Läuft das auch?

Zur Treibersituation unter Linux

Linux nutzen - na klar! Aber was ist mit der ganzen Peripherie? Läuft die Graphikkarte und die Soundkarte - oder etwa nicht? Was ist mit dem DVD, dem Scanner und dem Modem? Das sind Fragen, die man sich als Linux-Einsteiger leider immer noch stellen muß. Warum das so ist, und wie die Zukunft aussieht klärt der folgende Beitrag. Von Jürgen Bernau und Thomas Wölfer.

Alles nicht so einfach
Ehrlich gesagt: Der Hardwaresupport unter Linux ist ein Problem. Der geübte Linuxnutzer informiert sich zwar vor dem Kauf eines neuen Gerätes über die Verfügbarkeit von Treibern, dem Umsteiger, der Linux nur mal ausprobieren möchte, hilft dieser Ansatz leider nicht weiter: Der Umsteiger besitzt ein fertiges Gerät und möchte auf diesem Linux installieren. Häufig weiß ein Anwender noch nicht einmal, welche Komponenten sich in seinem Computer verbergen, da er dieses als Komplettgerät im Fachhandel erworben hat. Da Windows im allgemeinen vorinstalliert ist, muß ein Anwender sich normalerweise auch nicht mit der Typenbezeichnung seiner Netzwerkkarte beschäftigen - Mit einer Linuxinstallation ändert sich dies schlagartig: Vom Anwender wird plötzlich Wissen verlangt, daß er nicht hat, und das er vieleicht auch gar nicht erwerben möchte.

Die Distributionshersteller haben auf dieses Problem reagiert und vielfältige Methoden zur automatischen Hardwareerkennung in die Installationprogramme integriert, die mittlerweile auch recht gut funktionieren. Allerdings können auch diese Programme nur Hardware erkennen, für die eine Unterstützung vorhanden ist: Ist die Hardware zu neu oder zu ausgefallen, dann scheitern sie und lassen den Anwender im Regen stehen. Es stellt sich die Frage wo die Gründe für den teilweise mangelhaften Support liegen. Wie so oft gibt es auf diese Frage keine eindeutige Antwort. Der große Schuldige existiert nicht, und auch diverse Verschwörungstheorien die dahinter einige große (fast) Monopolisten vermuten, sind kaum ernst zu nehmen.

Hauptgrund für mangelnde Unterstützung ist wie so oft im Geschäftsleben ein monetärer: Support kostet Geld. Damit sich ein Hersteller bereit erklärt für ein Betriebsystem Support zu leisten muß er davon überzeugt sein, daß sich der Aufwand lohnt. So lange Linux nur ein Nischendasein auf den Desktops der Anwender fristet, so lange wird sich ein Hersteller gründlich überlegen hier zu investieren. Das Linux zwar als Serverbetriebsystem seinen Konkurenten aus Redmond durchaus Marktanteile abgenommen hat macht die Situation für typische Consumer Komponenten wie Soundkarten oder Digitalkameras nicht besser. Das Schreiben eines Treibers ist dabei vermutlich noch nicht einmal der größte Kostenfaktor. In dem Moment, in dem ein Herstelle offizielle Treiber für ein Produkt bereitstellt, muß er dieses auch supporten. Gleichgültig ob er den Treiber kostenlos verteilt oder nicht: Die Supportmitarbeiter werden zwangsläufig mit Telefonanrufen oder Emails von Anwendern rechnen müssen. Die Mitarbeiter müssen daher entsprechend geschult und die Kapazitäten erweitert werden.

Dem gegenüber stehen Open Source Programmierer, die einen Treiber für eine bestimmte Hardware erstellen, weil sie ihn selber brauchen oder weil sie an seine Wichtigkeit glauben. Der Großteil der Treiber für Linux stammt aus dieser zweiten Kathegorie. Die Programmierer benötigen allerdings verschiedene Qualitäten: Sie müssen ausgezeichnete Arbeit leisten können, sie brauchen viel freie Zeit, einen langen Atem, die entsprechende Hardware und ausreichend Informationen über selbige. Als Gegenleistung erhalten sie Ruhm, Ehre - und Mails mit Fehlerbeschreibungen. Nicht gerade aufbauend.

Ist die Hardware hinreichend komplex, so ist ohne Unterstützung der Hersteller ohnehin meist kein Treiber mehr zu schreiben. Nicht jeder Hersteller ist allerdings von der Idee begeistert, interne Informationen über seine Hardware zu verbreiten. Häufig wird vom Programmierer ein sogenanntes Non Disclosure Agreement ( NDA ) verlangt. Dieses untersagt dem Programmierer, die erhaltenen Informationen weiterzuverbreiten. Leider ist ein solches Agreement mit der offenlegung der Quellen, wie sie bei Open Source Programmen üblich ist, nicht zu vereinbaren. Resultat: Kein Treiber.

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