Das Ende vom Stottern... Teil II
Nach der Streichung verbleibt im Gerätemanager
beispielsweise Folgendes:
Nach Streichen der 'unwesentlichen' Dinge verbleiben im Gerätemanager die kritischen Komponenten mit ihren IRQ-Doppelbelegungen. Guck Dir das Bild genau an.
Wenn Du Bild 3 genau betrachtest, dann sind
folgende Dinge erklärungswürdig:
Ungereimtheiten durchleuchtet
Interrupt 5 - Soundblaster
16. Das ist die Soundkarte im System, hier ein klassicher Soundblaster,
der im ISA-Steckplatz steckt. Die Soundkarte wurde manuell auf
Interrupt 5 eingestellt und Interrupt 5 auch im BIOS reserviert.
Das ist eine klassische korrekte Soundkarteninstallation, die
bestens in Ordnung ist. PCI-Soundkarten können häufig
nicht Interrupt 5 verwenden, sondern nehmen sich einen der hohen
Interrupts ab 10 - das ist der Grund, warum ISA-Soundkarten auch
heute im PCI-Zeitalter noch die bessere Wahl sind, trotz aller
Vorteile der PCI-Soundkarten.
Interrupt 9 - Der Interrupt
9 (siehe auch Grundlagen in diesem Kapitel) war früher ein
kritischer Kollege, seit Windows 98 wird er recht anständig
genutzt. Übel in diesem Beispiel ist die Belegung des Interrupt
9: Gleich fünfmal wird er verlangt, und Windows hat sogar
zwei IRQ-Holder für Interrupt-Mehrfachbelegung auf ihn angesetzt.
Über diesen Interrupt 9 geht dann die Hölle ab: Das
Mainboard hängt mit seinem Intel-Chipsatz dran, der Adaptec
SCSI-Controller und die Surecom-Netzwerkkarte.
Interrupt 10 - Der Interrupt
9 wird totgequält, Interrupt 10 indessen hat ein leichtes
Leben - er versorgt nur die ISDN-Karte, wird von keinem Interrupt-Holder
belästigt. Warum ist Windows so unfair? Ganz einfach: Die
ISDN-Karte im Beispiel ist eine ISA-Karte, der Interrupt 10 wurde
im BIOS explizit für sie reserviert. Und wenn ein Interrupt
für eine ISA-Karte reserviert ist, dann lässt ihn Windows
in Ruhe, er wird niemals mehrfach belegt.
Interrupt 11 - das ist
nach Interrupt 9 der zweite geschundene Kollege. Auch er wird
von einem IRQ-Holder beackert und muss zwei Steckkarten bedienen:
die AGP-Grafikkarte und eine Hauppauge PCI-Fernseh-Karte. An dieser
Stelle sollte es bei Dir klingeln: Du hast maximal eine AGP-Karte
im System. Der AGP-Steckplatz teilt sich auf den meisten Mainboards
den Interrupt mit einem bestimmten PCI-Steckplatz. Wenn im Gerätemanager
also der Interrupt, den die AGP-Karte kriegt, auch einen PCI-Holder
hat, dann weißt Du, welcher PCI-Steckplatz mit dem AGP-Steckplatz
gekoppelt ist: Im Beispielfall ist es der PCI-Steckplatz, in dem
die Hauppauge WinTV steckt. Diese Information ist für späteres
Troubleshooting wichtig.
Wahnsinn komplett
Und damit sind wir mittendrin im Wahnsinn: Wenn es
in einem Gerätemanager so aussieht, wie hier im Beispiel
gezeigt, ist es dann nötig einzugreifen? Kann ein System
überhaupt anständig laufen, wenn im Gerätemanager
ein solcher Interrupt-Doppelbelegungs-Irrsinn auftritt?
Ja es kann. Es kann durchaus sein, dass selbst die
brutalste IRQ-Mehrfachbelegung nichts ausmacht, das System tadellos
läuft und auch keine extremen Stottervarianten auftreten.
Prinzipiell erlaubt die PCI-Spezifikation die Mehrfachvergabe
von Interrupts. Die meisten PCI-Steckkarten kommen folglich auch
damit klar, aber leider nicht alle: Es kann sein, dass ein System
bitterböse gebremst wird oder regelmäßig wegen
der Mehrfachbelegung abstürzt. Blöderweise kriegst Du
diese Frage nicht mit irgendeinem Diagnose- oder Benchmark-Programm
beantwortet. Man kann nicht 'messen', wie geschmeidig
die Komponenten in einem PC zusammenarbeiten - und nur darauf
kommt es an, nicht auf die Summe ihrer Einzelleistung. An diesem
Problem kranken die Testberichte von Fachzeitschriften: Du kannst
ausnahmslos Testsieger kaufen und trotzdem nonstop reinfallen.
An dieser Stelle hilft Dir nur der totale Durchblick
bei der IRQ-Mehrfachbelegung.