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Artikel über SETI in der aktuellen c´t

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In Ausgabe c\'t 3/01, Seite 46 ist ein ganzseitiger Bericht über SETI erschienen.


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Frank Fremerey

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Nachrichten an Außerirdische

Das seti@home﷓Projekt an der Universität Berkeley [l] sucht noch Signalen auBerirdischen Lebens ﷓ bisher haben sich mehr als eine Million über das Internet verknüpfte Teilnehmer an dieser Mission beteiligt. Zwei kanadische Wissenschaftler wollen einen Schritt weiter gehen: Sie senden Botschaften, statt nur zu lauschen.

Bereits seit dem vergangenen Jahrhundert haben sich immer wieder Astronomen von der Idee faszinieren lassen, selbst aktiv zu werden, also unsererseits Nachrichten an Außerirdische zu senden. Die ersten Ansätze zur Kommunikation entsprachen in etwa der Vorstellung von Karl Friedrich Gauss, der 1826 vorgeschlagen hat, geometrisch﷓mathematische Konzepte in Form von gigantischen Zeichnungen direkt auf der Erdoberfläche darzustellen. Die seinerzeit 'Seleniten' genannten potenziellen Mondbewohner hätten diese Nachrichten durchaus lesen können [2].

Mittlerweile konzentriert sich die Wissenschaft bei der Suche nach außerirdischem Leben auf andere, weit entfernte Sonnensysteme. Carl Sagan, der sich Zeit seines Lebens mit dem Thema beschäftigt hat, schätzte in einem Aufsatz [3] die Anzahl der technischen Zivilisationen in unserer Galaxis auf etwa eine Million, also etwa eine Zivilisation pro 250 000 Sterne. Obwohl diese Schätzung bereits

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Primzahlen für Außerirdische. , Seite 1 des 23 Seiten umfassenden 'Cosmic Call' von Davon Dutil und Stéphane Dumas

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recht optimistisch ist, ist demnach die Wahrscheinlichkeit, dass eine Nachricht empfangen, dekodiert, gelesen und beantwortet wird, nicht sehr hoch,

Piktogromme für Außerirdische

Die Physiker Yvan Dutil und Stéphane Dumas [41 versuchen es trotzdem. Sie haben mit Unterstützung der Firma Celestis Inc., die ihr Geschäft unter anderem mit Weltraumbestattungen bestreitet, seit 1999 eine Serie von 'Cosmic Calls' abgesetzt, die im zweiten Quartal dieses Jahres ihren Abschluss finden soll. Das Projekt finanziert sich durch die Aufteilung der gesendeten Nachricht in einen wissenschaftlichen und einen kommerziellen Teil. Zahlende Kunden dürfen ihre persönliche Nachricht an die Außerirdischen mitschicken. Wer mehr will, kann sogar eine Haarprobe zusammen mit etwas Gedrucktem oder Fotografiertem schicken, die dann in etwa zwei Jahren per Raunmschiffpost in einer Ariane﷓Trägerrakete abgehen soll [5].

Dutil und Dumas erweiterten eine Idee, die für die erste kosmische Botschaft 1974 von dem heutigen Direktor des SETI﷓Instituts Frank Drake entwickelt wurde. Drake sendete seinerzeit vom Arecibo﷓Radioteleskop eine 1679 Bits lange Botschaft, die ein Piktogramm darstellt.

Yvan Dutil und Stephane Dumas entwarfen eine Botschaft, die aus 23 'Seiten' mit digitalisierten Piktogramm﷓ und Schriftsymbolen besteht. Die Tafeln beschreiben als universell gültig angenommene wissenschaftliche Konzepte wie

Forschung

den Satz des Pythagoras oder das Periodensystem der Elernente sowie grundlegende Informationen zur menschlichen Natur und zu unserem Sonnensystem. Den Schluss der Nachricht bildet eine Bitte um Antwort.

Betrachtet man die Tafeln, so fällt auf, dass die verwendeten Zahlensymbole im Wesentlichen den in der westlichen Welt üblichen arabischen Ziffern entsprechen. Mit Hilfe eines Computerprogramms, das kosmisches Rauschen simuliert, haben die Wissenschaftler die Zeichen so modifiziert, dass sie einem gewissen Grad von Abnutzung standhalten. Zugleich sollte die Nachricht möglichst kurz bleiben. Die erste Textzeile liest sich also: 'kein Kästchen = 0000 = 0 ein Kästchen = 0001 = l', wobei die Binärziffern durch die kleinstmöglichen in 3 x 3 Pixeln wohlunterscheidbaren Symbolen repräsentiert werden: Ein stilisiertes x (1) und sein Inverses (0).

Um die Tafeln im gesendeten Signal als solche erkennbar zu machen, sind sie von einem ein Pixel breiten Rahmen eingefasst. Die Übertragung einer Tafel beginnt also stets mit 128 Einsen, dann folgt der Inhalt, dann 128 Einsen und einekurze Pause, dann wieder 128 Einsen und so fort. Um die weiteren Zeilen kenntlich zu machen, ist deren jeweils erstes und letztes Zeichen ebenfalls eine Eins, jede Tafel ist eine 127 x 127 große Pixelmatrix.

Antwort frühestens in hundert Jahren

Weil die Tafeln inhaltlich aufeinander aufbauen, sind sie binär nummeriert, die Kopfzeile der ersten Tafel beispielsweise mit einer 5﷓bittigen binären Eins. Tafel eins erklärt die Symbole und enthält im unteren Teil die Primzahlen von 2 bis 89, sowie die größte 1999 bekannte Primzahl, nämlich 23 021377 ﷓1. Die zweite Tafel erklärt die Grundrechenarten, die dritte das Potenzieren und Wurzelziehen. Ab der vierten Tafel geht es um das Rechnen mit Unbekannten, wobei die Außerirdischen sich die Bedeutung des Fragezeichens und der ersten drei Buchstaben zusammenpuzzeln müssen. Dann folgt die Zahl #l85; und der Satz des

Pythagoras und so fort. Eine fast vollständige Auflösung des Puzzles gibt es unter [61.

Als Zielgebiet haben Dumas und Dutil vier sonnenähnliche Sterne, in 50 bis 70 Lichtjahren Entfernung gewählt. Auf der Strecke soll die Trägerfrequenz ﷓ Radiowellen im 5﷓GHz﷓Band ﷓laut Dumas besonders genngen Störungen ausgesetzt sein. Zudem lägen im Gebiet hinter diesen Sternen weitere interessante Objekte. 'Erst kürzlich', so der Forscher, 'wurden Hinweise darauf gefunden, dass einer der vier Sterne einen Planeten hat.' Radiowellen, so die Hoffnung der Tüftler, sollten auch Nicht﷓Humanoiden als geeignetes Kommunikationsmedium erscheinen.

Die noch vor Aussendung des ersten 'Cosmic Calls 1999' gefundenen Fehler in der Nachricht [7] sind mittlerweile behoben, die Außerirdischen werden nur einwandfreie Meldungen erhalten. Bleibt noch die Frage, wer die Antwort lesen soll, wenn sie denn in 100 bis 140 Jahren bei uns eintrifft.

Stephane Dumas: 'Die Wahrheit ist: Wir wissen es nicht. Man könnte eine Erläuterung dessen, was wir getan haben, auf ein Medium schreiben, das in 100 Jahren noch lesbar ist. Dann müsste man sicher stellen, dass sich jemand in 100 Jahren daran erinnert, wozu das Medium gut ist und wo es aufbewahrt wird. Allerdings haben wir kein Geld, um das sicherzustellen.' Ein Monolog mit Außerirdischen erscheint dem SETI﷓Forscher also wahrscheinlicher als die Übermittlung einer Nachricht an seine eigene Urenkel﷓Generation. wst

Viteratur

[lj http://setiathorne.ssl.berkeley.
edu
[21 www.aspsky.org/mereury/
mercury/9902/vakoch2.html

[31 Carl Sagan, The Quest for

Extraterrestrial Intelligence.,
Smithsonian Magazine, 1978,
oder online unter: http://204.
240.36.10/radobs/vollno2/
sagan.htrn
[41 www.matessa.org/﷓niike/
dutil﷓dumas.html
[5]www.encounter2001.com/
[61 http://pages.iiifinit.net/
lachapel/seti/message.htnü
[7] www.heise.de/tp/deutsch/
special/raurW641 1/1.html

c~t 2001, Heft 3

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