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Syrien: Die Folgen des Embargos

Systemcrasher / 0 Antworten / Baumansicht Nickles

Man kann zu Syrien - und zu Arabern ganz allgemein stehen wie man will.

Aber ein Wirtschaftsembargo ist so ziemlich das mieseste und menschenunwürdigste, was unseren Weltmachtpolitikern einfällt.

Warum?

Den Kriegsparteien ist es ziemlich egal, die kommen auch auf anderen Wegen an das, was sie brauchen. Im Gegenteil, sie setzten das noch als Waffe gegen die jeweiligen Kriegsgegner ein.

Und wer sind die Kriegsgegner? Menschen, die einfach nur in Frieden leben wollen, Kinder, Alte, Kranke.

Ein Beispiel: vor dem Krieg war das Gesundheitssystem in Syrien vorbildlich. Die medizinische Grundversorgung war gewährleistet, auf hohem Niveau und kostenlos. Der Staat trug die Kosten.

Man konnte gut leben - solange man die Regierung nicht kritisierte oder in den Verdacht geriet, das zu tun.

Durch den Krieg sind viele - auch Ärzte - geflohen.

Heute: eine einfache OP kostet - in Bezug auf den Durchschnittslohn - ein Vielfaches wie hier. Es muß im Voraus bezahlt werden, nicht selten wird dabei gepfuscht und es ist schlimmer als vorher.

Das Embargo beinhaltet auch Geldüberweisungen. Angehörige im Ausland haben keine direkte Möglichkeit, den Zurückgebliebenen zu helfen. Gelder müssen über Schmuggelkanäle fließen, dadurch kommt nur ein Bruchteil beim Empfänger an. "Transportverluste" von 50% sind eher wenig.

Medikamente (einfache Schmerzmittel): 100€ Tagesdosiskosten (Transportverluste eingerechnet) sind keine Seltenheit.

Wirkung nicht immer vorhersehbar, da viele gepanschte und von der EU beanstandete Medikamente gehandelt werden.

Weitere Beispiele:

- eine Stunde Strom am Tag, wird meist für Internetverbindung genutzt, um mit Angehörigen telefonieren zu können.

- Gas: eine Stunde heizen: umgerechnet 30 Euro

- Gas zum Kochen: Eine Flasche 100 Euro

- Arbeitsplätze: rar; Lohn reicht oft gerade mal für die Miete, nicht selten Bruchbuden

Jene, die es z.B. nach Deutschland geschafft haben, nehmen nicht selten Berufe an, die in ihrer Heimat als minderwertig gelten, werden von ihren Arbeitgebern hemmungslos ausgebeutet und angelogen. Außerdem wird mitunter ihre Ausbildung sabotiert.

Ich  rede hier jetzt nicht von illegalen Einwanderern, die in Spanien und Italien ausgebeutet werden (wobei die italienische Polizei nach Kräften dagegen vorgeht - im Gegensatz zu Spanien).

Ich rede von Menschen, die hier ganz legal eine Ausbildung machen, mit Arbeitsvertrag und Schulunterricht, oft mit nicht ausreichenden Sprachkenntnissen, weil ihnen das zu lange dauert, sie wollen unbedingt ihren Beitrag leisten - aber die lernen sehr schnell!

2 Beispiele:

Schülerin im Altersheim (ländliche Gegend):

Pro Monat durchschnittlich 20 Überstunden, daher nur wenig Zeit zum Lernen. Kein einziger Urlaubstag. Keine Praxisanleitung.

"Fristgerechte" Kündigung zum 31.1.20, erhalten am 28.1.20. Genötigt, Kündigung zu unterschreiben.

Andere Schülerin in einem anderen Altersheim in einer anderen Stadt:

Deutlich weniger Überstunden, kein Urlaubstag, bisher wurde Kündigung "nur" nahegelegt - von ihrer Praxisanleitung.

Auch kein Urlaub bisher, kein freier Tag vor Klassenarbeiten und anderen Prüfungen. Ganze Schicht vor Praxisbesuch (illegal), keine Praxisanleitung (PA), nur unmittelbar vor dem Praxisbesuch (da kommen Lehrkräfte in den Betrieb). einmal gezeigt, sehr schnell erklärt, ohne Rücksicht auf Sprachprobleme. Dazu Mobbing, Nötigung und Verleumdung. Genötigt, Verleumdung schriftlich zu bestätigen. Offensichtlich fremdenfeindlicher Hintergrund. Ich habe mit der PA persönlich telefoniert und weiß daher, daß sie (die PA) lügt.

Das sind nur 2 Fälle, von denen ich Bescheid weiß, aus einer einzigen Klasse mit rund einem Dutzend Ausländern.

Nicht gerade die beste Art und Weise, dem Pflegenotstand beizukommen.

Es ist leider kein Einzelfall, von Arbeitskollegen, Lehrkräften und sogar meinen eigenen Vorgesetzten weiß ich, daß das leider sehr häufig vorkommt.

Ich habe das große Glück, für ein Unternehmen zu arbeiten, das solche Vorkommnisse nicht duldet. Deshalb wollen auch alle zu uns, was dazu führt, daß wir zur Zeit keine Vakanzen haben (abgesehen von unvorhgesehenen Krankheitsfällen).

Andere haben weniger Glück.

Was uns fehlt ist eine Seite, wo solche schwarzen Schafe an den Pranger gestellt werden können.

Für Ärzte und Krankenhäuser gibt es ja entprechende Portale.

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