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Happy Birthday - PC feiert 30sten Geburtstag

Michael Nickles / 29 Antworten / Flachansicht Nickles

Anfang der 80er Jahre waren Computer für den Heimgebrauch ein wenig bezahlbar geworden. Für "um die 1000 Mark" kriegte man beispielsweise einen Homecomputer von Commodore, Atari, Texas Instruments, Amstrad, Sinclair und unzähligen weiteren Anbietern.

Das war natürlich der nackte Computer ohne alles - für einen passenden Musikkassettenrecorder als Datenträger musste in den meisten Fällen noch mal mindestens ein 100er draufgelegt werden. So was wie ein Diskettenlaufwerk war für normale Menschen eigentlich nicht bezahlbar. Ganz reiche Leute konnten sich einen Apple II leisten.

Die einzige Gemeinsamkeit aller Geräte war totale Inkompatibilität bei Hardware und Software. Und bei den "Rechenapparaten" in der Bürowelt sah es nicht anders aus. Das änderte sich am 12. August 1981, als IBM den Personal Computer 5150 raus brachte. Der kostete zwar rund 6.000 Mark war für IBM-Verhältnisse aber eher billig.

Die Besonderheit am IBM PC war, dass IBM dessen Architektur frei gab - eine Verzweiflungstat um endlich im verschlafenen "Kleincomputer-Bereich" mitmischen zu können.

Jeder Hersteller konnte so ein Ding "nachbauen" und als IBM-kompatiblen PC verkaufen, IBM verlangte nicht einmal Lizenzgebühren dafür. Und: die PC-Architektur war von Anfang an durch Steckkarten erweiterbar. Den Prozessor für die PCs baute Intel, das Betriebssystem DOS 1.0 lieferte Bill Gates. Der Rest ist Geschichte.

Recht lesenswert ist an dieser Stelle der deutschsprachige Wikipedia-Beitrag zum IBM-PC. Ich habe als Journalist ja die Anfangszeit des PC miterlebt, muss aber eingestehen, dass mir fremd war, warum der erste PC ausgerechnet einen CPU-Takt von 4,77 MHz hatte.

Das hing laut Wikipedia-Beitrag wohl damit zusammen, dass dieser Takt zum US-TV-System NTSC passte und IBM als Monitore für den PC auch Fernsehgeräte zulassen wollte. Ich habe allerdings damals keinen PC an einem Fernseher hängen sehen, sondern generell an Grün- oder Orange-farbenen Monochrom-Bildschirmen.

Egal - man muss wissen, dass der 12. August 1981 nur die Geburtsstunde des PC war. Er war noch weit davon entfernt, ein Massenprodukt zu sein. Als ich 1986 bei IDG als Redakteur für die RUN (ein Magazin für den Commodore 64 Heimcomputer) anfing, gab es in der Redaktion noch keinen einzigen PC.

Wir haben unsere Texte auf dem C64 mit Data Beckers "Textomat" (oder einer ähnlichen Grausamkeit) geschrieben und der Chefredakteur tippte seine lieber mit einer Schreibmaschine (einer elektrischen!), als sich das an zu tun.

Zu dieser Zeit kamen dann die neuen Commodore Amiga "Heimcomputer" und wir kriegten unsere ersten PCs: Commodore PC10 mit zwei Diskettenlaufwerken. Während auf den Heimcomputern ordentlich in Farbe gezockt wurde, war es in der drecksteuren PC-Ecke damals noch übel.

Spiele sahen grausam aus beziehungsweise es gab sowieso fast keine. Der Weg des PC hin zu wenigstens ein bisschen Farbe und mehr als den "Piep"-Lautsprecher war elend lang. Und wer sich dann irgendwann (ich glaube so 1989) eine VGA-Karte für 1.000 Mark leisten konnte, der musste die gleiche Summe nochmal für einen winzigen Röhrenfarbmonitor hinblättern, dessen Qualität heute niemand mehr länger als einen Blick lang ertragen würde.

Ach je. Mein erster PC war so ca 1988/1989 ein PC-AT, ein 286er mit 12 MHz. Für die "Grundsubstanz" (Gehäuse, Mainboard, CPU, CGA-Karte, 512 KByte RAM) hab ich damals rund 2.000 Mark bezahlt.

Tatsache ist: der PC von damals ist tot. Die Emotionen, die PC-Freaks der ersten Stunde mit ihrer Hardware hatten existieren heute nicht mehr. Naja - vielleicht noch ein kleines bisschen bei den Extrem-Übertaktungs-Fanatikern.

Ich möchte mal wetten, die Masse der heutigen "PC-Anwender" weiß nicht mal, welcher Prozessor in der Kiste steckt - geschweige denn, welche Windows-Version drauf ist. Die Generation Internet hat andere Probleme als "Hardware".

Aber jetzt höre ich auf - sonst wird das hier ein Buch.

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mthr1 andy11

„Meine allerersten Erfahrungen mit Computern habe ich als Datenerfasser gemacht,...“

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So ähnlich ging es mir, nachdem wir ca. 1970 an eine mechanische Fakturiermaschine ein Lochstreifenagreggat angeschlossen haben.

Das Lochband mit den Rechnungsdaten wurde anschliessend in einem Gross-Rechenzentrum in Offenbach eingelesen und auf Magnetband geschaufelt, sodass die entsprechenden Bänder aus allen deutschen Niederlassungen zentral für die Buchhaltung weiterverarbeitet werden konnten.

Gruss mthr1

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