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News: Caspar in der Klemme

Hamburger Datenschutzbeauftragter schaltet sich ab

Michael Nickles / 7 Antworten / Baumansicht Nickles

Schwer in der Klemme steckt aktuell der Hamburger Datenschutzbeauftragte Prof. Dr. Johannes Caspar. Der hat seine eigene Internetpräsenz auf Hamburg.de jetzt abgeschaltet, weil sie die von ihm angestrebten Datenschutzrichtlinien nicht erfüllt.

Aktuell wird wohl Capars eigene Seite www.datenschutz-hamburg.de neu aufgebaut, die aktuell noch recht "zertrümmert" ist:


Hamburgs Datenschutzbeauftragter bastelt an seiner Homepage - und seinem Ruf.

Abrufbar ist auf jeden Fall schon mal die PDF-Pressemitteilung zum Vorfall. Darin wird mitgeteilt, dass Anfang der Woche festgestellt wurde, dass auf Hamburg.de eine "Tracking-Software" eingesetzt wird, die den datenschutzrechtlichen Anforderungen nicht genüge. Anscheinend geht es dabei wohl um das Zählpixel der Informationsgemeinschaft zur Feststellung der Verbreitung von Werbeträgern (IVW).

Bei der IVW können sich Webseiten-Betreiber kostenpflichtig anmelden und die IVM ermittelt und veröffentlicht dann die Abrufzahlen der Webangebote. Diese Abrufzahlen entsprechen quasi der Verkaufauflage bei Print-Medien und sind für Anzeigenkunden einer Webseite relevant.

Weiter teilt Caspar mit, dass er auch die Abschaltung seiner Präsenz auf der Webseite der Universität Hamburg veranlasst hat, weil dort die Tracking-Software Google Analytics verwendet wird. Caspar ist sauer auf Google, weil Google diese Software trotz langer Verhandlungen nicht den rechtlichen Anforderungen angepasst haben soll.

Er fordert die Hersteller von Tracking-Software auf, bei ihren Auswertungen für wirtschaftliche Zwecke, rechtliche Grenzen einhalten müssen. Er geht davon aus, dass sich künftig nur Lösungen durchsetzen werden, die das informationelle Selbstbestimmungsrecht der Nutzer berücksichtigen.

Michael Nickles meint: Die Formulierung, dass es "Anfang der Woche festgestellt" wurde, ist nicht dahingehend zu verstehen, dass Casper es selbst festgestellt hat. Ausschlaggebend war wohl ein Blog-Beitrag von Fachanwalt Thomas Stadler.

Der hatte am 11. Januar einen Beitrag über Google-Analytics veröffentlicht und ein Leser gab als Kommentar den Tipp, dass auch auf Capars Seiten "kräftig getrackt" wird.

Den darauf folgenden Blog-Beitrag zu Capars Webseite, hat Johannes Capsar inzwischen anscheinend selbst kommentiert (Kommentar Nummer 9). Aktuell gibt es noch keine Bestätigung, ob dieser Kommentar tatsächlich vom "echten" Johannes Caspar stammt!

Der vermeintliche "Caspar" ist im Kommentar der Ansicht, dass einige Fakten in der Darstellung durcheinandergeraten sind und stellt unter anderem klar:

"Der Online-Auftritt meiner Dienststelle läuft über Hamburg.de. Über die technische Infrastruktur unserer Seite entscheiden daher nicht ich oder meine Mitarbeiter, sondern dieses Unternehmen.

Dass die momentane Konfiguration nicht unseren Anforderungen entspricht, war uns schon vor den entsprechenden Presseberichten bewusst. Wir stehen deshalb mit dem Hersteller, der von Hamburg.de eingesetzten Tracking-Software in engen Beratungen über das Erfordernis einer datenschutzgerechten Gestaltung. Diese hat man uns bis Ende Juli 2011 zugesagt."

Wie gesagt - es gibt keine Bestätigung für die Echtheit des Kommentars. Blog-Betreiber Thomas Stadler hat Caspar zwar per Kommentar geantwortet, ich konnte von ihm aber noch keine Bestätigung lesen, dass es sich um den echten Caspar handelt.

So oder so: eine fatale Geschichte für den Hamburger Datenschutzbeaufragten. Der Mann steckt in der Klemme. Denn: der Kommentar "stimmt", auch wenn er "falsch" ist. Ohne wenn und aber hat Caspar den Datenschutz seiner "Seite" in die Hände eines anderen gegeben. Und zwar in die des Axel Springer Verlags, der Hamburg.de betreibt.

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gelöscht_84526 Michael Nickles

„Hamburger Datenschutzbeauftragter schaltet sich ab“

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Moin Mike,

auch hier war ich wieder mal einen Tick schneller... http://www.nickles.de/forum/viren-spyware-datenschutz/2011/hamburger-datenschutz-mal-anders-538765848.html

Macht aber nix. Doppelt hält bekanntlich besser... :-))

Übrigens: Der Datenschutzbeauftragte heißt nicht "Casper", "Capsar" oder Capars (wie du in deinem Artikel den Namen falsch schreibst), sondern "Caspar" - aber immerhin schreibst du den Namen ja auch öfters richtig. *SCNR*

Gruß
K.-H.

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MetaIIica gelöscht_84526

„Moin Mike, auch hier war ich wieder mal einen Tick schneller......“

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na vielleicht will Mike sich zum Kaspar machen :D

wir leben in einer Demokratie und haben das Recht auf freie Meinungsäußerung, also halt's Maul!
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winnigorny1 Michael Nickles

„Hamburger Datenschutzbeauftragter schaltet sich ab“

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.... vielleicht aber auch den Caspar?

Grüße aus Hamburg, Winni - https://www.das-bumerang-projekt.de
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asterix5 Michael Nickles

„Hamburger Datenschutzbeauftragter schaltet sich ab“

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hat Johannes Capsar inzwischen anscheinend selbst kommentiert (Kommentar Nummer 9)

Ich sehe da zur Zeit (14.01.2011, 23:45) nur vier Kommentare, aber keinen von jemandem, der sich Caspar oder Capsar nennt. Dann sind die Kommentare ab Nr. 5 wohl zwischenzeitlich gelöscht worden.

Wertvoll sind aber die Kommentare Nr. 2 und Nr. 4, weil technisch fundiert.

Auf nickles.de habe ich die für den Einsatz von Google Analytics erforderliche Datenschutzerklärung (siehe AGB von GA) noch nicht gefunden, aber vielleicht habe ich nur nicht gründlich genug gesucht.

Auch die Code-Zeile zur Anonymisierung fehlt auf nickles.de (Stand: 14.01.2011, 23:50):
_gaq.push(['_gat._anonymizeIp']);

Siehe
http://www.datenschutzbeauftragter-info.de/google-analytics-datenschutzkonform-einsetzen/
(eine Firmen-Website aus Hamburg)

Wer im Glashaus sitzt, sollte weder mit Steinen werfen noch sich über andere lustig machen.

\"Als ich nach Deutschland kam, sprach ich nur Englisch - aber weil die deutsche Sprache inzwischen so viele englische Wörter hat, spreche ich jetzt fließend Deutsch!\" (Rudi Carrell)
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Joerg69 Michael Nickles

„Hamburger Datenschutzbeauftragter schaltet sich ab“

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Offenbarungseid unserer justizbürokratischen Dummluschen - bauen eine irrsinnige Anforderungskulisse auf, derer sie selbst nicht gerecht werden, und liefern damit selbst die legitimen Vorraussetzungen, solche Bürokratenmaterialien abzuschaffen.

Viele Grüße von Jörg
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winnigorny1 Michael Nickles

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Entwarnung?

Ich habe den kostenlosen Website-Zähler Webstats auf meiner HP. Die nutzen auch Google Analytics. Wenn ich jetzt aber versuche, auf der Karte die Besucher zu lokalisieren, wird zwar noch die Stadt, aber nicht mehr der Standort des Besuchers angezeigt.

Früher konnte man sich über GoogleMaps praktisch den genauen Standort des Besuchers anzeigen lassen. - Heute ist das dann ein Marker, der irgendwo in der Stadt gesetzt ist. - Das bedeutet für mich, dass Google Analytics bereits anonymisiert ist. -?

Grüße aus Hamburg, Winni - https://www.das-bumerang-projekt.de
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Joerg69 Michael Nickles

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Wieso wird mit Google & Co. verhandelt? Wir reden doch jetzt schon seit Jahren darüber, daß IP-Adressen nicht protokolliert werden sollen, außer vom Provider für interne technische Zwecke.

Dann soll der Datenschutzbeauftragte doch den Einsatz dieser Tools verbieten. Fristsetzung drei Tage. Ende Peng. Oder kann er das nicht? Oder will er das nicht? Stattdessen schafft er sich selbst für 6 Monate ab.

Jeder kleine Seitenbetreiber wird dazu gezwungen, eine "Datenschutzerklärung" zu haben, die sinnloser Formalismus ist, weil der Seitenbetreiber in der Regel keinerlei Einfluß darauf hat, was der Provider an Seitenstatistik einsetzt. Da müßten die Aufsichtsbehörden sich mal die Provider vorknöpfen - trauen 'se sich nicht. Bürokratisch gegängelt wird wieder mal nur das Ende der Nahrungskette.

Viele Grüße von Jörg
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