DSL, ISDN, Modems - Seite 9

Geschwindigkeitsdrosselung und Abschaltung - unterschätzter Faktor

In der Werbung und ihren Beschreibungen, preisen die Anbieter vollmundig enorme Übertragungsgeschwindigkeiten auf DSL-Niveau, Surfen mit "Datenturbo". Der Haken dabei ist eigentlich immer, dass diese Höchstgeschwindigkeit nur bis zu einer bestimmten übertragenen Datenmenge gilt. Dann wird die Geschwindigkeit auf "GPRS"-Niveau bis ca 50-60 KBit/s gedrosselt.

Je nach Anbieter kann man im Fall einer Tages-Flat oder einer Monats-Flat zwischen 500 MByte bis 5000 MByte mit voller Geschwindigkeit verbraten. Selbstklärend sind ein paar Hundert Megabyte heute ratzfatz weggesurft. Bereits eine recht einfache Webseite wie beispielsweise die Startseite von Nickles.de verbrät rund 1 Megabyte. Werden online Videos geguckt, ist ein GByte schnell verbraten. Es ist also fatal sich in der ARD-Mediathek einen 90minütigen "Tatort" anzugucken.

Einer der besonders günstigen Surfstick-Anbieter ist klarmobil.de. Hier gibt es eine Monats-Flatrate schon ab 9,95 Euro (Tarifmodell "Flat 500"). Im Kleingedruckten (Rechtliche Hinweise) wird erklärt, dass nach Verbrauch von 500 MByte auf GPRS-Geschwindigkeit gedrosselt werden kann (also vermutlich wird). Alternativ gibt es das "Flat 5000" Tarifmodell für 19,95 Euro, das 5000 MByte ohne Speedlimit bringt.

Bei praktisch ALLEN bezahlbaren Mobile-Internet-Tarifen, wird ab einer bestimmten Datenmenge die Geschwindigkeit gedrosselt. Und zwar radikal runter auf GPRS. Damit ist Surfen dann eigentlich nicht mehr möglich beziehungsweise macht keinen Spaß mehr. Seiten bauen sich nur qualvoll langsam auf, Audio-/Video kann man komplett vergessen. Es reicht halt noch für "Chatten" und "Email".

Schwer kalkulierbar, ist das Preis-/Leistungsverhältnis bei einer "Tages-" und einer "Monats"-Flatrate. Eine Monats-Flatrate kostet beispielsweise 25 Euro eine Tagesflatrate 3,50 Euro. Surft man also einen Monat lang mit einer Tages-Flat, dann macht das ca 30 x 3,50 Euro = 105 Euro, ist also vier Mal so teuer wie eine Monats-Flat. Dafür kriegt man bei einer Tagesflat allerdings täglich beispielsweise 1 GByte mit voller Geschwindigkeit (also ca 30 GByte pro Monat), bei einer Monats-Flat indessen nur beispielsweise 5 GByte volles Rohr.

Beim Preis-/Leistungsverhältnis schneidet die Tages-Flat dann gar nicht mehr so mies ab. Beziehungsweise es wird klar, dass eine 25 Euro Monats-Flat gar nicht so billig ist, da nach 5 GByte ja gnadenlos gedrosselt wird und Internet dann nur noch kümmerlich nutzbar ist.

Und was ist, wenn man eine Monats-Flat gebucht hat und nach Verbrauch der Fullspeed-Datenmenge gedrosselt wird aber trotzdem unbedingt schnelleres Internet braucht, auch zum Draufzahlen bereit ist? Diesen Spezialfall sehen die meisten Anbieter leider nicht vor, haben keine Lösung dafür.

Man bleibt solange im "Schnecken-Modus", bis das gebuchte Paket halt zeitlich abgelaufen ist. Eine Entscheidungsmöglichkeit, mal eine Weile im langsamen Modus zu surfen, um sich Zeit für schnelle Verbindungen zu sparen, hat man leider typischerweise auch nicht. Nach Buchen eines Pakets geht es halt mit Vollgas los und dann kommt irgendwann die Vollbremsung.

Leider gibt es keine Garantie, dass ein Anbieter wirklich erst nach der zugesagten Fullspeed-Datenmenge drosselt. Manche berichten im Internet, dass es durchaus auch früher passiert. Man sollte seine verbrauchte Datenmenge also möglichst selbst kontrollieren um die Seriosität eines Anbieters wenigstens beurteilen zu können. Dreht ein Anbieter früher als versprochen den Hahn zu, kann man sich bestenfalls bei der Hotline beschweren (was immer die kostet!) - einen Rechtstreit zu starten und zu beweisen, dass man wirklich weniger Daten mit Fullspeed gekriegt hat, ist praktisch aussichtslos.

Bleibt schließlich zu wissen, dass eine Datendrosselung noch eher das geringere Übel ist! Besonders billige Anbieter haben im Kleingedruckten drinnen, dass ein gebuchtes Paket nach Verbrauch einer bestimmten Datenmenge einfach beendet wird, es kann gar nicht mehr weitergesurft werden. Dann hat man beispielsweise 20 Euro für eine Monats-Flat geblecht und wundert sich, weil nach Angucken von ein paar Youtube-Videos plötzlich Sense ist, weil die nutzbare Datenmenge von "1 GByte" verbraten ist.

Das mit der Geschwindigkeitsdrosselung oder Abschaltung ab Verbrauch einer bestimmten Datenmenge wird von den Anbietern praktisch ausnahmslos im Kleingedruckten erklärt! Oben in der Überschrift eines Surfstick Angebots wird mit "DSL-Geschwindigkeit" geworben und eine kleingedruckte Fußnote erklärt dann, dass nach Verbrauch von "500 MByte" auf GPRS-Geschwindigkeit gedrosselt wird.

Faire Anbieter schreiben immerhin noch dazu, dass mit GPRS nur rund 60 KBit/s gemeint ist. Viele Surfstick-Kunden übersehen dieses Kleingedruckte und/oder wissen gar nicht, dass 60 KBit/s eigentlich "Witz-Geschwindigkeit" bedeutet.

Die schimpfen dann in Internet-Foren, dass der Surfstick XYZ totaler Beschiss ist, nichts taugt, weil er nach kurzer Zeit plötzlich total stinklahm wurde.

Schuld sind in diesem Fall nicht die Schimpfenden, sondern meist die Anbieter der bezahlbaren Tarife. Und zwar, weil sie nicht klipp und klar kommunizieren, dass ein Surfstick halt nun mal nicht permanentes "Highspeed"-Internet bietet!

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