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News: Rapidshare versus Gema

Wolkenanbieter zieht vor Bundesgerichtshof

Michael Nickles / 15 Antworten / Baumansicht Nickles

Seit der Schließung von Megaupload durch das FBI und Inhaftierung dessen Betreibers Kim Schmitz, herrscht bei den "One-Klick-Filehostern" Angst. Die USA betrachten Schmitz als einen der größten "Urheberrechtsverletzter" aller Zeiten, bei einem Prozess drohen ihm bis zu 20 Jahre Haft.

Die Angst das gleiche Schicksal zu riskieren hat mehrere Megaupload-Konkurrenten augenblicklich dazu bewegt ihr Angebot praktisch einzustellen. Oder: es so "umzubasteln", dass man ihnen vielleicht schwerer oder gar nicht einen Strick wegen Urheberrechtsdelikten drehen kann.

Äußerst entspannt gab sich nach dem Megaupload-Vorfall der Upload-/Download-Dienstleister Rapidshare, der von der Schweiz aus operiert. Das Oberlandesgericht Hamburg hat kürzlich ein interessantes Urteil gefällt (siehe Urheberrechtswidrige Downloads: Oberlandesgericht Hamburg entscheidet über Prüf- und Handlungspflichten des Online-Speicher-Dienstes RapidShare).

Vorausgegangen war eine Klage der GEMA, die verhindern will, dass ihr unterstehende Werke über Rapidshare verbreitet werden. Im Urteil wurde klargestellt, dass Rapidshare prizipiell als "Mitstörer" haftbar gemacht werden kann, wenn seine Nutzer Urheberrechtsverletzungen begehen.

Interessant beim Urteil ist erstmal, dass die Bereitstellung von Speicher für Uploads nicht als rechtswidrig eingestuft wurde. Die Illegalität beginnt erst in dem Moment, wo illegale Uploads öffentlich verlinkt werden.

Aber: werden solche Links auf illegale Dateien festgestellt, ist Rapidshare gezwungen, die entsprechenden Dateien zu löschen. Hierbei fordern die Richter, dass Rapidshare nicht erst dann reagieren muss, wenn derlei Links gemeldet werden. Rapidshare soll auch selbstständig "Link-Seiten" durchforsten um Verlinkungen auf illegalen Dateien begegnen zu können.

Das Unternehmen muss also selbstständig nach Verstößen suchen und sie verhindern. Das Gerichtsurteil ist Sprengstoff, weil es natürlich auch alle anderen Cloud-Anbieter betrifft.

Eigentlich können sowohl die GEMA als auch Rapidshare das Urteil als Erfolg verbuchen. Rapidshare will sich aber mit keinem Teilerfolg zufrieden geben, sich nicht dazu zwingen lassen selbstständig nach "illegalen Links" zu suchen und sie zu entfernen.

Rapidshare hat deshalb heute verkündet gegen das Urteil in Revision zu gehen. Die Sache wird also demnächst vor dem Bundesgerichtshof ausgefochten.

Rapidshare bezeichnet sich als der inzwischen führende Filehoster, rund 400.000 Dateien sollen pro Tag auf die gewaltigen Serverfarmen des Unternehmens hochgeladen werden (siehe Was wir bieten).

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winnigorny1 Michael Nickles

„Wolkenanbieter zieht vor Bundesgerichtshof“

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Rapidshare will sich aber mit keinem Teilerfolg zufrieden geben, sich nicht dazu zwingen lassen selbstständig nach "illegalen Links" zu suchen und sie zu entfernen.

Das kann ich gut verstehen (welch ein Aufwand!). Darüberhinaus finde ich die Entscheidung rechtlich durchaus fragwürdig, weil sich mir der Eindruck aufdrängt, dass hier Gewerbetreibende im weitestens Sinne zum Hilfssherrif gemacht werden (sollen).

Ich möchte das hier mal auf andere Branchen übertragen, z. B. die

Auto-Hersteller:

Bevor ein Auto verfkauft wird, muss dann sichergestellt sein, dass der Autokäufer mit dem Auto keine illegalen Aktionen (wie z. B. Bankraub) plant. Und das ist dann bitteschön permanent zu überwachen und im Zweifelsfall muss ihm das Auto durch den Hersteller abgenommen werden....??

Vermieter:

Die sind dann dafür haftbar, dass in der vermieteten Wohnung kein Bankraub oder terroristischer Überfall geplant wird und im Zweifelsfall ist dem Mieter zu kündigen....??

Möchte nicht wissen, wie die jeweilig Lobby da aufheulen würde!
Grüße aus Hamburg, Winni - https://www.das-bumerang-projekt.de
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voenix winnigorny1

„ Das kann ich gut verstehen welch ein Aufwand! . Darüberhinaus finde ich die...“

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Ich frage mich, wie oder nach welchem Schlüssel dann festgelegt wird, wieviel Personal, Zeit und Geld für die Suche nach "illealgen Links" von den jeweiligen Sharehostern zur Verfügung gestellt werden muss??

Und wie wollen zuständige Behörden feststellen, ob wirklich ernsthaft gesucht wurde und wird??

mfg :)

Die Wahrheit ist haesslich: wir haben die Kunst, damit wir nicht an der Wahrheit zugrunde gehen. (Nietzsche)
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winnigorny1 voenix

„Ich frage mich, wie oder nach welchem Schlüssel dann festgelegt wird, wieviel...“

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wie wollen zuständige Behörden feststellen, ob wirklich ernsthaft gesucht wurde und wird??

Im Zweifelsfalle "gegen den Angeklagten", denke ich mal! - Ist doch mittlerweile eine deutliche Tendenz zu spüren, was die Unschuldsvermutung angeht. - Erstmal sind dann alle Website-Betreiber schuldig im Sinne der Anklage - es sei denn, sie können das Gegenteil beweisen....... :-((
Grüße aus Hamburg, Winni - https://www.das-bumerang-projekt.de
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out-freyn winnigorny1

„ Im Zweifelsfalle gegen den Angeklagten , denke ich mal! - Ist doch mittlerweile...“

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Ist doch mittlerweile eine deutliche Tendenz zu spüren, was die Unschuldsvermutung angeht.

Im Zivilrecht - und darum ging es in diesem Prozess - gab es noch nie eine Unschuldsvermutung. Des weiteren gibt es keinen Angeklagten, sondern nur Kläger und einen Beklagten.

Im Zivilrecht gilt schon immer der Grundsatz "da mihi factum, dabo tibi ius".
The conspiracy theory of society [...] comes from abandoning God and then asking: »Who is in his place?« (Sir Karl Popper, Conjectures and Refutations, 1963)
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PaoloP Michael Nickles

„Wolkenanbieter zieht vor Bundesgerichtshof“

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Ich verstehe nicht warum der Artikel den FileHoster Rapidshare als Cloud Anbieter kategorisiert.
Hab ich was verpasst?

Jedes mal wenn jemand "Cloud" sagt, verliert ein Engel seine Flügel.
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IDE-ATAPI PaoloP

„Ich verstehe nicht warum der Artikel den FileHoster Rapidshare als Cloud...“

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Das kann ich dir leicht beantworten: Cloud bedeutet alles. Das ist das hippe Modewort überhaupt.
Alles was heutzutage im Internet liegt oder im Internet geschieht ist "Cloud".
Wer diesen Begriff nicht über ein Mindestmaß benutzt, gilt schnell als out und rückständig. Also gewöhne dich an den Begriff und verwende ihn häufig. Er ist dabei auch so schön unklar definiert, dass eine falsche Verwendung praktisch ausgeschlossen ist.

Ich hoffe geholfen zu haben,
viele Grüße aus der Cloud in die Cloud,
IDE

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PaoloP IDE-ATAPI

„Das kann ich dir leicht beantworten: Cloud bedeutet alles. Das ist das hippe...“

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Sehr schön gesagt :)

Damian Zicking verlautet auf Heise.de nochmal das genaue Gegenteil.

Frei zitiert:
"Vermeide die vom Microsoft Marketing erdachte schwachsinnige Phantasievokabel "Cloud"

Wörtlich:
Gerade die Mittelständler und KMU-Geschäftsführer, die sich nicht tagtäglich mit IT-Themen herumschlagen und nicht die Analysen und Marktbetrachtungen der Experton-Group und anderer Auskenner studieren, tun sich damit schwer. Viele verstehen lediglich "Internet" und bekommen Allergiepickel bei der Vorstellung, dass beim "Cloud Computing“ ihre Daten irgendwo "in einer Wolke" lagern. "Cloud Computing – nein Danke!“

http://www.heise.de/resale/artikel/Fristlose-Kuendigung-fuer-Cloud-Computing-1474290.html

Was mich schlichtweg ärgert das unser Michael Nickles das direkt mitmacht.(Cloud für RapidShare hat er sich doch ausgedacht) Sonst ist er doch viel kritischer oder gibt Cloud im Teaser mehr Klicks?

Jedes mal wenn jemand "Cloud" sagt, verliert ein Engel seine Flügel.
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Tom West PaoloP

„Sehr schön gesagt : Damian Zicking verlautet auf Heise.de nochmal das genaue...“

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Frei zitiert:
"Vermeide die vom Microsoft Marketing erdachte schwachsinnige Phantasievokabel "Cloud"


öhem - was hat Microsoft damit zu tun? Da musst Du irgendetwas verwechseln.
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PaoloP Tom West

„ öhem - was hat Microsoft damit zu tun? Da musst Du irgendetwas verwechseln.“

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Microsoft hat Software-on-Demand zu Cloud umbenannt nachdem sie mitgekriegt haben wieviel Apple rausgeholt hat nachdem sie Mp3's in Podcasts umbenannt und fett vermarktet haben. Die Vokabel "Cloud" (in diesem Zusammenhang) kommt von Microsoft, das ist zumindest das einzig unzweifelhafte an dem Begriff.

Jedes mal wenn jemand "Cloud" sagt, verliert ein Engel seine Flügel.
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voenix PaoloP

„Microsoft hat Software-on-Demand zu Cloud umbenannt nachdem sie mitgekriegt...“

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Wikipedia weiss es wieder mal besser :))

"Die Cloud ist eines der ältesten Sinnbilder der Informationstechnik und steht als solches für Rechnernetze, deren Inneres unbedeutend oder unbekannt ist.[2]"
Quelle:http://de.wikipedia.org/wiki/Cloud-Computing

"[2]" Verweist dabei auf einen Artikel des Wallstreet-Journal aus dem Jahr 2009, in dem auch munter über die Herkunft dieses Begriffs spekuliert wird.

Im Artikel heisst es sogar: "By the late 1990s, clouds had become the go-to metaphor for all things Internet."

In meinen drei Internet- und Computerlexika aus den Jahren 2000, 2001 und 2003 findet sich jedoch nichts mit der Bezeichnung "Cloud".

Was Microsoft auf jeden Fall für sich verbuchen kann, ist eine Zig-Millionen-Kampagne zur Vermarktung des Cloud-Konzepts, beginnend vor wenigen Jahren. Wobei dann fast zeitgleich andere IT-Riesen nachgezogen sind. So zumindest meine gefühlte Erinnerung.

mfg :)

Die Wahrheit ist haesslich: wir haben die Kunst, damit wir nicht an der Wahrheit zugrunde gehen. (Nietzsche)
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PaoloP voenix

„Wikipedia weiss es wieder mal besser :...“

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Hallo voenix,

Danke für deinen Hinweis! Cloud mal bei Wikipedia einzugeben würde mir alleine nie einfallen.

Das Cloud ein so langwährender Begriff ist war mir nicht bekannt und ich behaupte alle gängigen Standardwerke der Informationstechnik gelesen zu haben. Daher muss ich hier zuerst mal einen Fehler eingestehen. Microsoft hat diesen Begriff demzufolge nur aufgewärmt. Das eine Aliteration wie Cloud-Computing sehr viel älter ist hätte ich mir eigentlich denken können. Marketing ist wohl das drittälteste Gewerbe der Welt. Einigen Passagen im Wikipedia Artikel möchte ich, geprägt durch die heute Zeit allerdings nicht ganz folgen.

Da Clouds primär durch den Skalierungsgedanken entstanden sind

Das kann man im Fall Microsoft ja komplett abschreiben. MS möchte nur das Geschäftsmodell von Google integrieren, mehr Geld, mehr Informationen über Menschen, und schlussendlich mehr Macht. Das deckt sich mit deinem Zitat By the late 1990s, clouds had become the go-to metaphor for all things Internet.
Ich habe in dem Artikel auch den Bericht des wissenschaftlichen Dienstes des Bundestags zu Cloud-Computing entdeckt und war erschreckt und verängstigt wie weit dieser den Begriff Cloud-Comuting fasst(Freemail ist auch Cloud-Computing) und das er nicht im mindesten auf Vor-Nachteile und Gefahren eingeht sondern alles so total positiv und toll darstellt. Ich habe Fefe gerade diesbezüglich eine Nachricht geschickt.

Jedes mal wenn jemand "Cloud" sagt, verliert ein Engel seine Flügel.
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LohrerMopper Michael Nickles

„Wolkenanbieter zieht vor Bundesgerichtshof“

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Ist es nicht die Aufgabe der Ermittlungsbehörden, nach illegalen Links (=Straftaten) zu suchen ?

Will man die Arbeit der Behörden von anderen tun lassen ?

Das Unternehmen muss also selbstständig nach Verstößen suchen und sie verhindern.

Das soll wohl heissen, die Dateien, auf die die illegalen Links führen werden gelöscht und der Uploader bleibt unbestraft ?

Dann wird sich wohl nicht viel verändern.

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schuerhaken LohrerMopper

„Aufgabe der Ermittlungsbehörde ?“

Optionen

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Die Sache ist doch einfach:
Jede Seite, jedes Dokument, alles, was jemand als Uploader generiert, muss
durch den Uploader passwortgeschützt sein.
Nur er weiss das Passwort und ist damit auch dafür verantwortlich, wer das
Passwort erfährt und damit Zugriff auf die Seite, auf Inhalte hat.

Und der Speicherplatz darf nur gegen eine gewisse (kleine) Gebühr zur
Verfügung stehen.
DAS als Gesetz, "un fäddich is die Laube"...
.

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voenix schuerhaken

„Wolkenanbieter“

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Oh je, Massen an passwort-geschützten Dateien in der Wolke. Das fänden die Schlapphüte aber gar nicht nett! :D

Oder verfügen die vielleicht über Hintertürchen?

mfg :)

Die Wahrheit ist haesslich: wir haben die Kunst, damit wir nicht an der Wahrheit zugrunde gehen. (Nietzsche)
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schuerhaken voenix

„Oh je, Massen an passwort-geschützten Dateien in der Wolke. Das fänden die...“

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Oh je, Massen an passwort-geschützten Dateien in der Wolke.
Das fänden die Schlapphüte aber gar nicht nett! :D
Oder verfügen die vielleicht über Hintertürchen?

Ist doch unwichtig.
Hauptsache: Alles ist auf einfache Weise geregelt.
Die Verantwortlichkeiten sind eindeutig,
die Betreiber sind aus dem Schneider.
Die lästige Werbung sitzt auf dem Schlauch...
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