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News: Offline dank Microsoft

Microsoft kappt No-IP faktisch vom Internet

xafford / 15 Antworten / Flachansicht Nickles

Seit heute Morgen klappt die Namensauflösung bei DDNS-Kunden (DNS-Dienste für dynamische IP-Adressen) des Anbieters NoIP.com nicht mehr. Dies hat einen einfachen Grund und der heißt Microsoft.

Das Unternehmen aus Redmond hat bei einem Bezirksgericht(!) in Nevada einen Antrag auf eine Einstweilige Verfügung gestellt mit der Absicht Subdomains die von No-IP.com vergeben wurden vom Netz zu nehmen, da über diese Schadsoftware betrieben wurde. Diesem Antrag wurde nun stattgegeben und Microsoft bekam das Recht zugesprochen die Domains zu übernehmen. Doch hier fangen nun die Ungereimtheiten an:

Die Stellungnahme von No-IP.com
  1. Das Bezirksgericht verfügte, dass alle Registrare der Top Level Domains COM, NET, ORG, BIZ und INFO sofort alle für die Verbreitung genutzten Domains auf Microsoft DNS-Server umleiten sollen (Quelle: http://www.noticeoflawsuit.com/docs/14cr987-Microsoft.pdf).
  2. Wer DDNS nutzt weiß, dass er eine SUB-Domain zugewiesen bekommt nach dem Schema Hostname.NO-IP-DOMAIN.TLD.
  3. Die Registrare können keine Subdomains umleiten, also haben sie die 22 DOMAINS komplett an Microsoft umgeleitet aus deren Bereich die über 22.000 Subdomains stammen, die für die Verbreitung der Schadsoftware genutzt wurden.
  4. Die Folge ist nun, dass alle Kunden (auch die zahlenden) von No-IP.com keine funktionierende Auflösung ihrer dynamischen Adressen mehr haben, da die DNS-Server von Microsoft diese nicht auflösen können.

Um 22.037 Hosts aus dem Netz zu nehmen über die Schadsoftware verteilt wurde haben also das Gericht und Microsoft mehrere Millionen legitime Hosts quasi unsichtbar gemacht und die darüber laufenden Dienste gekappt!

Quelle: www.noip.com

xafford meint:

Hier sind sowohl Microsoft, als auch das Gericht massiv über das Ziel hinaus geschossen und man mag spekulieren, ob sich Microsoft nicht selbst ein Bein gestellt hat - oder mehrere, denn es könnten infolge dieser Aktion massive Regressforderungen auf das Unternehmen zukommen. Die eigentlich geplante Aktion 22.037 Hosts aus 22 Domains von No-IP.com vom Netz zu nehmen mag zwar funktioniert haben, gleichzeitig wurden aber alle anderen Hosts die in den 22 Domains registriert sind gleichzeitig mit vom Netz abgeklemmt, denn Microsoft verwaltet jetzt nur die Domains über das DNS, einen funktkionierenden DDNS-Dienst, der die Voraussetzung für eine korrekte Auflösung der unschädlichen Hostnamen hat das Unternehmen nämlich nicht.

Derweil dürften derzeit unzählige Privatanwender und Administratoren kleinerer Unternehmen haareraufend auf Fehlersuche sein, warum ihre Dienste, privaten Clouds und Fernzugänge nicht mehr funktionieren, sofern sie diese Meldung noch nicht gelesen haben. Angesichts dessen, dass z.B. Fritz!Box und andere Router No-IP als DDNS-Dienst direkt vorschlagen wird die Zahl auch in Deutschland recht hoch sein.

UPDATE: Für alle betroffenen habe ich hier ein kleines Skript auf die Schnelle zusammen gebaut um zumindest manuell an die aktuelle IP eines Hostes zu gelangen (die Updates auf No-IP.com funktionieren derzeit noch). Einfach folgende Seite aufrufen:

http://www.nickles.de/misc/no-ip.php?hst=HOSTNAME

Hierbei muss der Platzhalter HOSTNAME mit dem gesuchten Host ersetzt werden!

Update vom 03.07.2014:

http://www.nickles.de/thread_cache/539070797.html#_pc

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xafford

Nachtrag zu: „Microsoft kappt No-IP faktisch vom Internet“

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Update vom 03.07.2014:

Heute war eine Mail von No-IP mit dem Betreff "A message from our CEO" im Postfach, genauer gesagt von Dan Durrer, dem Eigentümerr und Geschäftsführer des Unternehmens, in der er sich direkt an die registrierten Nutzer des Dienstes wendet. Hier eine grobe Übersetzung des Inhalts:


Mail vom No-IP CEO

Eine Nachricht unseres Geschäftsführers

Wie Sie wohl mittlerweile erfahren haben wurde uns am Montag die Kontrolle über unsere beliebtesten Domains entzogen. Das Ergebnis ist, dass Millionen an Hostnamen ausfielen und Millionen an Nutzern von ihren Diensten abgeschnitten wurden.

Wir unternahmen alles was wir konnten, um Sie wieder online zu bringen so schnell es ging. Aus rechtlichen Gründen war es uns untersagt mit ihnen in Kontakt zu treten, aber wir können einfach nicht mehr schweigen. Wir sind einer Lösung sehr nahe und werden Sie so bald wie möglich mit weiteren Informationen versorgen.

Wir hören eure überwältigende Unterstützung in den Sozialen Medien und wollen euch mitteilen, dass wir eure Frustration teilen. Vielen Dank für eure Unterstützung!

Dan Durrer

Eigentümer und Geschäftsführer

Warum passiert dies?

Sie können unsere offizielle Stellungnahme in unserem Blog lesen und dort kommentieren und auf Facebook und Twitter teilen.

Falls Sie nicht auf die Rückgabe der Domains warten wollen um das Problem zu lösen können Sie nachfolgende Lösung nutzen um das Problem zu lösen. Erstellen Sie einen neuen Hostnamen unter einer Domain, die nicht durch Microsoft übernommen wurde. Die folgenden Domains sind verfügbar und funktionieren:

  • ddns.net
  • webhop.me
  • serveminecraft.net
  • ddnsking.com
  • onthewifi.com

Um einen neuen Hostnamen zu erstellen loggen Sie sich mit Ihrem No-IP Account ein und klicken Sie auf den Hosts/Redirect Tab. Klicken Sie "Add a Host". Geben Sie den Hostnamen ein und wählen Sie eine der funktionierenden Domains.

Haben Sie Fragen oder einen Kommentar? Zögern Sie nicht und eröffnen Sie ein Support-Ticket, oder rufen Sie uns an unter 775 853 1883, aber haben Sie bitte Verständnis dass wir derzeit viele Support-Tickets offen haben und dass es dadurch länger dauern kann als üblich, bis wir Sie kontaktieren.


Näheres unter www.noip.com/blog/

Update 2: Microsoft hatte heute verkündet, dass die Namensauflösung aufgrund eines technischen Fehlers bei legitimen Anfragen (also für andere Hostnamen, als die 22.037 an der Verbreitung von Schadcode beteiligten) nicht funktionierte und das Problem nun behoben sei. Allerdings funktioniert diese hier bei mir mit zwei definitiv nicht betroffenen Hostnamen am 03.07.2014 um 00:20 Uhr immer noch nicht - ein echtes Armutszeugnis für Microsoft zusätzlich zu dieser nicht ruhmreichen Aktion.

Allerdings besteht auch durchaus die Möglichkeit, dass No-IP die Auflösung durch Microsoft blockiert, denn Microsoft ist für die Verknüpfung der Hostnamen zur dynamischen IP-Adresse auf die Nameserver (DNS) von No-IP angewiesen und es wäre technisch durchaus machbar, dass No-IP aus verständlichen, wenn auch für die Kunden unangenehmen, Gründen diese Auflösung sperrt.

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