Merkwürdig: Beim Einzelbild-Capture-Modus lässt Hauppauge die Einstellung diverser Auflösungen zu. Aber: Die PAL-Vollauflösung 768x576, die auch die Hardware hergibt, wird nicht angeboten.
Der Pool an PC-Fernseh-Karten ist enorm groß geworden, viele Hersteller kämpfen in diesem Markt um das beste Preis-Leistungs-Verhältnis. Und das ist elend schwer: Fast alle preiswerten TV-Karten basieren auf identischen Bauteilen, entsprechend identisch ist ihre Leistung. Ein Hersteller hebt sich von allen anderen TV-Karten-Herstellern außerordentlich hervor: Hauppauge. Hauppauges TV-Karten kosten zwar ein paar Euro mehr, aber dieser Hersteller bietet einen erstklassig guten deutschen Internet-Support für seine Karte. Und auch bei der Treiber- und Softwarequalität hat Hauppauge die Nase vorn. Zumindest was die Stabilität anbelangt. Der Nepp lauert aber auch bei diesem Hersteller:
Hauppauge wirbt bei seinen TV-Karten mit einer Einzelbild-Aufnahmeauflösung von bis zu 1600x1280 Bildpunkten.
Viele TV-Karten dienen nicht nur dem Fernsehempfang, sondern werden auch als Video-Capture-Karten eingesetzt - also Videokamera am Video-Eingang der Karte anschließen und Filme digital aufzeichnen - oder Einzelbilder schießen. Wer so was machen will, ist natürlich scharf auf eine möglichst hohe Einzelbild-Auflösung: Praktisch alle Hersteller der billigen TV-Karten werben mit Einzelbild-Auflösungen von 768x576 Pixel, sind also einem digitalen Fotoapparat haushoch unterlegen. Anders bei Hauppauge: Hauppauge wirbt bei seinen TV-Karten konsequent mit einer maximalen Einzelbild-Aufnahmeauflösung von bis zu 1600x1280 Pixel - also über 2 Millionen Pixel - und das ist mehr, als selbst viele luxuriöse teure digitale Fotoapparate schaffen. So mancher Besitzer einer Videokamera mag so denken, dass die Anschaffung einer TV-/Video-Capture-Karte eine Alternative zu einem teuren digitalen Fotoapparat ist: Und das ist eine Illusion. Alles scheitert bereits daran, dass die Bildaufnahme-Sensoren selbst bester Videokameras weit unter 1 Million Bildpunkte haben - die Auflösung, die in den Video-Eingang einer TV-Karte reingeht, liegt also schon mal deutlich unter den 2 Millionen Pixeln, die Hauppauge mit seinen Karten aufnehmen können will.
Die Illusion wird komplett, blickt man noch auf die Tatsache, dass Hauppauges angegebene Aufnahmeleistung schlicht und ergreifend eine Lüge ist: Naja, nicht ganz - Hauppauge formuliert seinen Verpackungstext sehr schlau. Dort steht Folgendes:
Verpackungslüge
»Per Mausklick stoppen Sie das aktuelle TV oder Videobild und speichern es in allen gängigen Dateiformaten in 24 Bit Farbtiefe bis zu einer Auflösung von 1600x1280 Pixel. Die gestochen scharfen Bilder eignen sich bestens für Weiterverarbeitung in Grafikprogrammen...«
Und das stimmt auch alles: Man kann tatsächlich Bilder mit bis zu 1600x1280 Auflösung speichern. Das Ergebnis sind dann allerdings beschissen unscharfe Bilder. Hintergrund: Die internen Bauteile der Hauppauge-TV-Karten arbeiten exakt wie die Konkurrenzprodukte nur mit maximal 768x576 Bildpunkten. Die hohen Auflösungen erreicht Hauppauge einfach dadurch, dass die Bilder beim speichern durch primitive Pixelvervielfachung vergrößertwerden. Ein 1600x1280 großes Hauppauge-Bild ist also identisch mit einem 768x576-Bild, das mit einem Malprogramm auf 1600x1280 gezoomt wird. Im Klartext suggeriert Hauppauge mit der Angabe »1600x1280« eine Bildgröße, die in der Praxis seitens der Hardware schlicht und ergreifend nicht möglich ist.