlich: Wer den Raspberry Pi ausprobieren will ohne ihn zu kaufen, findet hier detaillierte Anleitung: PRAXIS: Raspberry Pi emulieren, kostenlos ausprobieren.

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the_mic Michael Nickles

„2 Millionen Raspberry Pi - sinnvoller Allrounder oder Hype?“

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Inzwischen haben weltweit also zwei Millionen Leute so ein Ding.

Ich hab deren vier. Also doch nur 1'999'997 Leute, die einen Raspi haben (und dann wäre da noch mein verrückter Bastler-Kollege, der die Dinger im Dutzendpack rumliegen hat). Mehr als 1 Mio Besitzer dürfte es nach meiner unwissenden Vermutung aber letztendlich nicht geben :-)

Wozu ich die Dinger nutze? Nun, einer davon ist als WLAN-Speaker bzw Client für den Audioplayer MPD eingerichtet. Und ein zweiter dient als Firewall. Der Dritte ist als Entwicklungs- und Staging-Plattforum für die ersten zwei da, ausserdem für sonstige Netzwerk-Spielereien. Da man nur rasch eine andere SD-Karte einstecken muss, um das Betriebssystem zu wechseln, ist das sehr komfortabel. Der vierte Raspi ist für den Lötkolben bestimmt, bzw dafür vorgesehen, mal mit den GPIO-Pins, diversen Erweiterungskarten und sonstigen Elektronik-Komponenten rumzuspielen. Der darf ohne schlechtes Gewissen bei derartigen Experimenten auch in Flammen aufgehen.

Daneben verfüge ich aber auch noch über andere Mini-Rechner, nämlich PCDuino und Hackberry. Die sind zwar leistungsstärker, aber nicht so komfortabel wie der Raspberry und es gibt keine wirklich gut gepflegte Linux-Distribution dafür. Das ist echt der Bonus beim Raspberry, die Software dafür ist sehr gut und heterogen (neben dem Debian-Derivat Raspbian stehen diverse andere Linux-Distributionen und weitere Betriebssystemumgebungen zur Verfügung). Die Installation ist absolut trivial (bislang hat noch jede korrekt aufgespielte SD-Card gebootet - ganz im Gegensatz zum sehr wählerischen Hackberry).

cat /dev/brain > /dev/null
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