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Warum externe USB-Platten Dreck sind - technische Hintergründe

Wenn mich jemand fragt, was ich von einer externen USB-Festplatte halte und ich bei der Antwort das Wort "Dreck" benutze, dann sorgt das immer für Diskussionen. Dann wird entweder ungläubig geguckt oder vom anderen Ende des Tischs brüllen welche "Unsinn, die USB-Dinger funktionieren super!". Ja - es gibt viele Leute die so eine externe USB-Platte haben und sie funktioniert tatsächlich! Beziehungsweise scheint es so.

Viele wissen gar nicht, dass ihre Daten beim Übertragen auf diese Platte eventuell ZERSTÖRT werden! Und zwar auf eine grässlich tückische Art und Weise, weil man gar nicht merkt, dass die Daten nach der Übertragung nicht mehr wirklich 1:1 so sind, wie sie es einmal waren. Beispiel: ein Video oder eine Musikdatei lässt sich auch dann meist noch abspielen, wenn ein "paar Bits" darin kaputt sind.

Die Details zu diesem Daten-Disaster bei USB werden im Beitrag "PRAXIS: Datenträger prüfen - USB-Datensärge enttarnen" beschrieben.

Hier erstmal der simple technische Grund, worin das Problem besteht. Tatsache ist: es existieren keine USB-, Firewire, oder Netzwerk-Festplatten. In den Gehäusen stecken stinknormale Festplatten - also entweder alte parallel-IDE-Platten oder SATA-Platten. Diese IDE- und SATA-Platten wurden ursprünglich dafür entwickelt, per Kabel DIREKT an einer entsprechenden IDE/SATA-Buchse eines Mainboards oder Controllers angeschlossen zu werden. Logischerweise kann man an den Daten-Anschluss einer SATA-Platte nicht einfach ein USB-Kabel reinstecken. Damit aus dem externen Gehäuse die Daten aus der USB-Buchse rauskommen, braucht es ein Zwischending:

Um IDE-/SATA-Signale in USB- oder Firewire-Daten umzusetzen, steckt in externen Platten  eine Rechen-Elektronik mit eigenem Betriebssystem (Firmware). Diese Firmware ist extrem kritisch, da sie nicht unbedingt mit jeder Festplatte klarkommt. Im Glücksfall wird eine Platte gar nicht akzeptiert, im Pechsfall entsteht Datenschrott.

Hier zur Verdeutlichung mal das Ablaufschema bei einer USB-Festplatte und welche Risiken dabei lauern:

Externe USB-Festplatte: Daten müssen von einer Elektronik umgerechnet werden, damit sie per USB rausgelassen werden können.

USB-Faktor

Tipp

1. Festplatte

Die Festplatte im externen Gehäuse ist prinzipiell schnuppe, es ist egal, ob es eine alte parallel-IDE oder eine SATA-Platte ist. Die Platte selbst weiss gar nicht, dass sie nicht DIREKT an einem PC angeschlossen ist.

2. Elektronik

Die Platte hängt an einer Platine. Da ist eine "Rechenelektronik" drauf die aus den IDE/SATA-Signalen der Platte USB-Signale macht (und umgekehrt). Wenn diese Elektronik nicht sauber funzt, dann kracht es. Und sie funktioniert oft nicht sauber! Nicht umsonst gibt es alle Weile Firmware-Updates für externe Plattengehäuse um die "Rechenelektronik" nachzubessern!

3. USB-Controller

Das umgerechnete Signal geht dann über die "USB-Buchse" rein in den PC. Und da wird es erneut heikel! Die USB-Buchse kann direkt vom Chipsatz des Mainboards kommen, sie kann von einem zusätzlichen USB-Controller-Baustein eines Drittherstellers stammen beziehungsweise von einer Controller-Steckkarte im PC. Je nach Situation muss man sich dann natürlich noch arg auf die Zuverlässigkeit des USB-Treibers verlassen können.

Solche Umwege treten natürlich auch auf, wenn nach "Firewire" oder "Ethernet" umgerechnet wird. Tatsache hierbei ist allerdings, dass USB die wackligste Technik ist.

Kommentare zu diesem Artikel (5)

muelli75
Sehr interessanter Artikel! Mich würde interessieren, wie aktuell die Problematik mit USB-Festplatten noch ist bzw. ob die Fehler wirklich in großem Ausmaß auftreten. Ich benutze jetzt seit Jahren USB2-Festplatten und hatte bisher keine Probleme. Meine Daten spiele ich von der internen Platte mit FreeFileSync auf (was ich übrigens sehr empfehlen kann). Mit dem Programm ist ein Binärvergleich zwischen Quelle und Ziel möglich. Bisher würde immer alles bitgenau übertragen. Auch habe ich nahezu keine Informationen im Internet zu dem Thema gefunden. Da USB sich bei externen Platten durchgesetzt hat und ESATA mehr oder weniger Exotenstatus hat, kann ich mir nicht so recht vorstellen, dass die Problematik mit Fehlern bei der Übertragung großer Dateien nennenswerte Ausmaße hat. Klar - bei USB sind mehrere Controller beteiligt, wodurch die potenziellen Fehlerquellen größer sind. Da es jetzt aber auch nicht sooo viele unterschiedliche Controller-Hardware gibt, gehe ich mal davon aus, dass die Hersteller externer USB-Platten ihre Produkte weitgehend auf Zuverlässigkeit testen. Irgendwelchen Billig-Gehäusen würde ich auch nicht unbedingt über den Weg trauen, aber bei vermutlich mehreren Millionen verkauften USB-Festplatten würde ich wirklich gerne mal wissen, ob tatsächlich Anlass zu Paranoia besteht.
Michael Nickles
Hallo muelli, Von Paranoia würde ich nicht unbedingt reden. Der Artikel hier ist zwar schon älter, aber egal ob USB 2.0 oder USB 3.0: die Controller mobiler Platten halte ich nach wie vor für einen heiklen Faktor. Man sollte halt einfach auf Nummer sicher gehen und so einer Platte nicht blind vertrauen, gleich am Anfang (und auch später wieder mal) einen Test durchführen. Eine einfache, aber definitiv zuverlässige (und unverändert gültige) Testmethode habe ich hier beschrieben: http://www.nickles.de/c/s/praxis-externe-festplatten-usb-datensaerge-enttarnen-623-1.htm Grüße, Mike
muelli75
Michael Nickles
Hallo muelli, Zur Diskussion von Problemen verwendest Du besser die Foren auf Nickles.de. Dafür ist diese Artikel-Kommentierfunktion hier nicht geeignet. Grüße, Mike
muelli75
P.S. Eigentlich sollte der Test doch auch mit FreeFileSync (http://sourceforge.net/projects/freefilesync/) mit der Vergleichseinstellung "Dateiinhalt" gehen, oder? Hier werden halt auch die Ordnerpaare einem Binärvergleich unterzogen. Schau Dir FFS auf jeden Fall mal an, ich finde das Tool super. Nur bei der Installation nicht die Toolbar mitinstallieren! Beste Grüße, Christoph

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