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Mobiles Internet und Surfsticks - Technik und Verbindungstypen

Wer nicht reinfallen will, muss sich leider erstmal eine Portion recht trockene Materie reinziehen. Also Bier aufmachen und weiterlesen…

Aktuell sind bei mobilem Internet diese Standards und Geschwindigkeiten verbreitet:

Mobiler Internetstandard

Klassifizierung

Geschwindigkeit

Tipp

GSM

(Global System for Mobile Communications)

2G

GSM ist generell nur eine Basis-Bezeichnung für mobile Funkverbindung. Also ein "Überbegriff" für die unten aufgeführten Standards.

GPRS

(General Packet Radio Service)

(gehört zu 2G)

bis zu ca 64 KBit/s

Das ist die "Arschklasse". Lahmer geht es heute eigentlich kaum noch. Und mit der kriegt man es garantiert zu tun!

Denn: ALLE Anbieter bezahlbarer Tarife drosseln auf GPRS runter, wenn eine gewisse Datenmenge versurft ist - und die ist schnell versurft! Theoretisch geht GPRS bis 64 KBit/s, oft werden allerdings nur rund 50 KBit/s erreicht.

Multimediales Internet, also Videos und Musik online abrufen, ist mit GPRS aussichtslos.

EDGE (**)

(Enhanced Data Service for GSM Evolution)

(gehört zu 2G)

ca 150-230 KBit/s

EDGE ist quasi ein optimierter GPRS-Standard, der höhere Geschwindigkeit zulässt. Auch hier ist Surfen noch eine ziemliche Quälerei und Multimedia ist ebenfalls nicht drin.

UMTS

(Universal Mobile Telephone System)

3G

ca 384 KBit/s

UMTS ist wie GSM wiederum generell nur ein Oberbegriff für verschiedene weitere Methoden wie HSDPA und HSUPA. Ist nur von UMTS alleine die Rede, dann ist damit eine Verbindungsleistung von bis zu rund 384 KBit/s gemeint.

Das ist eigentlich die Geschwindigkeitsklasse, ab der Surfen auf Webseiten überhaupt erst ein bisschen Spaß macht, keine totale Quälerei ist.

HSDPA (*)

(High Speed Downlink Packet Access)

(gehört zu 3G)

bis ca 7,2 MBit/s

Bei diesem UMTS-Protokoll sind Download-Geschwindigkeiten von bis 7,2 MBit/s möglich. Das reicht selbsterklärend für fast alles aus. Bei HSDPA gibt es verschiedene Ausbaustufen.

Los ging es mit ca 1,8 MBit/s, dann folgten 3,6 MBit/s bis hin zu 7,2 MBit/s. Alleine die Bezeichnung HSDPA sagt also nix, es muss (im Fall von Surfstick-Hardware und Tarifen) auch dabei stehen, welche Geschwindigkeitsklasse exakt gemeint ist!

HSUPA (*)

(High Speed Uplink Packet Access)

(gehört zu 3G)

bis ca 3,6 MBit/s

Mit steigender HSDPA-Ausbaustufe, geht auch die Upload-Geschwindigkeit rauf. Mit HSUPA ist die derzeit schnellste Upload-Geschwindigkeit bei HSDPA gemeint, also bis zu 3,6 MBit/s. Die Bezeichnung HSUPA macht also nur in Verbindung mit HSDPA Sinn.

LTE

(Long Term Evolution)

4G

bis zu 300 MBit/s

Die neueste Methode, LTE, ermöglicht prinzipiell Download-Geschwindigkeiten von bis zu 300 MBit/s (in Worten "dreihundert"). LTE befindet sich momentan noch im Ausbau, in der ersten "Stufe" werden bis zu rund 50 MBit/s geboten.

(*) Diese beiden Standards werden teils auch einfach zusammengefasst als "HSPA" bezeichnet. HSPA alleine sagt also nichts über die Leistung aus, je nach Standort beziehungsweise Netzausbau kriegt man "nur" eine bestimmte Ausbaustufe von HSDPA und HSUPA.

(**) Inzwischen gibt es wohl auch optimierte Edge-Verbindungen, die bis zu 384 KBit/s, also quasi UMTS-Geschwindigkeit erreichen.

Vodafone bietet bereits diverse LTE-Tarife an. Im günstigsten Fall kostet das 30 Euro im Monat, wobei man allerdings nur 3,6 MBit/s Geschwindigkeit kriegt. Das bringt im Vergleich zu HSDPA/HSUPA also noch keinen großen Kick. Schneller wird es erst bei den Tarifen ab 40 Euro. Das LTE-Netz ist bislang nur sehr spärlich ausgebaut und damit generell noch nicht interessant. Ideal ist das im Momentan  eigentlich nur, wenn man in einer "ländlichen" Gegend wohnt in der es keinerlei Alternative gibt und LTE dort bereits verfügbar ist.

Bezüglich der Geschwindigkeitsangaben ist zu beachten, dass die sehr wage sind! Dass an einem Ort ein bestimmter Standard vorhanden ist, heißt noch lange nicht, dass dessen maximal mögliche Leistung erzielt wird. Auch hängt es von den Netzbetreibern aus, wie weit sie einen Standard ausreizen. Klar ist auf jeden Fall: GPRS ist die aktuell lahmste Methode, HSDPA 7,2 MBit/s die schnellste. Idealerweise hat mal also einen Surfstick, der bis HSDPA 7,2 MBit/s tauglich ist und einen Netzbetreiber, der diesen Standard unterstützt.

Entscheidend zu wissen: alle mobilen Netze sind ein sogenannte "Shared Medium", also ein Dingsbums das "gemeinsam genutzt" wird. Das heißt: eine Antenne/Funkzelle, kann nur eine bestimmte Anzahl von Teilnehmern gleichzeitig versorgen. Sind es zu viele, dann geht die Geschwindigkeit natürlich runter, es kommt keine HSDPA- oder HSUPA-Geschwindigkeit zu stande. Auch bei theoretisch verfügbarem Highspeed-Netz kriegt man dessen Leistung also nicht garantiert zu jedem Zeitpunkt.

Bei den Verbindungstypen lauert damit schon mal eine gewaltige Verarsche. Ein beliebter Trick: irgendein „Discounter“ bietet einen modernen schnellen Surfstick an, der beispielsweise HSDPA kann. Eventuell steckt allerdings ein Provider dahinter, der diesen schnellen Standard in seinem Netz noch gar nicht unterstützt oder ihn noch nicht weitreichend ausgebaut hat.

In so einem Fall nützt ein hardwaremäßig schneller Stick natürlich nichts, er kann gar nicht ausgereizt werden. Also: nicht nur auf die Leistungsdaten eines Sticks gucken, sondern auch darauf, was sein Anbieter wirklich liefern kann.

Lidl wirbt bei seinem Internet Stick hier mit DSL-Geschwindigkeit dank HSDPA und UMTS in vielen Gebieten. Das ist einerseits juristisch korrekt, andererseits Blödsinn. UMTS schafft nur eine Download-Geschwindigkeit maximal 384 KBit/s - also nicht unbedingt das, was sich ein normaler Mensch unter DSL-Geschwindigkeit vorstellt.

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