Dirty Tricks...

Luxus selbstgemacht

Viele billige Produkte lassen sich durch Insider-Tricks funktionell aufpeppen, steigen in eine höhere Leistungsklasse auf. Billige TV-Karte zum Renner machen? Digital-Soundausgang auf SoundBlaster umsonst? Velcity-Billigkarte zur Voodoo3 umkrempeln? Alles kein Problem... Von Michael Nickles

Im Internet tauchen immer wieder Fragen dieser Art auf:

"Ich habe gehört, dass die Video Logic und die Terratec XLerate Pro von der Hardware her bis auf den letzten Pin absolut identisch sind. Kann man da dann nicht für die Videologic Sonic Vortex 2 die Treiber der XLerate Pro Pro installieren und so die leichten Mängel im Klang der Sonic Vortex 2 beheben? Also ich habe eine Diamond Sonic Impact S90 (Aureal Vortex 1 Chipsatz) und ich habe die Treiber der Terratec XLerate (eine Soundkarte mit dem gleichen Chipsatz) installiert. Das System läuft damit absolut stabil. Wäre es dann nicht auch möglich dies auch bei der Sonic Vortex 2 mit den Treibern der Xlerate Pro zu tun?"

Und tatsächlich: Viele PC-Produkte sind baugleich. Es gibt exakt zwei Klassen von Herstellern die Produkte bauen... Im Fall von Grafikkarten sieht das beispielsweise so aus:

Selfmade: Nur wenige Grafikkarten kommen aus einem Guß. Das heißt, der Hersteller der Grafikkarte baut auch das entscheidende Teil auf der Karte selbst - den Grafikprozessor. Und auch sämtliche weiteren Komponenten, die Grafik betreffen, wie beispielsweise ein Videoprozessor für Videobearbeitung am PC. Einer der größten Selbermacher ist Matrox: Abgesehen von den RAM-Bausteinen stellt Matrox für seine Karten praktisch alles selbst her. Das Drama bei der Inkompatibilität der Rainbow-Runner-Video-Erweiterungsmodule von Matrox bei verschiedenen Kartenmodellen und die Absturz-Grausamkeiten, mit denen Matrox bei diesem Zubehör anfangs gequält hat, lassen es allerdings fraglich erscheinen, ob eine Grafikkarte besser ist, wenn sie aus einem Guß stammt.
Einen Nachteil haben Selfmade-Karten auf jeden Fall: Du bist auf Gedeih und Verderb auf exakt ihren Hersteller angewiesen. Die Chance, im Internet einen alternativen Treiber zu finden, existiert nicht. Und auch der Pool an Video-Speziallösungen (die Freaks meist nur für Massenprodukte entwerfen) wie beispielsweise Pay-TV-Decoding am PC schrumpft! 3dfx, Hersteller der Voodookarten, hat sich 1999 gewandelt: Ehemals stellte 3Dfx nur Chips her, seit der Voodoo3 werden die Karten vollständig selfmade produziert.

Mixer: Mischmasch heißt, ein Grafikkartenhersteller produziert nicht alle Video-Komponenten auf seiner Karte selbst. Typisch ist ATI: ATI stellt die grundsätzlichen 2-D/3-D-Chips selbst her, verwendet für sonstigen Video-Overlay-Krempel (Video-Eingang, TV-Ausgang) allerdings Fremdchips (beispielsweise von Brooktree). Bei TV-Komponenten greifen nahezu alle Hersteller auf Fremdwaren (in der Regel Philips-Tunermodule) zurück. Gegen eine gut gemixte Karte ist nichts einzuwenden. Gut gemixt heißt, daß der Barkeeper nicht nur Fremdkomponenten einkauft, SONDERN ES AUCH VERSTEHT, SIE TREIBERTECHNISCH PERFEKT ANZUSTEUERN. Bevor Du Dich auf den Barhocker setzt, hältst Du diesbezüglich besser eine Brechtüte griffbereit.

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