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News: 12 927 Gespräche durchsucht

Rasterfahndung nach Brücken-Teufel

Redaktion / 11 Antworten / Baumansicht Nickles

Weil er einen Holzklotz von einer Autobahnbrücke warf und eine Frau dabei tötete, sitzt ein Aussiedler in Haft. Um ihn zu erwischen, wurden Tausende von Bürgern durchleuchtet und überwacht.

Zentraler Punkt der Fahndung waren die Geodaten aller Handys im Umkreis der betreffenden Brücke. Die VDS zwingt die Telkos dazu, solche Daten 6 Monate lang aufzubewahren. Im Falle des Brücken-Teufels filzten die Fahnder 12 927 Telefonate. Erfolglos. Der mutmaßliche Täter hat sich schließlich selbst bei der Polizei gemeldet.

Das "Rastern" der Telefonate soll unrechtmäßig gewesen sein, wobei "Rastern" das Sortieren nach bestimmten Kriterien wie Telefongesellschaft oder Zeit bedeutet. So soll man sich Verdächtige "beschafft" haben, die man dann näher untersucht hat. Das soll gegen das Gesetz sein, das besagt, dass Telefondaten nur dann ausgewertet werden dürfen, wenn jemand eine schwerwiegende Straftat begangen hat. Die Annahme, dass jemand telefoniert hat, reicht dafür nicht aus. Das Verfahren soll im Oktober stattfinden.

Quelle: Spiegel online

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mcintyre Redaktion

„Rasterfahndung nach Brücken-Teufel“

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Mal wieder ein hervorragendes Beispiel um zu beweisen wie unnötig die VDS ist, da sie auch in diesem Fall keinen Nutzen erbracht sondern nur etliches an Geld verpulvert hat.

Ich erinnere mich an ein Gespräch mit einem älteren Herren, welcher - wie vermutlich einige in diesem Alter - überhaupt keine Ahnung hatte, was er da (nämlich die VDS) in den siebten Himmel gelobt und natürlich auch beim Wählen entsprechende Kreuzchen auf dem Papier hinterlassen hat. Seine Argumentation für die VDS war, dass man ja die "U-Bahn-Schläger in München, welche fast einen Rentner zu Tode geprügelt haben, auch nur durch die Videoüberwachung und entsprechende Datenspeicherung aufgespürt hat". Ist natürlich großer Quatsch, denn am Ende ging es rein um Zeugenaussagen und klassische Ermittlungsarbeit, nicht um unscharfe Kamerabilder.

Genau diese Einstellung ist aber auch das Problem hier: Im Kopf vieler Leute verbleibt nur die Idee, dass VDS und Verbrechensaufklärung in Verbindung stehen und scheinbar auch noch notwendig sind. Dass aber über 10.000 Datensätze ohne Grundlage untersucht (und aufgezeichnet!) wurden, ist im Grunde eine Frechheit - für viele aber hinnehmbar.

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Starfly mcintyre

„Mal wieder ein hervorragendes Beispiel um zu beweisen wie unnötig die VDS ist,...“

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Diese Leute müssen eben erst selbst mal ins Raster rutschen bevor sie was merken ;o)

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Alibaba Starfly

„Diese Leute müssen eben erst selbst mal ins Raster rutschen bevor sie was...“

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Wenn erst der medienträchtige Prozess gegen den armen Teufel begonnen hat, ist diese miese Art der "Datenbeschaffung" längst untergegangen. Ich hab keine Ahnung, ob ers wirklich war oder nicht, aber für die gesamte BRD ist er anhand der Berichterstattung doch jetzt schon der Täter - Unschuldsvermutung hin oder her. Und wenn der Spiegel recht hat mit seiner Beschreibung, dass er auf Entzug verhört worden ist und nach (wieso NACH ? Ich dachte immer, ein Arzt müsse gemäss Eid Leiden lindern ? Ein Belohnungsprinzip hat damit nur sehr wenig zu tun !!!) dem abgelegten Geständnis Methadon erhalten hat, dann fällt das in weiterem Sinne sogar unter Folter. "Gesteh, dann kriegst Du auch was !").

Selbst da hat man ihn noch gelinkt. Wenn er konkret auf Heroin ist und zeitlich gesehen im Entzug angelangt ist, dann helfen ihm lausige 6ml Methadon auch nicht viel weiter. Bei 60ml würde es wohl helfen, natürlich auch nur kurzzeitig. Aber meines Wissens gibts mittlerweilen ja auch im Knast selbst schon Methadonprogramme.

Aber noch was. Das Ergebnis der per Voratsdatenspeicherung gesammelten Profile besagt ja letztendlich nur, wo sich das Handy bzw. der Chip befunden hat, und nicht mehr. Ich hab mir mal aus Interesse die Mühe gemacht, rauszukriegen, wo sich der Prepaid-Chip meines ersten Handys (2000 gekauft) befinden mag. Ich hab ihn meiner Ex überlassen, als ich was anderes hatte. Die ihrer Tochter, und die nach einigen Jahren ihrem Ex (damals noch nicht Ex), und der angeblich nem Kumpel (er wusste es nicht mehr genau). Na toll, wenn jetzt meine Wohnung gestürmt wird, weil "ich" mich dann und dann in der Nähe einer Entführung aufgehalten habe... Was soll ich da sagen ? U-Haft geht bei uns sehr sehr schnell (ganz anders als im Tatort oder bei Matula). Und vor Allem dann, wenn die Ermittlungsbehörden nicht mehr weiter wissen. Gilt nämlich als probates Druckmittel. Wenn dann nach 6 Monaten erstmal Wohnung flöten ist, Freundin Schluss gemacht, Schulden für Miete, etc. angehäuft sind, dann redet manch einer. Falls unschuldig, bekomme ich dann Haftentschädigung (ca. 5-10€ pro Tag, weil ich ja eh nur Hartz4ler bin). Ganz toll, dann steh ich 6 Mon. später auf der Strasse, zwar unschuldig, aber auch obdachlos (mein Zeug hat sich mangels Geld und Helfern längst verflüchtigt), und hab rund 1800€ in der Tasche, was heisst, erstmal keine Sozialhilfe, bis Geld aufgebraucht, usw. usw. Danke, liebe Vorrazsdatenspeicherung für den Fahndungserfolg !!!!

Alibaba

Win7 Ult 64, i5-3470, Gigabyte Z77X-UD3H, 8GB RAM, SSD Samsung 840 Pro, XFX HD7750 Black Ed.und 1xSATA3-HD + 1xUSB3-HD mit insges. 5TB, NT 1000W
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Herid Junior Alibaba

„Wenn erst der medienträchtige Prozess gegen den armen Teufel begonnen hat, ist...“

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Vorneweg, Alibaba: Ich halte auch nichts davon, drogenabhängige auf Entzug schmoren zu lassen, bis sie gestehen, aber die alte Kamelle mit dem hypokrytischen, Verzeihung: hippokratischen Eid möchte ich als berufsmäßiger Körperverletzer (kein Scherz: jeder ärztliche Eingriff vom Blutabnehmen aufwärts ist juristisch gesehen eine Körperverletzung!) doch mal richtig stellen:

schon seit Jahrhunderten kriegen Medizinstudenten den hippokratischen Eid zwar in der Vorlesung "Geschichte der Medizin" oder ähnlichen Veranstaltungen vorgestellt. Dieser Eid wird jedoch zu keinem Zeitpunkt vom Medizinstudenten oder Arzt formell oder informell abgelegt, weder im Studium noch bei der Erteilung der Approbation (die gesetzlich relevante Berufserlaubnis für den Arzt; wie gesagt spreche ich da aus eigener Erfahrung). Was auch ganz gut ist, da sonst sämtliche Chirurgen und andere Operateure als Eidbrüchige dastünden, wenn man sich den Wortlaut des Originals (siehe obiger Link) mal genau ansieht. Überhaupt betrifft ein beträchtlicher Teil nicht die patientenbezogene Ethik, sondern die Verpflichtungen des frischgebackenen Arztes seinen Lehrern gegenüber.

Wohlgemerkt: die meisten von uns treten schon mit dem Willen an, daß es unseren Patienten besser, im Idealfall gut, gehen möge - nur wegen des sozialen Prestiges oder der vielen Kohle (Ha!) tut sich keiner diese Arbeitszeiten an. Einen Eid darauf hat jedoch kein Arzt geleistet, ebensowenig wie die Superhelden von DC Comics einen Eid auf den Kampf gegen das Böse (Grüne Leuchte mal ausgenommen :-).

Im konkreten Fall des "Brücken-Teufels" wäre zu fragen, ob der Polizeiarzt den Verdächtigen von Anfang an mitbetreut hat oder erst in der Verhörpause dazugerufen wurde. Im ersten Fall müßte man ihm wohl vorwerfen, seiner ärztlichen Pflicht, wie auch immer die begründet wird, nicht nachgekommen zu sein - aber selbst wen dem so sein sollte, dürfte das, wie du sagtest, beim Prozeß leider keinen mehr interessieren.

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Sammler891 Redaktion

„Rasterfahndung nach Brücken-Teufel“

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Ich habe mich bei http://www.nowhere.de/ mit meinem Handy angemeldet um zu sehen wo ich den so bin. Mit meinem Aldi Chip bin ich so 10 Km daneben. Dann habe ich meinen Sohn auch angemeldet, auch Aldi Chip. Der war einmal 20 Km daneben. Wir wohnen in Meck-Pomm da können wir erst in 50 jahren damit rechnen das wir geortet werden können.
Oder liegt es am Aldi Chip.

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King-Heinz Sammler891

„Ich habe mich bei http://www.nowhere.de/ mit meinem Handy angemeldet um zu sehen...“

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"Oder liegt es am Aldi Chip."

Wahrscheinlich. Ist halt ein "Gemüsechip", der zeigt an, wo die besten Karotten in der Umgebung wachsen... :-))

Gruß
K.-H.
„Die letzte Stimme, die man hört, bevor die Welt explodiert, wird die Stimme eines Experten sein, der sagt: ‚Das ist technisch unmöglich!’“ (Sir Peter Ustinov)
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Alibaba King-Heinz

„ Oder liegt es am Aldi Chip. Wahrscheinlich. Ist halt ein Gemüsechip , der...“

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@Herid Junior: Danke für die Richtigstellung. Ich war fest davon überzeugt, dass die angehenden Mediziner zum erfolgreichen Abschluss des Studiums den Eid leisten müssen, als ethische Verpflichtung gewissermassen. Aber man lernt wohl nie aus ? Alles klar jedenfalls !

Unbestritten ist doch sicherlich die verstärkte Pflicht der Mediziner, zu Helfen (wenn sich bei nem Verletzten die rumstehenden Gaffer z. B. drücken, ihm zu helfen, würde doch wohl ein Arzt darunter härter bestraft als die Übrigen ?? Schätze ich mal). Wenn sich aber Mediziner dazu hergeben, nicht ganz saubere Verhörpraktiken zu stützen, dann dürfte das zumindest moralisch recht erbärmlich sein. Man denke an Pinochets Chile oder aktueller an Guantanamo. Gut, gut, ich wills mal nicht übertreiben.

Im genannten Fall hätte der Typ überhaupt erstmal einem Arzt vorgeführt werden müssen, der entscheidet, ob der Typ vernehmungsfähig ist oder nicht, und dabei hätte ihm das Zeug gegeben werden müssen (falls aus ärztlicher Sicht nötig !). Und DANN erst hätten sie ihn verhören dürfen. Sollte sich ein mediengeiler sog. Star-Anwalt den Fall krallen, dann wird der seinem Mandanten klarmachen, dass er beim Gutachten sich ziemlich dämlich geben soll und dann bei der Verhandlung kommen, so ein minderbemittelter Junkey habe Alles zugegeben, nur um was zu kriegen. Klar, fragwürdig, aber wenn sie ausser den Handydaten und dem angeblichen Geständnis nix haben, dann stehen sie ganz schön blöd da, wenn sie ihn trotzdem verknacken. Da wird dann Einiges über die Medien abgehen, was eigentlich ausschliesslich in den Verhandlungssaal gehört.

So leid mir auch die verstorbene Frau und ihre Familie tun, mit so einem zu erwartenden Affenzirkus wird ihnen noch mehr angetan. Aber es wäre auch nicht in ihrem Sinn, wenn man nur das arme Schwein ans Kreuz nagelt, weil man keinen anderen finden konnte. Polizei jetzt und Kammer später stehen nämlich auch ganz schön unter Druck, vom Ankläger gar nicht erst zu sprechen.

Da steht uns allen noch Einiges bevor !!

Alibaba

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weka1 Alibaba

„@Herid Junior: Danke für die Richtigstellung. Ich war fest davon überzeugt,...“

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in Deutschland wird gelegentlich mehr für den Täterschutz als für die Opfer getan.Da fragt selten einer, welche Probleme für die Hinterbliebenen entstehen.Wichtig ist nur , dass dem Täter kein Unrecht widerfahren darf.
Was der Tod der Mutter / Eherfau für die betroffene Familie bedeutet, weis nur der, der Ähnliches überwinden musste.Unabhängig von der Todesart.

Gruss weka

Auch mein Rechner kommt aus China !
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Tuxus Redaktion

„Rasterfahndung nach Brücken-Teufel“

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Hallo,

die Tat war schrecklich. Die Familie wurde zerstört. Alle befinden sich in psychotherapeutischer Behandlung, um nach diesen Schrecken weiterleben zu können.
Die Mutter starb vor den Augen ihrer Kinder, getroffen von dem Holzklotz, den der Mann auf das Auto warf. Sie starb am Seitenstreifen, verblutend und schwer verletzt, neben ihrem Mann.
Der Täter ist nach seiner Tat abgehauen und hat sich versteckt. Schlimmer noch, gab der mutmaßliche Täter ein Interview und mimte Betroffenheit. Er hat den 6kg schweren Holzklotz auf seinem Fahrrad zu der fast 5km entfernten Brücke gefahren und dort gezielt auf ein Auto geworfen!

Für uns aus der Region um Oldenburg war und ist es immer noch eine schreckliche Tat. Ich bin hundertemale unter dieser Autobahnbrücke hindurchgefahren.

Die Polizei befragte hunderte Personen, sammelte Notizen, um an neue Personen heranzukommen. Wir konnten es nicht fassen, dass er frei herumlief, dass man ihn nicht fassen könne.


Und nun mal zu der Nachricht hier, dass er sich selbst gestellt hätte: Das ist falsch!
Der Täter wurde durch die intensiven Nachforschungen und Befragungen der Polizei in die Enge gedrängt (u.a. Aktenzeichen-xy-Sendung). Und das war richtig so. Es war auch richtig, alle Handydaten auszuwerten, um an den Täter gelangen zu können. Er meldete sich nicht bei der Polizei, um zu gestehen, sondern er gestand letztlich, weil er sich bei der Befragung in Widersprüche verwickelte.
Die Polizei hat in den Medien verbreitet, dass sie einen Massengentest durchführen würde, was nicht geplant war. Das war ein Bluff! Der mutmaßliche Täter ging daraufhin zur Polizei, um zu erklären, wieso es sein könne, dass seine genetischen Abdrücke auf der Tatwaffe seien. Er hätte den Holzklotz zur Brücke transportiert und dort liegen gelassen.

Ich bin froh, dass die Tat offenbar aufgeklärt werden konnte. Mich hätte die Polizei gerne besuchen können, wenn der Provider meine Handydaten in der Umgebung festgestellt hätte und sie der Polizei mitgeteilt hätte.

Es geht hier nicht um eine heimliche Überwachung, sondern darum, dass bei einer schweren Straftat (Mord), die Polizei versucht festzustellen, wer sich in der Nähe aufhielt. Diese Personen werden besucht und befragt. Dabei wird der Grund des Besuches angegeben und die Polizei kommt auch nicht verdeckt oder heimlich, sondern klingelt an der Tür oder schreibt einen Brief, dass man vorbeikommen möge.

http://www.augsburger-allgemeine.de/Home/Nachrichten/Aus-aller-Welt/Artikel,-Ein-Bluff-der-Polizei-ueberfuehrte-Nikolai-H-_arid,1229810_regid,2_puid,2_pageid,4293.html
http://board.raidrush.ws/showthread.php?t=430036&show_thx=1

Dies war ein guter Grund für die VDS. Man muss schon unterscheiden zwischen allgemeinen Verdächtigungen und heimlichen oder öffentlichen Überwachungen und gezielter Fahndung nach den Tätern schwerer Straftaten.
Mord ist eine solche. Das Kopieren von Musik nicht.

Auf diesen Unterschied kommt es an, finde ich.

Grüße, tuxus

P.S.: Es wurden hunderte Personen befragt, Sandspuren verglichen, Handydaten ausgewertet, Gentest veröffentlicht, Befragungen durchgeführt und letztlich wenige Personen gezielt abgehört und überwacht.

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mcintyre Tuxus

„Täter stellte sich NICHT der Polizei! Sehr gute Polizeiarbeit“

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Tut mir leid, wenn das jetzt herzlos rüberkommt, aber ich bin nach wie vor nicht einverstanden mit der VDS. Denn auch nach dem was du hier geschrieben hast, sehe ich noch immer keine Rechtfertigung für das Auswerten der Daten von über 10.000 Menschen, welche absolut nichts mit diesem (zugegebenermaßen schrecklichen) Mord zu tun haben.

Sicherlich muss die Polizei etwas haben, mit dem sie arbeiten kann, aber man sieht ja an anderen Ländern (Beispiel USA) wo es hinführt, wenn man ständig mit "Recht und Gesetz" die Methoden legitimiert. Denn sprich mal mit einem Angehörigen eines 9/11-Opfers. Der wird dir mit großer Wahrscheinlichkeit eine ebenso lange Begründung schreiben, wieso Guantanamo richtig und wichtig ist. Die Angehörigen von denen, die seit Jahren unschuldig dort einsitzen, sehen das sicher anders. Und gerade die VDS ist prädestiniert dazu, Datenmengen anzuhäufen, die auf der anderen Seite auch negative Auswirkungen für unbescholtene Bürger haben können. Und wenn die Chancen dazu 10.000 : 1 stehen, dann ist das nicht rechtens.

Und ich spreche hierbei nur von der VDS. Auch ein Gentest (und ich weiß das aus beruflicher Erfahrung) kann schreckliche Folgen für unschuldige Personen haben, denn gerade weil ein solcher Gentest so unglaublich präzise und zutreffend ist, kann es dennoch sein, dass Spuren am Tatort kontaminiert wurden oder durch unglückliche Umstände dort hingelangt sind. Nur ist es gerade bei diesem Verfahren schon lange so, dass keiner mehr hinterfragt, wenn jemand "identifiziert" wurde. Eben weil es ja so "sicher" ist. Die VDS bewegt sich leider bei vielen auf exakt dem selben Weg dorthin - in eine Sicherheit, die irgendwann nicht mehr hinterfragt werden kann, weil sie gängige Praxis ist.

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Alibaba mcintyre

„Tut mir leid, wenn das jetzt herzlos rüberkommt, aber ich bin nach wie vor...“

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@Tuxus: Als Ortsansässiger hast Du die Dinge sicherlich intensiver mitbekommen als ich, der ich weit weg wohne und wie fast die ganze BRD den Fall nur aus den Medien kenne. Aber glaub mir, die Empörung darüber nimmt mit der Anzahl der Kilometer KEINESWEGS ab. Und, wie Du ja lesen konntest, denke ich durchaus an die Opfer und deren Leiden, das ja gerade erst begonnen hat. Trotzdem möchte ich zu Deinen ganz bestimmt ehrbaren Argumenten meine Skepsis spezifizieren:

1. Wenn ich Deiner Argumentation folge, kams ja wohl nicht auf die VDS an. Der Täter, so ers denn ist, wurde ja wohl ausgeblufft, was meiner Meinung nach immer noch zur "guten alten Polizeiarbeit" gehört und wozu man die bestehenden Gesetze nicht noch bis zum Zerrbild aufbohren muss.

2. Ein ähnlich populärer Fall, an den sich bestimmt auch noch jeder erinnern kann, fand vor einigen Jahren in Frankfurt statt. Die Entführung eines jungen Mannes, der irgendwo verscharrt auf den Tod warten musste. Man hatte schon den Täter, aber er sagte nicht, wo das Opfer ist. Daraufhin ging der stellv. Polizeichef rein und brachte den Kerl mit Androhung von Gewalt dazu, das Versteck preiszugeben, worauf das Opfer gerettet werden konnte. Der Polizist verlor dadurch Job und kam vor Gericht.

Gut, zugegebenermassen was ganz anderes. Aber auch damals diskutierte die BRD äusserst kontrovers die Androhung/Anwendung von Gewalt in Ausnahmefällen. Und es gab verdammt viele gute Gründe auf beiden Seiten. Und Letzteres will ich damit rausstreichen. Legitimiert man das, und sei es auch nur ansatzweise, so ist damit die Folter bei uns offiziell eingeführt. Was sicherlich einige Herren liebend gerne hätten, natürlich nur aus ethisch einwandfreien Gründen. Es wird immer extreme Ausnahmen geben, aber die moralische Integrität eines Volkes misst sich daran, etwas wie Folter zu verabscheuen und niemals zuzulassen. So sehe ich es hier mit der Gefahr für die Privatsphäre. Wenn die Leute erst den Staatsapparat mehr fürchten müssen als die Terroristen (wer bestimmt denn, wer Terrorist ist ?), dann haben wir alle verloren und Osama & Co. haben uns mehr angetan als mit Attentaten.

3. Da wäre noch der Punkt des Vertrauens. Ich wäre trotz übler Erfahrungen schon geneigt, ein gewisses Vertrauen in "die Polizei" selbst zu setzen - nicht aber in die Hierarchie darüber. Es geht ja nicht ums Revier an der Ecke oder die Kripos aus der Zentrale, die bei Schlimmerem anrücken. Bei der VDS gehts darum, die Gesamtbevölkerung unter Generalverdacht zu stellen und durch Wissen um Bewegungsabläufe kontrollieren zu können. Und dass es letztendlich bloss die Bewegung der Chips ist statt der Personen (na gut, meist ist es ja das Gleiche), führt das Ganze für mich an die Grenze des Absurden. Schliesslich wissen die bösen Terroristen das ja auch und, wenn mans schon weiss, kann mans leicht manipulieren. Und tschüss mit dem Gummi-Argument "wegen der Terroristen". Und last not least ist es ja bloss der Anfang einer weit grösseren Kampagne zur Abschaffung der Grundrechte. Was nützt mir ein Grundrecht, wenns leicht ist, ne Ausnahme dagegen zu produzieren ? NICHTS MEHR !!!!

4. Ähnlich wie bei dem Gewaltbeispiel weiter oben lassen sich leicht Szenarien ausdenken, in denen die VDS ganz toll geholfen haben könnte. Aber das gabs schon bei den Gewissensprüfungen zur Kriegsdienstverweigerung. "Was täten Sie, wenn ein Unhold Ihre Freundin mit einem Messer bedroht ?" Richtige Antwort: Neue Freundin suchen. Ja, shit !

Tut mir leid, Tuxus, abei all Deinen gutgemeinten Argumenten bin ich immer noch gegen die VDS.

@Weka1: Noch kurz was. Das ist aber schon eine arge Verdrehung des Themas hier, meinst Du nicht ? Ich will hier kaum als strahlender Ritter für die Rechte dieses Typen auftreten. Aber Suchtkranke kommen auf die absurdesten Ideen, und nicht nur die. Wie viele Spinner melden sich tagtäglich und gestehen irgendwas, vielleicht sogar nur um in die Medien zu kommen ? Bei dem Druck, unter dem die da oben standen, ist doch jeder willkommen. Hauptsache, man kann der Öffentlichkeit den "Fahndungserfolg" präsentieren. Immerhin sahs ja erst so aus, als wärs die Gruppe von Jugendlichen gewesen. Ich schätze, die haben auch kein Vertrauen in die Behörden und melden sich deswegen nicht. Vielleicht ist ja der Nikolai XYZ erst der eigentliche Bluff und man will die Jugendlichen in Sicherheit wiegen ?

Und noch was. Im Gegensatz zu vielen anderen Ländern haben es die Täter (O-Ton "Tatverdächtige") bei uns durchaus nicht so gut. Irgend ne Wohnung betreten, kein Problem, Gefahr im Verzug ("Oh, da hat doch jemand geschrien, rein !!"), recht schnell in U-Haft (falls nicht Promi oder einflussreich), kein Problem. Fluchtgefahr, Verdunkelung, Wiederholung - eins passt immer. Z. B. die berühmte "Grenznähe" (Fluchtgefahr) in Bayern, Baden-W., Saarland und jetzt auch im Osten - prima, passt fast immer. Wiederholungsgefahr und Verdunkelung (hat seinem Kumpel auf der anderen Strassenseite Zeichen gegeben), Alles kein Problem. Schliesslich sind die Richter hoffnungslos überlastet und nicken nur zu gerne ab, wenns denn mundgerecht serviert wird. Ausserdem haben wir solche wunderbaren juristischen Instrumente wie den §31 BtmG (Spitzel-Belohnungsparagraph) oder bei Ausländern Zusagen über Nicht-Abschiebung. Diese zwei "Gruppen" decken schon einen hohen Prozentsatz an Personen ab, von denen man sich schnell mal ne passende Beschuldigung beschaffen kann. Damit findet man jemand, der beschwört, dass Du Deine Oma überfallen hast, selbst wenn sie schon 20 Jahre tot ist. Entschuldige, weka1 !

Richtig ist, dass bei uns "der Knast" nicht soo hart ist (nicht gleich ne Gruppenverfwaltigung oder so) und die Strafen nicht soo krass (keine Todesstrafe und nicht 17x45 Jahre oder so). Nunja... Auch kein Trost, wenn man wo reingeraten ist oder jemand anderer einen Sündenbock braucht (letzteres selbst erlebt, vorher habe ich auch geglaubt, "bei uns doch nicht").

Alibaba

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