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AMD-Phenom Bug - brutal oder Pippifax?

Nochmals zum "Bug". Laut AMD wurde dieses Problem per "BIOS-Patch" behoben. Das heißt im Klartext: wer einen Phenom schon länger hat, der sollte klarstellen, dass er ein aktuelles Mainboard-BIOS hat, das den Bug behebt. Das kostet laut AMD rund 10 Prozent Leistung, was im Fall eines heutigen "Hochleistungs-Prozessors" relativ schnuppe ist. Hier muss man allerdings wissen, dass es sich um DURCHSCHNITTLICH 10 Prozent Leistungsverlust handelt.

Die Kollegen von http://www.techreport.com/ haben den Phenom-Bug detailliert untersucht. Dazu wurden verschiedene Benchmarks ausgeführt, wie sich der Phenom ohne TLB-Bug (also kein BIOS-Patch) und mit TLB-Bug (mit BIOS-Patch) verhält.

http://techreport.com/articles.x/13741/4

Techreport ermittelte, dass der Bug im Durchschnitt rund 20 Prozent Leistungsverlust bedeutet und alles sehr arg vom Einsatzzweck abhängig ist. In einigen Fällen kostet die Bug-Umgehung nur 0.04 Prozent Leistung, in diversen allerdings weit über 30 Prozent bis hin zu 57 Prozent (beim Firefox-Browser). Besonders ärgerlich ist generell der Leistungseinbruch bei der Speicher-Bandbreite. Konkret ist AMDs Aussage, das Beheben des TLB-Bugs per BIOS-Patch würde nur ein "paar Zerquetschte" Leistung kosten, also arg bedenklich beziehungsweise falsch.

Laut AMD tritt der Bug nur in extrem exotischen Fällen auf, die sich in der Praxis kaum rekonstruieren lassen - immerhin ein kleiner Trost, aber halt keine Garantie, dass es Sinn macht, auf die Behebung des Bug per BIOS-Patch zu verzichten. Konkret ist das mit dem BIOS-Patch eh eine recht blöde Sache. AMD hat hierfür allen Mainboard-Herstellern "erklärt" was sie tun müssen um den Bug durch eine neue BIOS-Version zu beheben, welche CPU-Funktionen "umgeschaltet" werden müssen.

Das wurde von den Mainboard-Herstellern dann unterschiedlich umgesetzt. Im Knallhart-Fall wird eine neue BIOS-Version eingespielt, die den Bug beseitigt und halt Leistung kostet. Basta. Etwas freundlicher ist die Lösung, im BIOS eine Option anzubieten, die den Bug je nach Wunsch ein-/ausschaltet - also volle Leistung und Risiko oder weniger Leistung und kein Risiko. In diesem Fall findet sich im BIOS dann beispielsweise eine Option namens "Apply Errate 298 workaround" - damit ist der AMD-TLB-Bug gemeint.

Fazit: der Bug kostet bis zu 57 Prozent Leistung, das mit dem "BIOS-Rumgemache" schmeckt nicht wirklich. Die neuen B3-Modelle ohne Bug kommen JETZT in den Handel - drum macht der Kauf eines B2-Modells einfach keinen Sinn mehr - so man kein extremer Sparfuchs ist und beim Ausverkaufspreis zuschlagen will.

Soweit bekannt werden die alten B2-Modelle durch die B3-Version komplett abgelöst und sie kriegen zur Unterscheidung zu ihren Vorgängern einen "50er" in der Modellbezeichnung. Aus dem alten Phenom X4 9600 mit Bug wird dann sozusagen der Phenom X4 9650 ohne Bug.

Extrem ärgerlich für alle Erstkunden eines AMD-Phenoms: sie müssen entweder den Bug behalten wenn sie volle Leistung wollen, oder den Bug ausschalten und damit Leistung verlieren. Ein Umtauschrecht gibt es nicht - dafür wird der Bug von AMD als "zu unwichtig" eingestuft - und durch das BIOS-Patch gilt er seitens AMD als gelöst.

AMD QuadCore-CPU in 45nm Fertigungstechnik (Bild AMD).
AMD QuadCore-CPU in 45nm Fertigungstechnik (Bild AMD).
AMD QuadCore-CPU in 45nm Fertigungstechnik (Bild AMD).
AMD QuadCore-CPU in 45nm Fertigungstechnik (Bild AMD).
AMD QuadCore-CPU in 45nm Fertigungstechnik (Bild AMD).

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