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Was ist bloß los mit mir? Bin ich wirklich so leicht manipulierb

Gevatter Schnitter / 10 Antworten / Flachansicht Nickles

Fasziniert starre ich auf den Bildschirm als um ca. 20.00 Uhr der Palast (oder war's doch das Wohnviertel 100m weiter?)in Bagdad  zerlegt wird und denke dabei, wow, das war jetzt aber ein richtig dicker Kracher, als der Miniatompilz gen Himmel steigt. Und das ist nur ein Beispiel von vielen, bei denen ich mir immer wieder ins Gedächnis rufen muß, dass da unten arme Schweine sterben oder wahnsinnig vor Angst werden, während ich mir das hier gemütlich reinziehe und dabei einen Schokoriegel schmatze.


Und trotzdem sitze ich auch weiter vor der Kiste und sehe staunend wie irakische Zivilisten amerikanische Soldaten küssen (oder wurde die Szene etwa schon vor 4 Wochen in Saudi-Arabien aufgenommen) oder höre beinahe mitleidig, dass die Irakis jetzt auch 2 chinesische Raketen in den kuwaitischen Wüstensand gefeuert haben. Ja, und dann erst Red Adair, der Ölfeuerauspuster aus Texas, aber das ist ja schon einige Jährchen her...


Ich will damit nur sagen, obwohl ich bewußt (fast) nur ARD und manchmal ZDF schaue, kann ich mich einer gewissen Faszination für das ganze Spektakel nicht entziehen! Zum Glück sagt mir mein Schädel dann im meistens im Nachhinein, dass wir hier für dumm verkauft werden und uns am Leid von anderen (das zwar nicht gezeigt wird) ergötzen - doch dann frage ich mich erst recht: Warum schaltest Du nicht endlich aus?!


gevattern

Sei zuerst einmal gewillt, so viele Fehler zu machen, wie nötig sind, damit du lernen und wachsen kannst.
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Anonym Gevatter Schnitter „Was ist bloß los mit mir? Bin ich wirklich so leicht manipulierb“
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so wie der mensch seit urzeiten angst vor dem unbekannten hat, so interessiert und fasziniert (neutral gesehen) ist er auch, wenn es um vorgänge geht, die er nicht kennt und spontan nicht begreifen kann.
beim krieg assoziiert man dies schnell mit kriegs-geil, blut-süchtig und der gleichen, de facto versucht das hirn einfach nur zu verarbeiten, was es an "infos" bekommt, da kann man nix machen.
sicherlich stumpft man mit der zeit etwas aber, aber auch das ist natürlich und dient teils dem selbstschutz (stärkster ur-instinkt, da kann man überhaupt nix gegen unternehmen). dein "schlechtes gewissen" dürfte eher ein "konditionierter sozialer reflex" sein, wärest du in kambodscha, irak oder auf klingon (klingt doof, triffts aber perverserweise) aufgewachsen, dann würdest du eher gefühle erleben, die in richtung "rache" bzw. "helfen indem man mitkämpft" gehen.
wie stark nun die gefühle sind, hängt natürlich sehr von der mentalen verfassung ab (wieder nicht negativ gemeint) und wie weit man sie ggf. unterdrückt. da (tiefe) gefühle in unserer industrialisierten/hochtechnischen/sozial am abgrund befindlichen welt nicht als stärke, sondern eher als schwäche gesehen werden oder gar gefühle als "dummheit" hingestellt werden (ja, das gibts!), muss man ja direkt vorsichtig sein.

nochmal zu der sache: "ich schau hin und begreife es nicht wirklich" :
- schau des nächstens zum mond und in die sterne (der klassiker schlechthin, kann man immer machen, für stunden, an vergisst kälte, hitze, stress, den axtmörder hinter sich ...)

- sonnentuntergang am meer (den romantischen part mal weggelassen, wirkt es wie ein blick in die sterne)

- ein bildschönes gesicht, wie gemalt, ohne fehler (meine augen versuchen sich, an irgendetwas festzuhalten, es gibt aber nix, sie schweifen haltlos umher -> voila: faszination)

eine aussage fällt mir noch ein
Robert H., 38, F-18 Pilot im 2. golfkrieg: "ich habe ein dutzend einsätze geflogen, doch als ich zu hause bei meiner familie war und die bilder und die wirkung meiner bomben gesehen habe, konnte ich meine tränen nicht aufhalten"

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