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News: Wahnsinn oder Plan B?

Microsoft verkauft Smartphones mit Google Android

Michael Nickles / 4 Antworten / Flachansicht Nickles

Die Masse der Smartphones mit Windows Phone 8 wird von Nokia produziert. Einer Analyse von Abiresearch zufolge, wurden im vierten Quartal 2013 bereits 90 Prozent aller Windows Phone 8 Smartphones von Nokia ausgeliefert, andere Hersteller spielen also kaum noch eine Rolle.

Abgeschreckt hat Microsofts andere Partner aus der Handy-Ecke gewiss auch, dass Microsoft im September 2013 Nokia für 5,5 Milliarden Dollar übernommen hat. Durch diese Übernahme war eigentlich davon auszugehen, dass von der Marke "Nokia" nur noch Smartphones mit mobilem Betriebssystem von Microsoft kommen.

Es war kein Geheimnis, dass Nokia auch an Android-basierten Geräten getüftelt hat und auch nach der Übernahme durch Microsoft kochte noch mal das (komplett irre) Gerücht auf, dass vielleicht doch noch Android-Modelle von Nokia kommen.

Anlässlich des Mobile World Congress in Barcelona ist das eigentlich Unvorstellbare überraschend wahr geworden. Unter Microsofts neuer Marke "Nokia", wurden jetzt drei Android-Smartphones vorgestellt. Microsoft bringt also tatsächlich Smartphones mit dem mobilen Betriebssystem seines größten Konkurrenten Google raus.

Getauft wurden die drei Modelle Nokia X, Nokia X+ und Nokia XL. Und sie kommen zu Kampfpreisen. Das einfachste Modell (X) soll gerade mal 90 Euro kosten, das "Luxusmodell" (XL) ist mit 109 Euro kaum teurer (Preise vermutlich zuzüglich Mehrwertssteuer). Das XL wird ein 5 Zoll Display und zwei Kameras mit 2 und 5 Megapixel haben. In allen Nokia X Modellen steckt ein Qualcomm Snapdragon Dual-Core-Prozessor und es ist Dual-SIM-Betrieb möglich.

In der Pressemitteilung vermeidet Nokia das Giftwort "Android". Es wird hervorgehoben, dass das Internet durch neue preisgünstige Smartphones zur nächsten Milliarde Mensche gebracht werden soll. Nokia (Microsoft) peilt mit den X-Modellen also wohl vor allem auch Schwellenländer an, denen selbst das billigste Windows Phone 8 Smartphone noch viel zu teuer ist.

Es wird auch kein Geheimnis daraus gemacht, dass die X-Modelle die "Einstiegsdroge" zu Microsoft-Diensten wie Skype, OneDrive und Outlook.com sein, das Interesse wecken sollen, später auf ein Lumia (also dann mit Microsoft Betriebssystem) upzugraden.

Nokias Android-Smartphones sehen wie Lumia-Modelle mit Windowws Phone 8 aus. (Foto: Nokia)
Nokias neue Android-Smartphones sehen wie Lumia-Modelle mit Windows Phone 8 aus. (Foto: Nokia)

Die X-Modelle sollen über Nokias herausragende Hardwarequalität verfügen. Auch das Design und die Farbenvielfalt, entsprechen generell den Lumia-Geräten. Damit hebt sich Nokia durchaus vom üblichen optischen Einheitsbrei in der Android-Ecke ab.

Beworben wird auch eine frische, auf Kacheln basierende Bedienungsoberfläche, in Anlehnung an die Lumia Familie (also Windows Phone 8). Nokia hat Android also eine Optik übergestülpt, die Android gar nicht mehr wirklich erkennen lässt, eher wie Windows Phone 8 aussieht.

In der kompletten Meldung von Nokia fällt das Stichwort "Android" übrigens nur ein einziges Mal anfangs in einem Nebensatz. Beworben wird weiter auch, dass Apps über den Nokia Store installierbar sind. Wenig überraschend ist, dass Nokia in einer anderen Pressemitteilung jetzt auch um Android-Entwickler buhlt.

Das Nokia X wird ab sofort zu einem Preis von 89 Euro angeboten. Das Nokia X+ und das Nokia XL sollen im frühen zweiten Quartal folgen, zu Preisen von 99 Euro und 109 Euro. (jeweils Unverbindliche Preisempfehlung, ohne Steuern, ohne Vertrag).

Michael Nickles meint:

Ist Microsoft verrückt geworden, ist es Wahnsinn? Oder ist es Plan B? Vermutlich eine Mischung aus allem und mehr. Erstmal gilt zu bedenken, dass Microsoft Nokia erst im September 2013 übernommen hat.

Zu diesem Zeitpunkt waren die X-Modelle gewiss schon längst in Arbeit, vermutlich gar schon so gut wie fertig. Microsoft hätte längst bezahlte Entwicklungskosten und die Android-Geräte also einfach wegschmeißen müssen. Oder sich zum verrückten Plan B entscheiden.

Ich glaube an Letzteres. Tatsache ist, dass der Android-Markt längst mit Billigst-Geräte überschwemmt ist. In der Preisklasse unter 100 Euro ist die Auswahl irre groß - bei durchaus attraktiven Leistungsmerkmalen. Ein "Acer Liquid Z3 Dual SIM" mit Android 4.2 und Dual-Core-CPU kostet beispielsweise ohne Vertrag nur 99 Euro und hat dabei bereits "Luxusfunktionalität" wie Dual-SIM und MicroSD-Speichererweiterbarkeit drinnen.

Ist der Markenname total egal, kriegt man so ein Ding auf Ebay bereits für rund 60 Euro. Und an diesen Geräten verdient sogar Microsoft noch mit! Bereits seit 2011 ist durchgesickert, dass Microsoft die Hersteller von Android-Geräten "Lizenz-Schutzgeld" blechen lässt, um nicht eventuell Patentverletzungsstreits zu riskieren.

Microsofts unfreiwillige Lizenzpartner sind vermutlich zum Stillschweigen gezwungen, es wird aber zwischen 7,50 und 15 Dollar Gebühr pro Android-Gerät vermutet. Im Hinblick auf diese Zahlen, sind die "Nokia X-Modelle" also gar nicht mal so günstig, es sollte noch ordentlich Luft nach unten drinnen sein.

In die Handvoll-Euro-Preisecke wollte sich Microsoft mit Windows Phone Geräten wohl nicht herablassen. Die Idee der "X-Modelle" ist also durchaus ein rafinierter Plan B. Die Nokia-Android-Geräte  sind optisch auf Windows Phone 8 getrimmt und es dominieren dort natürlich die Dienste von Microsoft. Anderes würde Microsoft Android-Kunden wohl niemals dazu bringen können, beispielsweise Onedrive oder Outlook.com zu nutzen.

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Kundenübernahme durch die Hintertür, ist sicher ein gutes Konzept. Den Leuten gefällt Look&Feel der Geräte, die gibt es nicht von anderen Herstellern, also nimmt man halt beim nächsten Win8. Dazu kommt, dass solche Teile in Schwellenländern durchaus noch in der oberen Preiskategorie anzusiedeln sind und den Menschen dort sind Markennamen nicht egal.

Ich denke nur, dass X und X+ zumindest hierzulande bald vom Markt verschwinden, mangels Nachfrage. Die Preise werden bestimmt noch rutschen und dann lohnt es sich erst recht nicht, zum günstigeren Modell zu greifen. Ich meine schon, dass Nokia als Marke bei vielen Leuten weltweit großes Gewicht hat. Ob dieses Konzept aufgehen wird, wird die nächste Zeit erweisen, m.M.n. jedenfalls keine dumme Idee, außer die Geräte so dicht nebeneinander zu platzieren.

Edit:
Ich sehe gerade, dass es 2, noch günstigere Geräte geben wird. Das Asha 230 für 45€ und eines mit 2,4 Display, mit Tastatur, für 29€, trotzdem  Social Media fähig, namens Nokia 220. Damit Zuckerberg die letzte Adressliste abgreifen kann.

Das wahre Leben ist nicht der Kampf zwischen Gut und Böse, sondern zwischen Böse und noch Schlimmeren!(Joseph Brodsky)
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