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News: Datenkrake zu mächtig

Leistungsschutzrecht: auch Springer kapituliert vor Google

Michael Nickles / 5 Antworten / Baumansicht Nickles

Nach langwierigem Hickhack wurde das umstrittene Leistungsschutzrecht verabschiedet und trat am 1. August 2013 in Kraft. Gefordert wurde die Schaffung dieses Rechts von großen Verlegern, darunter Springer, die sich von Google nicht mehr kostenlos "benutzen" lassen wollten.

Google profitiert bei seinen Fundergebnissen unter anderem dadurch, dass Überschriften, Anreißer und Bilder von Beiträgen angezeigt werden. Die Verleger profitieren von diesen Anzeigen dadurch, dass sie eben Verlinkungen sind und Leser von Google zu ihren Beiträgen transportieren.

Die Verleger befürchteten aber, dass Google von den Einblendungen zu sehr profitieren kann und wollten deshalb dafür bezahlt werden (was Google wiederum nicht wollte). Drum wurde das Leistungsschutzrecht geschaffen um Google (und natürlich auch allen anderen Suchmaschinenbetreibern) die ungenehmigte Nutzung selbst nur bruchstückhafter Inhalte zu verbieten.

Das große Einknicken erster betroffener Verleger begann mit Googles Verkündung, deren Inhalte ab 23. Oktober 2014 nur noch sehr eingeschränkt darzustellen, auf Bilder komplett zu verzichten. Einen Tag davor verkündete die vgmedia, dass mehrere von ihr vertretene  Presseverlage sich der "überwältigenden Marktmacht Googles" beugen. Sie haben Google notgedrungen eine Gratiseinwilligung erteilt, ihre Inhalte weiterhin nutzen zu dürfen.

Axel Springer Büste am Eingang des Axel Springer Hauses in Hamburg. (Foto: mn)

Eingeknickt ist jetzt ein weiterer "Mitinitiator" des Leistungsschutzrechts. Der Axel Springer Verlag erklärte seine Rückkehr zu Google mit fatalen Zahlen.

Durch die verschlechterten Suchanzeigen in Google, drohe dem Verlag ein gravierender Schaden. Im Gegensatz zu den anderen Verlagen der vgmedia hat Springer zunächst auf Googles Ultimatum bis zum 23. Oktober nicht reagiert und wurde bei Google entsprechend schlechter präsentiert.

Den vorübergehenden Verzicht zur Erteilung einer Gratis-Lizenz erklärt Springer mit einem bewussten Experiment. Man wollte rauskriegen, wie sich die schlechtere Sichtbarkeit bei Google tatsächlich auswirkt. Das Ergebnis des gerade mal knapp zweiwöchigen Tests: fatal.

Gemessen wurde ein Rückgang des Datenverkehrsaufkommens um fast 40 Prozent, bei "Google News" waren es gar 80 Prozent. Die Auswirkungen auf die betroffenen Springer-Marken sind unterschiedlich. Welt.de würde bei Beibehalt der "Diskriminierung" bei der Rangfolge hinter den Wettbewerbern zurückfallen, Computerbild,.de ihren Platz unter den Top 10 aller AGOF-Angebote in Deutschland einbüßen. Hochgerechnet würde sich auf das Gesamtjahr durch entgangene Vermarktungsumsätze pro Marke ein Verlust im siebenstelligen Bereich ergeben.

Um das zu verhindern erteilt Springer Google ab sofort ebenfalls die Gratis-Lizenz zur Präsentation der Inhalte. Springer betont in der Meldung, dass es sich hier nicht um eine freiwillige Entscheidung handelt. Wegen der Marktbeherrschung Googles und des daraus folgenden wirtschaftlichen Drucks, gäbe es einfach keine andere Möglichkeit.

Michael Nickles meint:

Dass das Leistungsschutzrecht für den Arsch ist, war vorhersehbar. Und dass es sowieso überflüssig war, hat unter anderem Dieter in seinem Beitrag Das Leistungsschutzrecht und die Lobbyisten... präzise vorgerechnet.

Auch ohne das Leistungsschutzrecht hätten Verlage es Google durch eine Kennzeichnung in ihren Seiten "verbieten" können, dass sie vom "Suchroboter" berücksichtigt werden. Und für Googles Suchecke "Google News" ist sowieso eine explizite manuelle Anmeldung erforderlich.

Spott über das Leistungsschutzrecht ist dennoch fehl am Platz. Es war trotz Sinnlosigkeit nötig um die entscheidende Diskussion anzukurbeln. Und zwar jene um Googles erbarmungslose Übermacht, die Google auch nach Lust und Laune missbrauchen kann, ohne sich dafür rechtfertigen zu müssen.

Mit dem erzwungenen Kniefall der Verleger ist das Thema nicht vom Tisch - da wird es sehr bald wieder ordentlich krachen. Und das ist gut!

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InvisibleBot Michael Nickles

„Leistungsschutzrecht: auch Springer kapituliert vor Google“

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Springer war der entscheidende Initiator des Leistungsschutzrechts, das ausgerechnet die nun eine ordentliche Quittung für ihr Eigentor bekommen freut mich. Noch mehr würde mich allerdings freuen, wenn Springer nicht eingeknickt wäre - und irgendwann Pleite geht. Man wird ja mal träumen dürfen... Lächelnd

Die Marktmacht von Google ist zwar rational betrachtet keine geringere Gefahr als Springers hetzender Vollpfostenjournalismus, aber national gesehen ist Springer eindeutig das größere Übel. Hat sich erst heute wieder gezeigt mit der Veröffentlichung von privater Informationen über GDL-Chef Weselsky. Oder anders gesagt mit dem Aufruf zum Lynchmob.

- Beat the machine that works in your head! -
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robinx99 Michael Nickles

„Leistungsschutzrecht: auch Springer kapituliert vor Google“

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Spott über das Leistungsschutzrecht ist dennoch fehl am Platz. Es war trotz Sinnlosigkeit nötig um die entscheidende Diskussion anzukurbeln. Und zwar jene um Googles erbarmungslose Übermacht, die Google auch nach Lust und Laune missbrauchen kann, ohne sich dafür rechtfertigen zu müssen.

Ja aber wird die Macht von Google durch das Leistungsschutzrecht nicht gerade sogar gesteigert? Die ganzen Verlage geben Google eine gratis Lizenz. Die kleineren Suchmaschienne bekommen sie nicht. Was ja sogar schon dazu geführt hat das kleinere Anbieter die Verlage schon aus ihrem Index entfernt haben http://winfuture.de/news,83625.html

So führt das ganze Leistungsschutzrecht doch gerade dazu die Macht von Google massiv zu vergrößern, wenn nur noch Google in der Lage ist alles zu Indizieren.

Und da frage ich mich schon ob das ganze Leistungsschutzrecht nicht sogar nach hinten losgeht und genau das Gegenteil bewirkt von dem was es mal machen sollte

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RW1 Michael Nickles

„Leistungsschutzrecht: auch Springer kapituliert vor Google“

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Und zwar jene um Googles erbarmungslose Übermacht, die Google auch nach Lust und Laune missbrauchen kann, ohne sich dafür rechtfertigen zu müssen.

"Wasch mich, aber mach mich nicht nass"

So könnte man das auch beschreiben. Die Verlage dachten mal eben etwas Kohle abgreifen fürs Nixtun. Google ist DAS Unternehmen des Internets. Ohne I-Net kein Google, ohne Google kein Onlineumsatz.Pech gehabt. Google hatte da einfach mitgespielt und haushoch gewonnen.

Leider hat niemend jemals ensthaft  versucht Google in die Schranken zu weisen. Nun ist der Konzern so mächtig, dass selbst die großen Verlage kapitulieren.

Meiner Meinung ist es nur noch eine Frage von wenigen Jahren bis ein "1984"  Realität geworden ist. "Der große Bruder" heißt dann eben Google oder Apple oder Microsoft oder Nickles ;-)

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King-Heinz RW1

„Wasch mich, aber mach mich nicht nass So könnte man das ...“

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Die Verlage dachten mal eben etwas Kohle abgreifen fürs Nixtun.

Genau dieser Satz bringt es auf den Punkt.

Diese Verlage sind doch Google gegenüber in der "Bittstellerposition". Aber anstatt das einzusehen, wollten sie Google die Pistole auf die Brust setzen.

Ich freue mich, dass dieser Schuss gründlich nach hinten losgegangen ist!

Andersherum - wenn Google die Verlage dafür zur Kasse gebeten hätte, dass die Verlage in der Suchmaschine überhaupt "erscheinen" - wäre ein Schuh draus geworden. Die können froh sein, dass Google so gnädig ist und jetzt keine Retourkutsche fährt.

Gruß

K.-H.

„Die letzte Stimme, die man hört, bevor die Welt explodiert, wird die Stimme eines Experten sein, der sagt: ‚Das ist technisch unmöglich!’“ (Sir Peter Ustinov)
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Onkel_Alois King-Heinz

„Genau dieser Satz bringt es auf den Punkt. Diese Verlage ...“

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Andersherum - wenn Google die Verlage dafür zur Kasse gebeten hätte, dass die Verlage in der Suchmaschine überhaupt "erscheinen" - wäre ein Schuh draus geworden.

Das kann ja alles noch kommen. Jetzt wo klar wurde, wie dringend div. Printmedien eigentlich ihre "Bewerbung" durch Google benötigen. Im Falle Springer Verlag haben da wohl schon einige Wochen dazu gereicht.

Die Geister die ich rief!

Gruß Alois

Mir scheint, als sei der IQ mancher User umgekehrt proportional zur Versionsnummer des verwendeten Betriebssystemes
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