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Die Zukunft des Heimcomputers

xafford / 85 Antworten / Flachansicht Nickles
Wo geht die Reise hin?

Ich will hier einmal keine News oder Beitrag zu einem bestimmten Thema starten, sondern eine Art Umfrage oder Brainstorming zu der Zukunft des Computers in weiterem Sinne im privaten Umfeld. Wenn ich es mir recht überlege, dann ist dies vielleicht doch ein Beitrag zu einem aktuellen Thema angesichts des stetigen Rückgangs des PC in Privathaushalten. Ich würde also gerne einmal eure Sicht auf die Zukunft der Nutzung von Rechnern im privaten Umfeld für - sagen wir mal - die nächsten 10 Jahre, da dies ein noch überschaubarer Zeitrahmen ist. Zudem will ich selbst erst einmal vorlegen.

Klein und trotzdem leistungsfähig!

Es ist kein Geheimnis: Die Verkaufszahlen bei klassischen Komplett-Rechnern und bei PC-Komponenten gehen die letzten Jahren mit zweistelligen Prozentzahlen zurück und es ist absehbar, dass der typische Tower-PC in ein paar Jahren ein Dinosaurier sein wird wie es heute beispielsweise ein Röhrenmonitor ist. Der Trand bei den verbliebenen PC-Verkäufen geht auch vermehrt zu kompakten Systemen, so ist mittlerweile die Zahl der - vor wenigen Jahren noch exotischen - Mini-ITX Mainboards und Gehäusen mittlerweile sehr umfangreich und fast jeder Anbieter hat solche im Programm. Begünstigt wird dieser Trend dadurch, dass man heute keinen Kompromiss mehr machen muss zwischen kompakt und leistungsstark.

Auch ich habe vor mittlerweile knapp einem Jahr meine vorhandenen Rechner umgerüstet und habe ein fast neues Corsair Obsidian 800D, ein ATX HTPC-Gehäuse und einen Lian Li Big-Tower ausgemustert (beide gammeln jetzt im Keller vor sich hin) zugunsten von Micro-ATX und Mini-ITX Systemen - und dies ohne Kompromisse bei der Leistung machen zu müssen Dank energiesparender 4-Kern Prozessoren und SSD. Ergo wäre mein erster Tipp für die nahe Zukunft, dass in 5 Jahren ein Big-Tower die Ausnahme sein wird und in dem Bereich, wo ein klassischer PC mit viel Leistung, großem Monitor, Tastatur und Maus benötigt wird die Mini-Systeme und die sogenannten All-In-One Rechner dominieren werden.

Da der Trend zur Mobilität geht werden in den letzten Jahren auch meist veraltete PCs nicht mehr mit einem neuen PC, sondern einem Notebook ersetzt, denn auch diese Geräteklasse ist zunehmend erwachsen geworden. Wo früher ein Notebook oft von der Leistung zu schwach war ist es heute für die meisten Aufgaben, sogar für Spiele, mehr als ausreichend zu einem Preis den noch vor fünf Jahren ein brauchbarer PC gekostet hatte. Aber ich denke, dass auch die Notebooks den Weg des PC gehen werden, nur mit wenigen Jahren Zeitversatz. Schon jetzt zeichnet sich ab, dass leistungsstarke Tablets cen Einsatz von Notebooks in vielen Bereichen ersetzen können.

Im Prinzip war es eigentlich die letzten - sagen wir mal zehn - Jahre so, dass sich so gut wie jeder Haushalt einen mehr oder weniger leistungsstarken PC angeschafft hat und dies oftmals nur, um etwas im Internet zu surfen, E-Mails zu lesen und ab und an einen Brief zu schreiben. Heute können diese Aufgaben problemlos mit einem Tablet oder sogar einem Smartphone erledigt werden. Sollte der Trend in Richtung Speicherung der Daten im Netz - auf Neudeutsch "die Cloud" weiter gehen, dann ist lokal nicht einmal mehr ein PC mehr nötig um größere Daten wie Fotosammlungen und selbst gefilmte Videos zu archivieren. Eine Bearbeitung von Fotos und Videos im Hobby-Bereich kann sogar heute schon meist mit einfachen Apps zufriedenstellend erledigt werden ohne dass ein Laie mit dem Ergebnis unzufrieden wäre - im Gegenteil, die Handhabung ist oftmals erfrischen einfach für Ergebnisse, die noch wird 3 Jahren einen Profi viele Stunden mit professioneller Software beschäftigt hätten.

Womit wir bei einem weiteren Punkt wären: Den Betriebssystemen und Anwendungen. Noch bis vor Kurzem war die Welt einerseits recht einfach und andererseits recht komplex. Man hatte seinen PC und seine lokale Software und hat mit beidem seine lokalen Daten bearbeitet und verwaltet. Wollte man die Daten auf einem weiteren Gerät, so musste man sie dort hin kopieren, wollte man Daten über das Internet verfügbar machen, so musste man diese explizit dort speichern. All dies hat dem Anwender doch einiges an Einarbeitung abverlangt und war nicht immer ohne Probleme - gleichzeitig gab es dem Anwender aber auch eine gewisse Flexibilität, Sicherheit seiner Privatsphäre und und Verfügungsgewalt über seine Geräte und Daten. Mittlerweile ist das System mit Betriebssystem, Software und Daten nicht mehr ganz so durchsichtig und es dürfte klar sein, dass dieser Trend sich verstärken wird. Betriebssysteme und Anwendungen setzen heute für bestimmte Funktionen schon voraus, dass das der Computer mit dem Internet verbunden ist, Daten landen teilweise unbewusst schon automatisch bei Cloud-Diensten, persönliche Daten finden oftmals ihren Weg ins Netz ohne dass dies eigentlich beabsichtigt war.

Diese Entwicklung ist zwar einerseits bedenklich, aber andererseits darf man nicht vergessen, dass sie auch gewisse Vorteile mit sich bringt - hätte sie nur Nachteile, so würde sie sich nicht so schnell verbreiten. Daten sind über Gerätegrenzen hinweg verfügbar (meine Fotos sind auf dem Smartphone, dem Tablet, dem PC und sogar dem Fernseher verfügbar, ohne diese mühsam kopieren zu müssen), der Verlust einer Festplatte ohne Backup bedeutet nicht mehr, dass Daten und Erinnerungen von Jahren verloren sind, Anwendungen können auf vernetzte Daten zurück greifen und haben immer einen aktuellen Datenbestand.

Letztendlich bin ich aber trotzdem etwas am Zweifeln, ob nicht in den nächsten Jahren in diesem Punkt wieder eine Rückbesinnung der Nutzer statt finden wird, die Verfügungsgewalt über ihren Rechner und ihre Daten wieder zurück zu erobern.

Vielleicht als letzter Punkt noch erwähnt: Produkte wie Smart-Watches und Google Glass läuten auch die Verwischung der Grenzen zwischen Computer und Umwelt ein der sich auch schon durch sogenannte Smart-TVs länger abzeichnet (wie lange geistert schon der intelligente Kühlschrank durch die Medien?). Viel Logik wird wohl einfach in Alltagsgegenstände wandern, die Dank Anbindung an das Internet dafür nicht mehr besonders schlau sein müssen, denn die Auswertung von Eingaben und die Berechnung von Ergebnissen kann auf den Servern eines anonymen Betreibers erfolgen - mit allen damit verbundenen Gefahren - viel mehr als Input, Output, rudimentäre Verarbeitung der Daten und Vernetzung muss also nicht vorhanden sein und stromsparende Prozessoren sind bereits im Miniaturformat erhältlich.

Auch im Bereich von Mensch-Computer-Schnittstellen dürfte es in der ferneren Zukunft interessant werden: wesentlich mehr Touch-Steuerung, berührungsfreie Gestensteuerung, viel bessere Spracherkennung als wir sie heute noch kennen, bis hin zu Gehirn-Maschine-Schnittstellen ist alles denkbar wenn man aktuelle Entwicklungen zu Ende denkt.

So, eigentlich wollte ich so viel nicht schreiben, aber es wurde doch länger. Trotzdem hier noch einmal eine kurze Zusammenfassung was ich für die nächsten zehn Jahre erwarte (nicht ganz in chronologischer Reihenfolge):

  • Klassische PCs werden zwar nicht aussterben, aber kaum noch von Privathaushalten angeschafft.
  • In den Bereichen wo ein universell einsetzbarer PC noch weiter benötigt werden wird aufgrund von Leistungsanforderungen, Flexibilität und professionellem Anspruch, werden die Systeme zunehmend kleiner.
  • Notebooks werden kurzfristig von der Abnahme im PC-Bereich profitieren, aber auch in näherer Zukunft stark zurück gehen zugunsten von Tablet und Smartphones.
  • weitere Verkleinerung von Komponenten, biegsame Displays oder mobile Projektoren und immer bessere mobile Datenverbindungen werden wohl dafür sorgen, dass immer mehr mobile Alltagsgegenstände als Computer für die gängigen Aufgaben dienen können, oder zumindest dass ein Smartphone nicht mehr über 4 Zoll groß sein muss um vernünftig damit arbeiten zu können (wobei hier surfen, E-Mails schreiben und (würg) Facebook und Twitter gemeint ist).
  • Als vorerst letzten Schritt (wenn auch nicht mehr innerhalb eines Zeitrahmens von 10 Jahren) sehe ich ein kleines Gerät, dass irgendwo in einer Hosentasche verschwinden kann, das mehr oder weniger alles erledigt über verschiedene, per Funk angebundene Sensoren. Es erfasst Sprachbefehle, Bewegungen, Gesten - ist ständig vernetzt, projiziert seine Ausgabe auf jede beliebige Fläche oder schickt sie an einen Bildschirm in der Nähe und im schlimmsten Fall quatscht es mich auch noch zu ;)

So, jetzt aber erst einmal genug, ich bin gespannt, was ihr an Zukunftsvisionen beizutragen habt - also los.
Pauschalurteile sind immer falsch!!!
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