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News: Wird die Drossel gedrosselt?

Beugt sich die Telekom dem öffentlichen Druck?

xafford / 6 Antworten / Flachansicht Nickles
gedrosselt oder erdrosselt?
Vor kurzem hat die Telekom angekündigt dass zukünftig ihre Flatrates mit einer Volumengrenze ausgestattet werden sollen (Nickles berichtete darüber). Sobald eine bestimmte Grenze beim abgerufenen Volumen erreicht ist - je nach gebuchtem Tarif und gebuchter Bandbreite - sollte die Übertragungsrate merklich gedrosselt werden, teilweise hinunter bis zu 384 kbit/s (zumindest für - nach Worten von Telekom - Dienste die nicht "Managed Services" sind). Solche Werte sind im heutigen Internet mit HD-Videos, Videotelefonie, Cloud-basierten Datenspeichern und anderen, Daten-intensiven Anwendungen quasi zumindest hart an der Nutzbarkeits-Grenze.

Wie jetzt jedoch Caschys Blog, unter Berufung auf nicht genannte Quellen berichtet, will die Telekom einlenken und morgen (12.06.2013) verkünden, dass die Bandbreite nach Überschreitung des verbrauchten Volumens "nur" auf 2MBit/s gedrosselt werden soll.

xafford meint:

Wie nett von der Telekom, will sie doch nun dem Kunden, der eine Flatrate für das Internet bucht die Bandbreite nur noch "ein bisschen" drosseln. Klar, 2MBit sind brauchbar, wenn nicht für alles, so doch zumindest für vieles, was man so im Internet tun kann. Aber betrachten wir doch einmal was die Telekom eigentlich vor hat (ja, die Telekom ist da nicht alleine):

Wie die meisten Menschen auf der Welt will die Telekom Geld verdienen, deswegen verkauft sie unter anderem an Kunden Internet-Zugänge. Für Internet-Zugänge gibt und gab es schon seit langem verschiedene Preismodelle, angefangen (in den Urzeiten des Internet) von Zeit-Tarifen, über Volumen-Tarife, bis zu Flatrates in den heutigen Tagen. Das ist alles mehr oder weniger in Ordnung, bis auf den kleinen Umstand, dass die Telekom nun Flatrates verkaufen will, die nicht wirklich Flatrates sind, sondern ein Zwitter zwischen Flatrate und Volumentarif. Zwar bekommt der Kunde einen Flat-Preis, aber kein Flat-Volumen.

Das ist eigentlich nur die eine Seite der Medaille, denn auf der anderen Seite will die Telekom nicht nur Geld vom Kunden für seine Internet-Anbindung, sondern auch von Anbietern im Internet (wegen denen der Kunde überhaupt erst ins Internet will) für die Übermittlung derer Daten an die Telekom-Kunden. Frecherweise - wie ich persönlich finde - argumentiert die Telekom unter anderem, dass es nicht sein könne, dass diese Anbieter "kostenlos" von den Leistungen der Telekom profitieren (zumindest so ungefähr verstehe ich die Argumentation der Telekom). Abgesehen davon, dass diese Anbieter keineswegs kostenlos im Internet vertreten sind (auch sie müssen für ihre Anbindung und den Traffic zahlen), wer profitiert hier von wem? Was würde die Telekom ihren Kunden verkaufen, gäbe es kein Youtube, kein Twitter, Facebook und Konsorten? Kein Mensch will und braucht eine Internet-Anbindung nur um ihrer selbst willen. Breitbandige Internet-Anschlüsse werden nur interessant durch entsprechende Anbieter im Internet.

Mit einfachen - meinen - Worten: Hier versucht der Schwanz mit dem Hund zu wedeln und ich würde mir heimlich eines Grinsen, wenn Anbieter wie Youtube, Twitter, Facebook und Co Telekom-Kunden - sofern die Telekom auf dieser Masche weiter reiten will - auch drosselt, vielleicht sogar auf Null - ich denke dann würde sich zeigen auf welcher Seite des Hebels die Telekom wirklich sitzt.

Persönlich weiß ich jedenfalls, dass die Telekom vorerst keine Option für einen Internet-Zugang für mich ist, so lange sie an erwiesener Realitätsverzerrung leidet.

Pauschalurteile sind immer falsch!!!
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