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Bits und Pretzels: beim Gründer-Weißwurstfrühstück in München

Michael Nickles / 1 Antworten / Baumansicht Nickles
München, Löwenbräukeller. Noch kurz vor Beginn des Gründerfrühstücks war die Schlange am Eingang verdammt lang. (Foto: mn)

Zum größten Gründer-Weißwurstfrühstück der Welt "Bits & Pretzels" haben sich am Freitag über 1.400 Teilnehmer versammelt.

Eingeladen waren Studenten, Investoren, Politiker, Journalisten und natürlich Gründer und solche die es werden wollen.

Das straffe kurzweilige Programm startete im Münchener Löwenbräukeller um 8.30 mit dem bayerischen Grandler Harry G.

Es folgte eine Podiumsdiskussion mit Thema "Gründerland Bayern" und anschließenden Kurzbeiträgen und Präsentationen von erfolgreichen Gründern und Investoren.

Die verschiedenen Auftritte wurden jeweils per Videoleinwand von einer aufgezeichneten Moderatorin präsentiert: aufwändig und cool gemacht. (Foto: mn)

Ein praxisnahes Highlight der Veranstaltung war ein Mini-Wettbewerb bei dem auswählte deutsche Startups ihr Projekt in 60 Sekunden vorstellen durften.

Als beste Idee wurde das Projekt Vibewrite gekürt.

Das ist ein Stift der Handschrift beispielsweise auf Rechtschreibfehler überprüft und bei Fehlern vibriert, auch andere Einsatzzwecke sind möglich.

Festsaal des Löwenbräukellers. Knallvoll bis auf den letzten Platz. (Foto: mn)

Das Bits and Pretzels Gründerfrühstück wurde von Andreas Bruckschlögl (Onpage.org) und Bernd Storm van's Gravesande (Aboalarm.de) organisiert.

Aufgrund des enormen Andrangs bei der ausverkauften Veranstaltung findet am 16. Januar bereits das nächste "Bits & Pretzels" Gründerfrühstück statt, der Ticketverkauf wurde bereits gestartet: Bits & Prezels 16. Januar 2015.

Ergänzend zu den Veranstaltungen wurde auch der Verband BITS:connect geschaffen, der bayerische Internettechnologie-Startups vernetzen will.

Vermutlich hätte ich die Veranstaltung nicht mitgekriegt, wenn die Einladung nicht nur per Email sondern auch per klassische Briefpost gekommen wäre. Generell besuche ich solche Events nur sehr selten, aber Startup-Förderung in München hat mich interessiert.

Als geladener Gast bin ich erst mal im abgetrennten VIP-Bereich in den vorderen drei Reihen bei der Startup-, Investoren und Politik-Prominenz gelandet. Interessanter waren für mich später die hinteren Reihen, die "billigen Plätze", auf denen sich unbekannte Menschen mit spannenden neuen Ideen befanden - junge Unternehmer, die wirklich dringend Kontakt, unter anderem auch zur Presse suchen.

Dort groß Kontakte knüpfen war aber schwer, weil die Veranstaltung bis 12.30 ging und für das Networking dann nur noch rund eine Stunde Zeit blieb (bis die "Rauswerfer" vom Löwenbräukeller kamen). Schwer war es auch, in der kurzen Zeit schnell zu entscheiden, welcher Kontakt sich eigentlich lohnen könnte.

Auf den "Namenschildern", die alle Teilnehmer umgehängt hatten, war bei der eher dunklen festlichen Beleuchtung im Löwenbräukeller nur schwer erkennbar, wen man sich gegenüber hat, was der eigentlich tut. Ich war im Düsteren eigentlich nur "Michael".

Laut Eingangsrede der Organisatoren, gab es ein irres Interesse an der Veranstaltung, die Warteliste war (ich glaub 1.800 gehört zu haben) noch größer als die der Teilnehmer. Die Veranstaltung hat einen "sechsstelligen" Betrag verschlungen, aber dank Eintrittspreise und Sponsoring gab es dennoch einen Überschuss von 2.000 Euro, den die Veranstalter der Münchener Tafel gespendet haben.

Zu den Eintrittspreisen gilt zu wissen, dass sie eigentlich fast geschenkt waren. Studenten mussten für ein Ticket nur 10 Euro zahlen, sogenannte "Gründer" (also fast alle anderen) nur 15 Euro. Im Preis inbegriffen waren 2 Weißwürste, eine Breze und 1 Maß Bier. Aufgrund des enormen Erfolges der Veranstaltung ist eine Fortsetzung natürlich selbsterklärend. Und dafür wurden die Preise auch gleich mal mindestens verdreifacht. Stunden zahlen das nächste mal 30 Euro, Gründer 50 Euro.

Dass es eine Veranstaltung wie Bits & Pretzels gibt die Startups fördert, Gründer irgendwie zusammenbringt ist generell prima. Der Rat Nummer 1 der Redner war eigentlich der: "Macht es, gründet ein eigenes Unternehmen, traut Euch!".

Garniert mit Beispielen der jetzt Großen, die es geschafft haben, macht das durchaus Mut. Kaum geredet wird freilich über die Zahl der Startups, die es trotz eigentlich sehr guter Ideen nicht schaffen, die einfach nur viel Zeit und Geld verbrennen und dann untergehen.

Eigentlich ist die Idee von Startup-Förderung doch simpel: motiviere "100 Leute" sich den Arsch abzuarbeiten und was zu gründen. Beobachte was sie tun und steig bei den 10 aussichtsreichsten als Investor ein. Und die 2 bis 3, die irgendwann Profit machen, werden rechtzeitig aufgefressen.

Bei diesen 2 bis 3 erfolgreichen Startups kommt dann der Begriff "den Exit machen" ins Spiel, den Gruenderszene.de recht gut beschreibt. Es geht bei heutigen Startups nicht mehr darum, ein Unternehmen groß zu machen, es zu behalten, stolz darauf zu sein, es dauerhaft wachsen zu lassen.

Das bevorzuge Ziel ist rasend schnelles Wachstum und zeitnaher Verkauf mit höchst möglichem Gewinn. Investoren haben halt Interesse daran, ihr Geld sehr langfristig zu investieren, die schnelle Nummer ist angesagt. Selbsterklärend bietet aktuell exakt das Internet die perfekte Plattform um Dinge rasend schnell wachsen zu lassen.

Wie es gemacht wird, zeigen die Samwer Brüder mit ihrer "Startup-Schmiede" Rocket Internet, zu der unter anderem "Zalando" gehört. Im Hinblick auf den anstehenden Börsengang hat das Handelsblatt kürzlich einen sehr ausführlichen Bericht über das  Samwer-Erfolgsmodell veröffentlicht. Sehenswert für angehende Gründer ist auch die Dokumentation "Die große Samwer Show" von Frontal 21 in der Oliver Samwer erstmals ein Interview gegeben hat:

http://www.zdf.de/ZDFmediathek#/beitrag/video/2222820/Frontal21-Doku:-Die-große-Samwer-Show

Hier auch auf Youtube zu sehen:

http://www.youtube.com/watch?v=1dpqb2H-snA

Quelle: http://www.youtube.com/watch?v=1dpqb2H-snA

Auch bei der Bits&Prezels Veranstaltung gab es natürlich einen gehörigen Anteil "Samwer". Das ist okay. Die Spielregeln sind bekannt und jeder muss entscheiden ob er sie akzeptiert oder  nicht.

Es wird sich zeigen, ob die neue Münchener Startup-Förderungsidee nur dem Zweck des "Säens und Erntens" für die Startup-Schmieden dient, oder ob sie auch abseits davon Startups einen echten Nutzen bringt. Die Bits&Prezel-Events bieten immerhin auch außerhalb der "mit Vollgas zum Exit"-Szene prima Gelegenheit Kontakte zu knüpfen und sich auszutauschen.

Mein Tipp an Startups: Lasst Euch von den Millionen und Milliarden die "dort oben" geschaufelt werden und deren Ruckzuck-Erfolgsrezepten nicht kirre machen! Wer gute kreative Ideen hat und fleißig ist, kann im Internet auch ohne "Größenwahn" Erfolg haben, langsam wachsen, sich etablieren und Geld verdienen ohne sich dabei von Investoren abhängig zu machen.

Auch bei Nickles.de standen die Investoren vor dem Platzen der ersten Dotcom-Blase Schlange, aber ich bin lieber unabhängig geblieben. Das hat sich in vielerlei Hinsicht bezahlt gemacht. Es garantiert beispielsweise, dass Nickles.de sein Versprechen unabhängig und ehrlich zu sein, kompromisslos einhalten kann. Und Nickles.de gibt es jetzt schon seit fast 18 Jahren - ganz ohne "Exit".

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schuerhaken Michael Nickles

„Bits und Pretzels: beim Gründer-Weißwurstfrühstück in München“

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Viel Glück all denen, die wirklich gute Ideen haben und auch Förderungen sowie wertvolle Kontakte verdienen. 

Aber bitte nicht, dass bayrische Separatisten Erfolg haben und es die Bajuwaren versuchen wie die Schotten und etwa auch die Basken. Den "Preiss'n" käme zu viel abhanden... Lachend

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