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News: Moderne Schrecken nehmen zu

Neuer Angstreport: Wovor sich Bundesbürger am meisten fürchten

Michael Nickles / 22 Antworten / Flachansicht Nickles

Wie bereits im vergangenen Jahr hat die Telekom auch diesmal im August ihren Sicherheitsreport veröffentlicht aus dem hervorgeht, wovor die Deutschen am meisten Angst haben. Für den Sicherheitsreport 2014 (PDF) wurden 1.503 Bundesbürger ab 16 Jahren interviewt. Die Überschrift der Telekom-Mitteilung - "Angst vor Cyber-Kriminalität wächst stärker als Sorge um Leib und Leben" - trifft das Kernergebnis der Studie nicht wirklich:

Sicherheitsreport 2014. (Fotos:Telekom)

Die größten Ängste der Bevölkerung sind Pflegebedürftigkeit im Alter, Demenz, Altersarmut, Einkommensverlust und lebensbedrohliche Krankheiten - also sehr wohl "Sorgen um Leib und leben".

Tatsächlich haben es aber inzwischen auch moderne Dinge in die Angstliste geschafft: Datenbetrug im Internet, Datenmissbrauch, Computerviren, Überwachung durch den Staat, Missbrauch persönlicher Daten in Facebook, Angst vor Überwachung aus dem Ausland.

Nahezu bedeutungslos ist die Angst vor Verkehrsunfällen, ansteckenden Krankheiten wie Vogelgrippe und Schweinegrippe und dem Zusammenbruch des Stromnetzes.

Der kompakte aber dennoch recht detailreiche Report des Institut Allensbach im Auftrag Telekom bietet generell Stoff für zig News und Diskussionen - am besten mal ins PDF reingucken.

Michael Nickles meint:

Mal andersrum: 6 Prozent der Deutschen haben Angst vor dem Zusammenbruch des Stromnetzes oder gar Stromausfällen. Vermutlich war das eine vorgegebene Frage bei den Interviews.

Dass die Angst vor Datenmissbrauch und Überwachung zunimmt ist wenig verwunderlich - so langsam dämmert es halt auch den ganz Dummen, dass da was nicht so toll läuft. Erschreckend ist auf jeden Fall, dass 48 Prozent der Bundesbürger Angst vor Pflegebedürftigkeit und Altersarmut haben. Muss das sein?

Wovor ich am meisten Angst habe? Ganz klar irgendwelche schlimme Krankheiten. Gesundheit ist das Wichtigste überhaupt, danach kommt erst mal ganz lange nichts.

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Genau. Und deswegen ... jueki
schuerhaken derpate01

„Wie wär es den Bericht das nächste mal zu lesen bevor man ...“

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Noch ein Beispiel aus Seite 11, Punkt 8:

Nicht bei allen persönlichen Daten ist das ungute Gefühl gleich stark ausgeprägt

Frage: „Darf ich noch etwas genauer nachfragen: Bei welchen persönlichen Daten haben Sie ein ungutes Gefühl und bei welchen macht es Ihnen nichts aus, diese im Internet anzugeben?“ (Kartenspiel- und Bildblattvorlage)

Dadurch wird zu den "persönlichen Daten" genau differenziert. 
Das Ergebnis ist aber nicht der Heuler für eine solche Story wie hier. Deshalb habe ich hinsichtlich solcher "Feinheiten" hier nicht eingehakt, sondern unter anderen Aspekten ausgeweitet. 

Hinzu kommt, dass Michael ja mit seine Ausführungen Recht hat, nur bei seiner Meinung fehlt die Differenzierung. Wenn er schreibt...

Dass die Angst vor Datenmissbrauch und Überwachung zunimmt ist wenig verwunderlich - so langsam dämmert es halt auch den ganz Dummen, ...

... passt das durchaus in sein Schema als Fachjournalist und ist ja nicht falsch.  
Ich kommentierte das so:

Denen "dämmert" nichts. Es wird ihnen eingeredet, und zu dem, was sie selbst zur Vereitelung beitragen könnten, ignorieren sie aus Trägheit.

Dabei fürchten sie mit abnehmender Intensität insbesondere um Kreditkartennummer (94%), Handynummer, Genaue Adresse mit Straße usw., Festnetztelefonnummer, Geburtsdatum und E-Mail-Adresse (44%). 
Das sind die verbliebenen "Herrschafts- und Intimbereiche" des Persönlichen, wo sie keine Eindringen wünschen, weil sie sich widrigenfalls hinsichtlich Gegenwehr machtlos fühlen. (Aber gleichzeitig bei der Vorbeugung schludern.)

Diese Art Ängste ist doch höchst willkommen, weil damit die wesentlichen Ängste, um deren Anlass sich die Gesellschaft vorrangig kümmern sollte, übertüncht werden. Es geht um die Verbiegung des Realitätssinns und fördert noch die Vereinzelung der Menschen, die sich auf sich selbst zurück geworfen fühlen, misstrauisch in jedem nur noch den potentiellen Konkurrenten sehen und dadurch sozusagen "final entsolidarisiert" werden. 
Solche Menschen -- und gehe es ihnen noch so schlecht -- muss kein Regime fürchten. 

Einen "Weberaufstand" wird es nicht geben.

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thx, korrigiert. Michael Nickles