DSL, ISDN, Modems - Seite 10

Surfstick vom Lebensmittel-Discounter - Aldi und Lidl im Vergleich

In Deutschland gibt es nur vier große Anbieter mobiler Netze: E-Plus, O2, T-Mobile und Vodafone. Wer einen Vertrag nicht direkt mit einem dieser Anbieter abschließt, der kriegt es um die Ecke also dennoch mit einem dieser vier Anbieter zu tun. Alle "Zweitanbieter" sind nur "Subunternehmer" der vier Großen, verkaufen deren Netze weiter - und tun das in den meisten Fällen für weniger Kohle, zu nur "leicht abwandelten" Bedingungen.

"Lebensmittel-Discounter" gehen bei technischen Angeboten grundsätzlich davon aus, dass die Kundschaft wenig (kein) technisches Verständnis hat und halt gnadenlos darauf vertraut, dass sie schon was Tolles für wenig Kohle kriegt.

!&2011-mobil-57.pg!

Die Eckdaten der Aldi-Talk-Flatrates stechen sofort ins Auge und klingen prima: 1,99 Euro für eine 24-Stunden-Flat und 14,99 Euro für 30 Tage. Das ist (war) Anfang 2011 eigentlich die untere Preisgrenze, billigere Anbieter gibt (gab) es generell nicht (http://www.aldi-sued.de/de/html/product_range/aldi_talk_mobiles_internet.htm).

Die Aldi-Talk-Flatrate braucht halt eine SIM-Karte von Aldi (Medion Mobile) und kann dann in jedem Surfstick ohne SIM-Lock verwendet werden. Wer keinen Surfstick hat, kriegt auch gleich einen bei Aldi:

Aldis Medionsurfstick wurde im Januar 2011 für 59,99 Euro angeboten. Angenehm dabei: es ist ein Stick ohne SIM-Lock, er kann also auch mit Prepaid-Karten anderer Anbieter verwendet werden. Technisch bietet der Stick allerdings nur maximal HSDPA 3,6 MBit/s Geschwindigkeit, das modernere schnellere HSDPA 7,2 MBit/s ist nicht möglich. Eine Anschaffung für abschätzbare "Ewigkeit" ist der Stick also nicht. Beim Spruch "Datenübertragung mit bis zu 3,6 MBit/s" hängt Aldi eine Fußnote "5" dran, die ganz am Ende der Seite erklärt wird: "mit Einschränkung, soweit in dem gewählten Mobilfunktarif verfügbar".

Es wird also ein bis zu 3,6 MBit/s schneller Stick angeboten, wobei diese Geschwindigkeit von einem Tarif nicht unbedingt unterstützt wird. Das weitere Kleingedruckte am Ende der Seite erklärt schließlich, welche Geschwindigkeit die von Aldi angebotenen Flatrates so hergeben:

In den Fußnoten zu den Flatrates wird klar, dass Aldi generell lediglich UMTS/GPRS Geschwindigkeit. also maximal 384 KBit/s verspricht. Der bis zu 3,6 MBit/s schnelle Stick kann also niemals ausgereizt werden - so man Aldis Kleingedrucktes knallhart interpretiert. Konkret ist HSDPA ja eine "Untergruppe" des UMTS-Standards, es kann also auch mehr als 384 KBit/s gemeint sein. Alleine die Bezeichnung "UMTS" steht auf jeden Fall nur für maximal 384 KBit/s.

Dass Aldi bei der Surfstick-Hardware zwar von "bis zu 3,6 MBits" (also HSDPA) redet, bei der Tarifbeschreibung aber nur von "UMTS" hat gewiss auch den Hintergrund, dass "Aldis Netzbetreiber" E-Plus sein HSDPA-Netz noch nicht so toll ausgebaut hat, es nur an "manchen Orten" bietet. Über UMTS-/EDGE-Speed wird man mit dem Aldi-Stick also nur in Ausnahmefällen hinauskommen (Stand Februar 2011).

Und so sieht es beim Lebensmittel-Discounter Lidl aus:

Lidl verlangt für seinen Internet-Stick 49,95 Euro inklusive SIM-Karte. Auch hier gibt es einen Stick der maximal 3,6 MBit/s liefert und laut "Kleingedrucktem" geben die Lidl-Flatrates (gleicher Preis wie bei Aldi) diese Geschwindigkeit auch her. Ob der Stick "SIM-Lock"-frei ist, teilt Lidl nicht mit. Anwenderberichten zufolge ist er allerdings frei.

Und welcher Deal ist jetzt besser? Da hilft nur eine Vergleichstabelle:

Kauffaktor

Aldi

Lidl

Anschaffungspreis Surfstick

59,99 Euro (*)

49,95 Euro

Anschaffungspreis SIM-Karte

2,99 Euro

inklusive

24 Stunden Flatrate

1,99 Euro

1,99 Euro

Monats-Flatrate

14,99 Euro

14,99 Euro

Maximale Geschwindigkeit

GPRS/UMTS also bis 384 KBit/s

HSDPA also bis 3,6 MBit/s

Verwendetes Netz

E-Plus

O2

Datendrosselung bei 24 Stunden Flatrate

ab 1 GByte auf 64 KBit/s

ab 500 MByte auf 64 KBit/s

Datendrosselung bei Monats- Flatrate

ab 5 GByte auf 64 KBit/s

ab 5 GByte auf 64 KBit/s

(*) Während des Schreibens dieses Beitrags hat Aldi den Preis seines Surfsticks erst auf 50 Euro und kurz darauf auf 40 Euro gesenkt. Ich habe darauf verzichtet den Beitrag hier deswegen umzuschreiben. Denn: die Anbieter basteln quasi im "Tagestakt" an ihren Preisen - so schnell kann man Beiträge gar nicht schreiben. Also: alle Preise in diesem Beitrag bitte nur als eine Momentaufnahme betrachten!

In fast allen Punkten klingt das Lidl-Angebot verlockender. Zum einen ist der Surfstick billiger, beziehungsweise war das zum Zeitpunkt als ich diesen Satz schrieb. Und es wird bis zu 3,6 MBit/s geboten, Aldi liefert (das Kleingedruckte streng interpretiert) nur maximal 384 KBit/s. Sobald die Datendrosselung zuschlägt, fallen allerdings beide runter auf 64 KBit/s. Im Fall einer Monats-Flatrate passiert das bei beiden ab 5 GByte. Bei der Tages-Flatrate ist Aldi großzügiger: hier wird erst nach 1 GByte und nicht schon nach 500 MByte (Lidl) gedrosselt.

Schließlich gilt trotz der erkennbaren Unterschiede: beide Angebot sind gleichermaßen gut wie schlecht. Das Ko-Kriterium bei der Entscheidung ist schlichtweg, ob am Aufenthaltsort E-Plus (Aldi) oder Lidl (O2) das schnellere Netz hat. In vielen Fällen wird das O2 sein, da E-Plus sein HSDPA-Netz bislang vergleichweise gering ausgebaut hat. Gibt es sowieso nur maximal UMTS, dann ist das Aldi-Angebot im Fall einer Tages-Flatrate cooler, weil erst nach 1 GByte gedrosselt wird.

Nochmals: Strenggenommen ist das Aldi-Angebot eigentlich ein Gag, weil das E-Plus-Netz verwendet wird - und das bietet HSDPA-Geschwindigkeit bislang (Stand Februar 2011) nur in Ballungsräumen. Die Masse der Aldi-Suftstick-Nutzer wird also kaum über UMTS beziehungsweise EDGE-Geschwindigkeit hinauskommen!

Kein Bock auf Aldi und Lidl? Es gibt zig Alternativen, beispielsweise den Kaffeehändler "Tchibo", der ebenfalls seit einiger Zeit einen Surfstick anbietet:

Die Überschrift von Tchibos Seite lautet "Das gibt es nur bei Tchibo". Und in der Tat: Tchibo schafft es, quasi alle Details zum Surfstick komplett auf eine einzige lange Seite zu packen (hier nebeneinander aufgeteilt).

Das Kleingedruckte mit allen relevanten Beschreibungen (rechts unten im Bild) ist bei Tchibo elend lang, absolut unleserlich Formatiert (keine Absätze im Text) und eigentlich voll mit verworrenen Begriffen, in laaaange Satzkonstruktionen verschachtelt: "Flatrate L", "Flatrate XL", "Buchungsmonat", "Nutzungstag". Sorry - ich hatte keinen Bock mir das durchzulesen.

Natürlich können (und werden) die Lebensmittel-Discounter ihre Angebote/Tarife jederzeit ändern. Es muss also immer sehr scharf verglichen und das Kleingedruckte studiert werden. Und dieses Kleingedruckte ist halt das Grausame an der Sache. Man könnte fast meinen, alle Anbieter haben einen Packt geschlossen. Und zwar, ihre Interessenten beim Stöbern nach dem besten Angebot so lange mürbe zu machen, bis sie einfach keinen Bock mehr zum Vergleichen haben.

Entweder werden Informationen über zig Webseiten und "Popups" verstreut präsentiert, damit gar keine Chance hat, sie einfach von oben nach unten durchzulesen. Oder: das "Kleingedruckte" wird dermaßen klein und versteckt präsentiert, dass man fast verrückt wird. Oder: die Beschreibungen sind in einer Art "Juristendeutsch" verfasst und kaum kapierbar. Es wird halt gezielt daraufhin gearbeitet, dass der Interessent irgendein wichtiges Detail übersieht oder falsch versteht. Im Beitrag "Kleingedrucktes" dieses Schwerpunkts werden die typischen Maschen aufgezeigt.

Von diesen Schikanen mal abgesehen gilt: die "Original-Netzbetreiber" sind prinzipiell teurer als die Zweitanbieter, die deren Netze im "Lebensmittelregal" mitverscheuern. Und: von denen hat keiner was zu verschenken, alle werkeln in der gleichen Preisecke, mit quasi gleichen Leistungen und Konditionen rum. Wo immer ein besonderes Schnäppchen lockt, lauert der Satan im Detail. Keiner "verschenkt" einen Surfstick für einen Euro und eine unlimitierte Flatrate für eine Handvoll Euro pro Monat!

Artikel kommentieren