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Yahoo hat Tumblr für 1,1 Milliarden Dollar gekauft

Michael Nickles / 7 Antworten / Flachansicht Nickles

Der 26jährige Internet-Unternehmer David Karp aus New York ist jetzt Milliardär. Yahoo hat seinen "Blog-Dienst" Tumblr für 1.1 Milliarden Dollar übernommen. Laut eigenen Angaben auf der Startseite, gibt es bei Tumblr 109,1 Millionen Blogs mit 51 Milliarden Einträgen. Tumblrs Slogan: "Folge kreativen Usern aus aller Welt."

Yahoo hat im Blog erklärt, dass man Tumblr nicht "versauen" wolle, alles so weitergeht wie gewohnt. Auch "kontroverse Inhalte" sollen nicht entfernt werden. (Foto: Tumblr.com, retuschiert).

Gerade hierzulande werden sich viele jetzt vermutlich fragen: Was zum Henker ist dieses Tumblr, wer nutzt es, wer braucht es, warum hat Yahoo diese Wahnsinnssumme dafür abgedrückt?

Wenig beziehungsweise keine Antwort liefert ein Besuch der Tumblr-Startseite - dort gibt es nur die Option sich auf die "Katze im Sack" einzulassen, also Registrieren und loslegen (womit auch immer). Etwas informativer ist ein Eintritt durch die Hintertür:

Tumblr-Entdeckungsseite: Eine Art Vorschau um was es überhaupt ansatzweise geht, gibt es unter www.turmblr.com/explore.

Es folgt unten eine Liste mit den beliebtesten Tags (Themen) an deren Spitze "LOL" steht (Laughing out Loud, "lautes Lachen"). Irgendwo draufdrücken ist sinnlos - es kommt dann nur ein Quengeldialog, dass man sich erstmal registrieren muss, wenn man das Thema angucken will. Allerdings lassen sich die Inhalte der "Top-Teilnehmer" der jeweiligen Themenbereiche abrufen (rechte Spalte der Auflistung).

Im Fall von "LOL" ist das ein Mitglied mit dem Nick tastefullyoffensive. Dessen "Blog" scheint mit aktuell 164.412 Personen, denen das gefällt ein echter Knüller zu sein - und er ist wohl ein Dauerbrenner.

Beim Durchstöbern der Einträge dieses Blogs wird schnell klar, worum es geht. Es ist ganz einfach eine Sammlung von "Witzbildern" die von irgendwelchen anderen Orten/Blogs im Internet "zusammengesammelt" wurden.

Und das ist auch das Funktionsprinzip von Tumblr. Jeder kann dort simpel ein eigenes Blog einrichten und irgendwelches Zeugs reinkopieren, das vielleicht selbst produziert oder halt irgendwo gefunden wurde (was wohl die gravierende Menge ausmachen dürfte).

Die Angabe von Originalquellen/Urheberrechtshinweisen scheint bei Tumblr keine gewichtige Rolle zu spielen. Es gibt wohl nur einen Link zur jeweiligen Webseite, von der etwas "entnommen" wurde. Und dort wurde es eventuell ebenfalls bereits von einer anderen Quelle übernommen. Bei jedem Tumblr-Beitrag gibt es einen Link, über den man ihn in seinen eigenen Tumblr-Blog übernehmen kann. So können sich beliebte Dinge rasend schnell viral über Tumblr verbreiten.

Die Kategorie "Porno" wird auf der Tumblr-Entdeckungsseite bei den beliebtesten Themen nicht aufgelistet. Bild hat (wie weltweit zig Nachrichtenquellen) gemeldet, dass Yahoo-Chefin Mariassa Mayer durch den Tumblr-Kauf jetzt ein "Porno-Problem" hat.

Ein Großteil der Bilder und Videos auf Tumblr soll nicht jugendfrei sein. Laut Bild verbietet Tumblr Pornos auch nicht - sie werden lediglich mit einem Verweis gekennzeichnet, dass diese Inhalte "am Arbeitsplatz nicht geeignet" sind. Verboten sind wohl nur illegale Pornos (beispielsweise mit Minderjährigen). Im Hinblick auf die Bildermasse ist freilich zu bezweifeln, ob Tumblr das brauchbar regulieren/filtern kann.

Mariassa Mayer hat in ihrem Blog auf jeden Fall erklärt, dass man versprochen habe Tumblr nicht zu "verkorksen" (wobei "to screw it up" auch mit "versauen" übersetzt werden kann). Tumblr sei unglaublich speziell und soll unabhängig weiterbetrieben werden, Tumblr-Gründer David Karp bleibt weiter Chef von Tumblr. Auch gegenüber Verge hat Mariassa Mayer bestätigt, dass keine Pläne bestehen "kontroverses Material" zu verbieten. Das läge bei "Benutzer-generierten" Inhalten in der Natur.

Wie hoch der Anteil an pornographischen Inhalten auf Tumblr ist, lässt sich kaum schätzen. Techcrunch berichtet  von 11,4 Prozent. 16,6 Prozent des Verkehrs soll von Tumblr zu "Erwachsenen-Webpräsenzen" führen. Andersrum kommen 22,37 Prozent der Besucher von Pornoseiten zu Tumblr. Das ist der überwiegende Anteil. Von Webpräsenzen der Kategorien "Spiele" und "Kunst und Unterhaltung" kommen jeweils nur rund 12 Prozent.

Bereits eine primitiv formulierte Google-Suche nach "tumblr porn" liefert in einem Sekundenbruchteil 306.000.000 (306 Millionen) Fundergebnisse und ein Klick auf die Links bestätigt, dass es sich dabei tatsächlich um diese Sache handelt.

Tumblr scheint ausgiebig genutzt zu werden um kategorisierte Pornobilder-Sammlungen zu veröffentlichen. Und diese "Best-Of"-Zusammenstellungen sind bequemer, als in einer Suchmaschinen-Bildersuche nach Pornos zu stöbern.

Auch das Aufmacherbild dieses Beitrags wurde binnen "Sekunden" in einem Blog auf Tumblr gefunden. Ich habe eines der noch eher harmlosen aus dem "Versaut"-Bereich ausgewählt.  (Foto: Blog-Ausschnitt auf Tumblr.com, retuschiert)

Und jetzt soll mir bloß keiner kommen und meckern, dass dieses Bild hier nur Sensationsmacherei ist, auf Nickles.de solche Inhalte nichts verloren haben. DAS ist die Realität draußen im Internet und sie ist unter anderem dank Tumblr auch für Minderjährige problemlos frei zugänglich.

Das Rezept reich zu werden ist im Internet also recht simpel. Man gibt Menschen unkontrolliert die Gelegenheit einfach zu tun was sie wollen. Man scheißt dabei auf Urheberrecht, man scheißt auf Dinge wie Jugendschutz, man scheißt auf jede Moral.

Wenn in Deutschland jemand versuchen würde so ein Ding wie "Tumblr" hochzuziehen, dann wäre er binnen weniger Tage erledigt, von Klagen zerquetscht: Urheberrechtsverletzung, Verbreitung von Pornographie an Minderjährige und zig weiteren Abmahnungen wegen jedem erdenklichen und nicht erdenklichen Fuck.

Wirtschaftsminister Philipp Rösler reist gerade durch das Silicon Valley und versucht zu ergründen, warum Internet-Unternehmen in den USA weltweit so erfolgreich sind.

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genau so ist es thorsten34
PaoloP Michael Nickles

„Yahoo hat Tumblr für 1,1 Milliarden Dollar gekauft“

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Bemerkenswert ist das Yahoo die Summe komplett in Bar bezahlt. Normalerweise ist die Hälfte immer in Aktien. Yahoo muss ziemlich verzweifelt sein.

Jedes mal wenn jemand "Cloud" sagt, verliert ein Engel seine Flügel.
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